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Zoll hatte heuer mehr Aufgriffe am Flughafen Wien als 2019

15. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Als hätte es die Pandemie nie gegeben: Die Bilanz der Zöllner am Flughafen Wien-Schwechat für das erste Halbjahr 2022 weist höhere Aufgriffszahlen auf als der Vergleichszeitraum des Vor-Pandemiejahres 2019. Das resultiert allerdings aus nicht einmal halb so vielen Kontrollen wie in den ersten sechs Monaten 2019, wie Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) und Flughafen-Vorstand Günther Ofner am Freitag bei einer Pressekonferenz mitteilten.

Im ersten Halbjahr 2019 waren mehr als 14,5 Millionen Passagiere am Flughafen Wien registriert worden. Der Zoll führte damals 45.395 Kontrollen durch und verzeichnete dabei 1.726 Aufgriffe. Nach massiven Passagierrückgängen in den vergangenen beiden Jahren - erstes Halbjahr 2020 knapp 5,1 Millionen, 2021 weniger als zwei Millionen - wurden heuer in den ersten sechs Monaten immerhin wieder mehr als 9,2 Millionen Fluggäste am Airport abgefertigt. Dabei gab es 20.965 Kontrollen und mit 1.858 Aufgriffen um 132 mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Im Vorjahr waren es trotz der geringen Passagierzahlen im ersten Halbjahr übrigens 1.550 Treffer bei knapp 17.000 Kontrollen.

Brunner und Zoll-Teamleiter Roland Karner wiesen in dem Zusammenhang auf die gestiegene Effizienz hin. Dies würden Risikoanalyse ausmachen. Erst in der Vorwoche hatte eine solche Analyse zwei Reisende angezeigt. Bei der anschließenden Kontrolle der beiden fanden die Beamten Hörner und Knochen von in Sibirien lebenden Riesenwildschafen im Koffer.

Vor allem bei Gold und Schmuck gab es große Steigerungsraten, so wurde allein beim Schmuck ein Warenwert von rund 1,2 Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen, was übrigens nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun hat. Vielmehr ging es um Händler, die ihre Ware unter der Hand loswerden wollten. In einem Fall fanden die Zöllner 18 Kilogramm Schmuck in einem Koffer. In einem weiteren Fall hatte ein Schmuggler 1,5 Kilo Schmuck in der Unterhose.

"Klassiker" fanden die Zöllner natürlich auch: etwa 201.010 Stück Zigaretten und Zigarren bei 570 Aufgriffen. Dabei spielen Zigarren laut Karner aber kaum eine Rolle, nicht zuletzt wegen der relativ hohen erlaubten Menge (50 Stück pro erwachsenem Passagier). Der Zoll-Teamleiter wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass durch den Krieg in der Ukraine einige gerade für Zigarettenschmuggel relevante Routen ausgefallen seien. "Wir sind dabei herauszufinden, welche neuen Routen verwendet werden", sagte Karner.

Weiters gab es 101 Aufgriffe von Suchtmitteln mit rund 235 Kilogramm und 90 Millilitern Drogen sowie und 359 Stück Tabletten. Bei Arzneimitteln beschlagnahmten die Zöllnerinnen und Zöllner vier Kilogramm, 494 Packungen und 19.096 Stück bei neun Aufgriffen. Dazu kamen acht Aufgriffe nach dem Artenschutz und 531 nach dem Tierseuchenrecht.

In 16 Fällen stießen die Zöllnerinnen und Zöllner am Flughafen auf unangemeldetes Bargeld mit einem Gesamtwert von 529.127 Euro. Bei zwölf Fällen im Gesamtwert von 435.368 Euro handelte es sich um den Versuch, Bargeld unangemeldet aus Österreich auszuführen. Es wurden Strafen über 31.300 Euro verhängt und 62.390 Euro wurden aufgrund von vollstreckbaren Abgabenrückständen gepfändet.

Die Dienststelle Ost des Zolls führte auch mobile Kontrollen durch: Bei 168 Einsätzen kontrollierten die Beamtinnen und Beamten im ersten Halbjahr 2.356 Fahrzeuge, 7.453 Personen und 17.626 Gepäckstücke. Dies führte zu 362 Aufgriffen und Einnahmen von rund 87.000 Euro. 125 Aufgriffe der mobilen Kontrollore betrafen Verstöße gegen das Tierseuchenrecht - mehr als fünf Tonnen tierische Produkte wurden sichergestellt. In 55 Fällen waren es Aufgriffe nach dem Pflanzenschutz, durch die 703 Kilogramm beschlagnahmt wurden. Über 15.000 Stück Zigaretten zogen die Zöllner in 16 Aufgriffen aus dem Verkehr, ganze 6.400 Stück davon waren in der Seitenverkleidung eines Pkw aus Nordmazedonien versteckt.

Brunner wies darauf hin, dass Zollvergehen "kein Kavaliersdelikt" sind. "Diese Aufgriffe sind deshalb wichtig, weil sie für einen fairen Wettbewerb in Österreich sorgen. Einzelne sollen sich nicht auf Kosten der redlichen Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der ehrlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler einen Vorteil verschaffen, der unser Land, seine Wirtschaft und unsere Gesellschaft schädigt", sagte der Finanzminister. Er lobte ebenso wie Ofner die sehr gute Zusammenarbeit zwischen den Flughafen-Mitarbeitern und den Zollbeamten.

Der Flughafen-Vorstand lobte auch das heimische Kurzarbeitssystem, das es dem Airport ermöglicht habe, 80 Prozent des Personals in Beschäftigung zu halten. Dies sah Ofner als einen der Gründe an, warum es in Wien anders als auf anderen Flughäfen keine Chaosszenen gegeben habe. Daneben liege dies auch an der Struktur: Der Wiener Flughafen habe systemrelevante Tätigkeiten kaum an externe Dienstleister ausgelagert, was ebenfalls Chaos vermeiden half bisher, wie Ofner ausführte. "Die stärksten Wochenenden der Urlaubszeit liegen bereits hinter uns."

Quelle: Agenturen