APA - Austria Presse Agentur

Wie schütze ich meine Kinder vor den Gefahren im Netz?

30. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

Sexuelle Belästigung, Cybermobbing, Betrug - im Internet lauern Gefahren, auf die besonders Kinder und Jugendliche oft schlecht vorbereitet sind. Die Erziehungswissenschaftlerin Sonja Messner gibt Tipps, wie Eltern damit umgehen sollten.

27 Prozent aller 11- bis 18-Jährigen wurden im Netz schon Opfer von sexueller Belästigung oder Gewalt, ein Viertel wurde verbal belästigt, 20 Prozent erhielten intime Fotos, die sie nicht sehen wollten und elf Prozent wurden online schon erpresst.

Das sind die Ergebnisse einer Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung, die gleichzeitig zeigen, dass nur 32 Prozent aller Kinder und Jugendlichen über sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet informiert wurden, obwohl sich 80 Prozent bessere Aufklärung wünschen würden.

Die meisten Kinder und Jugendlichen haben uneingeschränkten Zugang zum Internet, wenn es Einschränkungen gibt, dann sind das zeitliche. Weniger als ein Viertel der 11- bis 13-Jährigen haben im Internet auch Einschränkungen, die die Art der Nutzung betreffen.

Nicht schützen, sondern befähigen

Dabei wäre es für Kinder und Jugendliche so wichtig, sie in solchen Fragen nicht allein zu lassen und sie zu unterstützen, sagt Erziehungswissenschaftlerin Sonja Messner von der Salzburger Jugend-Anlaufstelle "Akzente". Messner betont allerdings, dass man Kinder nicht unbedingt schützen könne, sondern befähigen sollte, mit solchen Situationen und mit dem Internet im Allgemeinen umzugehen.

Wichtig sei, ein Problembewusstsein zu schaffen, sagt die Erziehungswissenschaftlerin, etwa darüber, dass im Netz nicht jeder der ist, für den er sich ausgibt. Auch im analogen Leben sei es wichtig, Kindern beizubringen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und "nein" sagen zu dürfen.

Ob Kinder und Jugendliche selbst schon ein Smartphone besitzen dürfen und wie sehr Eltern ihre Aktivitäten im Netz beobachten sollten, hänge sehr von der jeweilige der Reife der Kinder und davon, wie sie sich sonst an Regeln halten, ab. Allgemeingültige Vorgaben – etwa auch darüber, ab welchem Alter Smartphones sinnvoll sind – könne man schwer aufstellen, sagt Messner. Es gebe auch Zwischenlösungen – etwa, dass Kinder das Smartphone nur für bestimmte Zwecke haben dürfen. Jedenfalls sollten aber auch die Bedürfnisse nach sozialer Zugehörigkeit berücksichtigt werden.

Handyverbote sind wenig sinnvoll

Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre, dennoch sollten Eltern wissen, welche Geräte, Apps oder Plattformen ihre Kinder benutzen. Diese könne man vor der ersten Benutzung mit den Kindern gemeinsam durchgehen und etwa Datenschutzeinstellungen besprechen. Besonders Chats in Onlinespielen werden von Pädophilen oft gezielt genutzt. Wenn Kinder in solchen Chats sind, sollten sie auf diese Gefahr aufmerksam gemacht werden.

Wenn dann etwas passiert ist, sei es laut Messner das Wichtigste, das Kinder und Jugendliche wissen, dass sie Bescheid geben und darüber reden können. Handyverbote als Bestrafung hält sie daher für wenig sinnvoll, weil sich das die Betroffenen dann nicht mehr trauen würden. Es sei wichtig, den Kindern keine Vorwürfe zu machen und eventuell auch Anzeigen zu erstatten. Wenn es etwa um Mobbing geht, könne es auch Sinn machen, die Schule miteinzubeziehen.

Tipps zur Prävention

Sexuelle Belästigung und Cybermobbing seien "große Phänomene", die zwar immer mehr ins Bewusstsein geraten, es aber bei der Prävention "Luft nach oben" gebe, sagt Messner. Medienbildung und Workshops zum Thema sollten noch ausgebaut werden. Informationen bietet die Website von "saferinternet.at". Messner empfiehlt auch "mediennutzungsvertrag.de", wo Eltern gemeinsam mit ihren Kindern einen Vertrag über den Umgang mit dem Internet ausarbeiten können.

Themenwoche auf PULS 4

Am Dienstag ab 20:15 Uhr widmet sich PULS 4 in einem Themenabend "Der Feind im Kinderzimmer - Gefahr Social Media!" den dunklen Seiten der virtuellen Welt. Zuseher können erstmals via einem Voting auf ZAPPN aktiv an der Diskussion teilnehmen.

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa