APA - Austria Presse Agentur

Sebastian-Kurz-Videos gehen auf TikTok viral

Apr 29, 2020 · Lesedauer 4 min

Kurze Videos über Bundeskanzler Sebastian Kurz werden derzeit zigtausend Mal auf der Plattform TikTok angesehen. Wer oder was genau hinter dem Trend steckt ist unklar, die ÖVP verneint jeglichen Zusammenhang zwischen der Partei und den Accounts. Einen offiziellen TikTok Account von Sebastian Kurz gibt es noch nicht.

Bundeskanzler Sebastian Kurz steigt aus dem Auto aus, er streichelt einen Hund, blickt langsam in die Kamera: Im Hintergrund spielt verträumte Musik, dazwischen immer wieder ein paar Glitzer-Effekte. Was wie der Trailer einer romantischen Komödie klingt, sind Videos die aktuell auf der Videoplattform TikTok viral gehen. Vor etwa eineinhalb Wochen seien Vielen die Videos zum ersten Mal aufgefallen, in den letzten Tagen dann vermehrt, berichten uns österreichische TikTok-User im Gespräch.

Eines der mittlerweile am meisten gesehenen Videos wurde von der Userin "@themartinipolice_" vor fünf Tagen gepostet. 92.000 Aufrufe hat es bereits, jenes danach sogar über 250.000. Insgesamt wurden Videos mit dem Hashtag #SebastianKurz über 7,7 Millionen Mal angesehen. Postet "@themartinipolice_" auch Videos von anderen Stars, so sind in den letzten Tagen auch Accounts entstanden, die nur noch Videos von Sebastian Kurz posten. Sie nennen sich zum Beispiel "@basitshortisdaddy" oder "@b.shawtyedits". Viele der Videos haben zwischen 10.000 und 60.000 Aufrufe. Andere User wiederum denken sich sogar eigene Fanfiction aus, in der sie zum Beispiel entführt werden, Sebastian Kurz treffen und er sich in sie verliebt, oder sie bearbeiten Bilder, wo sie selbst an der Stelle von Kurz‘ Freundin stehen. Einer TikTok Userin, die anonym bleiben möchte, ist das zwar etwas peinlich, sie sagt aber klar: Das ist alles nur Spaß.

Woher kommt nun aber dieser Trend?

Bereits auf Youtube wurden immer wieder Videos von Stars oder aus Serien gepostet. Die Clips werden zu kurzen Sequenzen geschnitten, mit verträumter Musik unterlegt und mit eigenen Bildeffekten bearbeitet. Auf TikTok sieht man zum Beispiel immer wieder Videos vom Sänger und ehemaligen One Direction-Mitglied Harry Styles, dem Schauspieler Timothée Chalamet – oder Leonardo DiCaprio.

Wieso gerade jetzt?

"Die Ausgangssperre macht uns glaub ich alle sehr kreativ und da ich jetzt in Kurzarbeit bin, hab‘ ich extra viel Zeit für solche Sachen wie Tik-Tok Videos," erklärt uns eine Userin. So geht es vielen während der Ausgangsbeschränkungen und der Zeit in Selbstisolation. Von der Pillow-Challenge (aus Polster und Decke wird ein Kleid gemacht) bis zu Trickshots (ein Ball muss auf unmöglichen Wegen in einem Gefäß landen): Auf Plattformen wie TikTok gehen gerade viele Challenges, mit denen sich Menschen die Zeit vertreiben, viral.

Eine andere Userin, die 19-Jährige Alina Strasser meint: "Viele TikTok Userinnen und User sprechen auch (mehr oder weniger) spaßeshalber davon, dass sie sich durch diese Videos zu unserem Bundeskanzler hingezogen fühlen. Dies erklären sie dadurch, dass sie seit nun mehreren Wochen zu keinen Männern physischen Kontakt hatten." Solche Kommentare liest man auch immer wieder unter den Videos. Die User sind aber nicht tatsächlich in den Kanzler verliebt. Es handelt sich um Satire und das würden User sehr wohl erkennen, meint sie weiter. Auch in den Accounts selbst wird oft der Hinweis angeführt: Achtung Satire.

Satire als Werbung für Parteien und Politiker?

Dass Sebastian Kurz oder die ÖVP hinter den Videos stecken verneint die Partei. Auf eine schriftliche PULS 24-Anfrage heißt es: "Wir haben selbst erst davon in den letzten Tagen erfahren - und wir haben nichts damit zu tun." Abwegig ist es aber nicht, dass auch satirische Postings als Werbung und politische Kommunikation verwendet werden. Der ehemalige US-Präsidentschaftsbewerber für die demokratische Partei, Michael Bloomberg, hat erst im Februar damit für Aufsehen gesorgt. Er hat große Meme-Accounts auf Instagram dafür bezahlt, sich über ihn lustig zu machen. Insgesamt haben diese Accounts über 60 Millionen Follower. Für viele dieser Follower war es aber trotz Kennzeichnung nicht klar, dass es sich hierbei um Werbung handelt. Sie hielten selbst die Kennzeichnung für Satire. Michael Bloomberg und sein Team haben jedoch klar kommuniziert, dass es sich hierbei um bezahlte Postings handelt.   

Auch die Journalistin Anja Melzer warnt auf Twitter vor authentisch getarnten Kampagnen im Netz. Sie wirken so natürlich, dass jeder mitmachen möchte.

Stefanie StockerQuelle: Redaktion / Sto