Anschlag in Wien: Durchsuchungen bei Mitwissern in Deutschland

07. Juli 2021 · Lesedauer 2 min

Die deutschen Behörden haben Hausdurchsuchungen bei zwei mutmaßlichen Mitwissern des Terroranschlags von Wien in Osnabrück und Kassel durchgeführt.

Rund um den radikal-islamisch motivierten Anschlag in Wien im November des Vorjahres haben deutsche Ermittler die Wohnungen von zwei mutmaßlichen Mitwissern der Tat durchsucht. Im Visier der Ermittler stünden der kosovarische Staatsangehörige Blinor S. sowie der Deutsche Drilon G., deren Wohnungen in Osnabrück und Kassel gestürmt worden seien, teilte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe am Mittwoch mit.

Spezialkräfte der Bundespolizei, die Sondereinheit GSG 9 sowie Beamte des Bundeskriminalamtes seien im Einsatz gewesen, hieß es. Grundlage des Einsatzes seien Durchsuchungsbeschlüsse des deutschen Bundesgerichtshofs gewesen.

Beide Verdächtige waren bei Islamistentreffen in Wien

Beide Beschuldigte seien im Juli 2020 für mehrere Tage nach Wien gereist und hätten auch in der Wohnung des Attentäters übernachtet, so die Bundesanwaltschaft. Es sei zu Treffen weiterer Personen aus dem islamistischen Spektrum Österreichs und der Schweiz gekommen.

"Aufgrund der engen persönlichen Beziehung zum Attentäter und ihrer gemeinsamen radikal-islamischen Gesinnung hielten es die beiden Beschuldigten spätestens seit diesem Besuch zumindest für möglich, dass der Wien-Attentäter seine bereits zuvor gegenüber Dritten offen geäußerten Anschlagsabsichten in die Tat umsetzen würde", erläuterte die Sicherheitsbehörde. Dies hätten die Beschuldigten "billigend in Kauf" genommen.

Der Wien-Attentäter hatte im Sommer vor dem Anschlag mehrmals Kontakt zu Mitgliedern der islamistischen Szene in der Schweiz und Deutschland. Bei einem gemeinsamen Treffen in Wien observierte das hiesige Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) zwar auf Anfrage der deutschen und Schweizer Behörden, die Überwachungen wurden anschließend aber eingestellt.

Löschten Kommunikation am Tag des Anschlag

Zudem hätten sie damit begonnen, ihre Verbindungen zum Täter zu verschleiern, indem Inhalte auf Mobiltelefonen und in Sozialen Medien gelöscht worden seien. So hätten sie am Tag des Anschlags schon vor Beginn der Bluttat angefangen, auf ihren Handys und in Sozialen Netzwerken ihre Kommunikation mit dem Attentäter zu löschen.

Bei dem Anschlag vom 2. November 2020 waren insgesamt vier Personen getötet und 23 weitere Menschen teils schwer verletzt worden. Der Täter, ein 20-jähriger Anhänger der islamistischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), war von der Polizei erschossen worden.

Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos/APA