Zoll beschlagnahmte 7.640 Ivermectin-Tabletten allein in Oktober

28. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Bei Schwerpunktkontrollen des österreichischen Zolls - vor allem in den Postverteilerzentren - wurden seit Jahresbeginn bei 428 Aufgriffen insgesamt 24.169 Tabletten des Entwurmungsmittels Ivermectin beschlagnahmt, ein Drittel davon allein im Oktober.

Seit September sei "die Zahl der Aufgriffe förmlich explodiert", teilte das für den Zoll zuständige Finanzministerium am Sonntag in einer Aussendung mit. Unterstützt werden die Zollkontrollen durch begleitende Internetermittlungen der Cybercrime-Einheit des Zolls.

Die vorläufige Bilanz des Zolls spricht eine deutliche Sprache: Gab es im ersten Halbjahr 2021 nur vereinzelt Ivermectin-Aufgriffe, so wurden alleine im Oktober 7.640 Stück - also ein Drittel der gesamten Jahresmenge - sichergestellt. Das ist im Vergleich zum Jänner mehr als das 50-fache.

Österreich EU-weit bereits auf Platz zwei

Zwischen September und Mitte November wurden insgesamt 15.844 Tabletten, die meist via Internet bestellt und auf dem Postweg verschickt wurden, vom Zoll beschlagnahmt. Die explosive Steigerung bei den Aufgriffen von Ivermectin-Medikamenten in Österreich bestätigte sich auch bei einer EU-weiten Zoll-Schwerpunktaktion, die im Oktober und bis Mitte November stattfand. Bei der Anzahl der dabei beschlagnahmten Ivermectin-Sendungen rangiert Österreich EU-weit auf Platz zwei.

Die meisten Empfänger in NÖ

Das Medikament wird unter verschiedensten Produktbezeichnungen hauptsächlich aus Singapur, Indien und Hongkong versendet. Bestimmt waren die Sendungen für Empfänger in ganz Österreich. Spitzenreiter waren Empfänger in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich, Wien und der Steiermark.

Nach dem Aufgriff erstattet der Zoll aufgrund des Verstoßes gegen das Arzneiwareneinfuhrgesetz Anzeigen an die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden, die in der Folge Strafen festlegen und die Medikamente im Anschluss entweder vernichten oder auf Kosten des Bestellers an den Absender retournieren. Der Strafrahmen bei der illegalen Einfuhr von Medikamenten liegt bei einer Geldstrafe in Höhe von bis zu 7.260 Euro.

Als Corona-Wundermittel angepriesen, aber wirkungslos

"In den vergangenen Monaten haben wir eine regelrechte Kampagne zur Einnahme des Entwurmungsmittels Ivermectin als angebliches Covid-Heilmittel erlebt. Das hat zu einer wahren Flut an Sicherstellungen des Mittels durch den Zoll geführt", so Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Anstatt sich gegen eine Corona-Erkrankung zu schützen, gefährden diese Menschen jedoch ihre Gesundheit, warnt der Minister in der Aussendung.

Bei den geschmuggelten Medikamenten, die meist aus Asien stammen, handle es sich oft um wirkungslose, verunreinigte oder gefälschte Präparate, warnte das Ministerium. Experten warnen daher vor der missbräuchlichen Einnahme.

EMA fand keine heilende Wirkung bei Covid-19

In Österreich sind Ivermectin-Tabletten beim Menschen für die Behandlung von Krätzmilbe sowie von parasitären Wurmbefällen und Ivermectin-Hautpräparate für die Behandlung von Kupferakne zugelassen. Im veterinärmedizinischen Bereich erstreckt sich die Zulassung auf die Anwendung gegen innere und äußere Parasiten bei einer Vielzahl von Tierarten.

EU-weit nicht zugelassen sind die Präparate zur Behandlung von Covid-19. Mehrere durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) geprüfte Studien und Analysen bestätigen, dass Ivermectin eine Behandlung von Covid nicht unterstützt, wurde betont.

Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) warnt: "Ivermectin ist im Rahmen der zugelassenen Dosierungen im Allgemeinen gut verträglich. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Ivermectin bei einer höheren als der zugelassenen Dosierung toxisch wirkt."

Quelle: Redaktion / hos