Screenshot Sebastian Kurz Account auf TikTok
Screenshot/TikTok

"Sind Sie der Echte?": Kanzler Kurz auf TikTok

03. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Bundeskanzler Sebastian Kurz ist jetzt "offiziell" auf der chinesischen Video-Plattform TikTok. Die Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten. Peinlich oder authentisch?

Bundeskanzler Sebastian Kurz begibt sich auf unsicheres Terrain. Seit knapp einer Woche ist er auf der Unterhaltungs-App TikTok zu finden. Die Video-Plattform ist für Lip Sync, Tanzvideos und unterhaltsame Clips bekannt und hat eine durchwegs junge Zielgruppe, die die Inhalte selbst erstellt und konsumiert. Politische Inhalte haben sich in der Vergangenheit auf lustige Zusammenschnitte oder Memes beschränkt. Im April des vorigen Jahres war auch der Kanzler Subjekt eines österreichischen TikTok Trends, als er in sogenannten "Shorty-Memes" als besonders verträumt und romantisch dargestellt wurde. Dementsprechend skeptisch fielen die ersten Reaktionen zu seinem offiziellen TikTok-Auftritt aus. "Ich bin's, wir können's beweisen", antwortete der Kanzler daraufhin am 1. August 2021 in einem Clip.

Fragen über Fragen

Da TikTok auch für die Interaktion mit anderen Usern ausgelegt ist, haben sich schon etliche Fragen und Kommentare unter den bisher zehn Videos des Bundeskanzlers angesammelt. Bei der Frage nach seinem Lieblingsessen antwortet er diplomatisch und kann (oder will?) sich zwischen Schnitzel, Tafelspitz, Pizza und Pasta nicht festlegen. Ansonsten interessiert die Community auch die Frage, bei welchem Level der Kanzler bei dem Spiel Candy Crush steht. Userin @patstalmach weist den Anzug-tragenden Bundeskanzler auf den "Dresscode" hin: "Auf TikTok tragen wir keine Anzüge. Wer hat baggy Jeans und Nikes für den Bua?" Mittlerweile folgen über 90.000 Menschen dem Account.

Aufruf zur Impfung

Sebastian Kurz nützt in seinen Videos mit dem Titel "Die Impfung ist unser Weg aus der Krise" auch gleich die Chance, um einen Impf-Appell an die Jugend zu richten. In den Kommentaren sprechen sich viele User gegen eine Impfung aus und kritisieren den Aufruf. Weiters teilten Kurz und sein Team Aufnahmen, die ihn zeigen, als er den Impfstoff von AstraZeneca bekam. Ansonsten bekommt man mit Musik unterlegte Zusammenschnitte aus der Österreich-Tour des ÖVP-Chefs und einen Rückblick zu seiner Dienstreise nach New York zu sehen. Anhand einiger Kommentare wird auch klar, dass die Politik von der Jugend verfolgt wird. Referenzen zu dem "Hobt's scho Mittaggessn?"-Sager von Kurz aus dem Juni 2019 kommen immer wieder vor, genauso wie verwunderte Reaktionen darauf, dass das Social Media Team von Kurz jetzt auch TikTok im Visier hat: "Sind Sie jetzt auf TikTok wegen denen die sich noch nicht entschieden haben sich impfen zu lassen?", fragt User @danipigi.

Screenshot von Kommentaren gegen eine Impfung
Screenshot/TikTok

Unter den Kommentaren zu dem Impf-Appell sprechen sich viele gegen eine Impfung aus.

In guter Gesellschaft

Mit dem gewagten Schritt, TikTok zur politischen Kommunikation zu nützen, ist der ÖVP-Bundesparteiobmann allerdings nicht alleine. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist dort genauso anzutreffen wie der frühere israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu oder die moldauische Präsidentin Maia Sandu. In Österreich hat bisher nur Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer mit seinem TikTok-Auftritt Schlagzeilen gemacht. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ist ebenfalls mit einigen wenigen Clips auf der Plattform vertreten, ansonsten sind die Junge ÖVP und die NEOS mit offiziellen Accounts dabei.

Die Beobachtung, dass die zur chinesischen ByteDance-Gruppe gehörende Plattform zunehmend politisch wird, konnte man bereits während dem vergangenen US-Wahlkampf oder der Black-Lives-Matter Bewegung machen. Mehr als 800 Millionen aktive Nutzer und eine Zielgruppe zwischen 13 und 24 Jahren ziehen Politiker an, die ihre Botschaften bei den Jungen anbringen wollen. Dass dieses Vorhaben nach hinten losgehen kann, liegt auf der Hand. Authentizität ist auf TikTok so wichtig wie auf keiner anderen Plattform. Die Nutzer haben auch keine Angst davor, Inhalte, die in ihren Augen peinlich oder unangebracht sind, als solche zu entlarven.

Lisa StepanekQuelle: Redaktion / lis