APA - Austria Presse Agentur

Ivermectin: Doppelt so hohe Nachfrage, aber "keine österreichischen Rezepte"

16. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

In Oberösterreich ist das Entwurmungsmittel Ivermectin, das von Coronaleugnern oft als Heilmittel angepriesen wird, offenbar ausverkauft. In anderen Bundesländern gibt es keine erhöhte Nachfrage danach, wie ein Rundruf von PULS 24 ergab. Meist handle es sich um Kunden aus EU-Nachbarländern, heißt es.

Thomas Veitschegger, Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer, teilte am Dienstag mit, dass das Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin in Oberösterreich ausverkauft sei. Ivermectin, das auch zur Behandlung von Krätze eingesetzt wird, wird von Corona-Leugnern und Impfgegnern immer wieder fälschlicherweise als Heil- oder Wundermittel gegen Corona-Erkrankungen angepriesen.

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In anderen Bundesländern gibt es aber offenbar keine erhöhte Nachfrage nach dem Medikament. Das ergab ein Rundruf von PULS 24 in den Landesgeschäftsstellen der Apothekerkammer.

In Salzburg, neben Oberösterreich das größte Hochrisiko-Gebiet mit ebenfalls niedriger Durchimpfungsrate, sei eine Knappheit des Medikaments "kein Thema", heißt es gegenüber PULS 24. Das Medikament werde zwar in Apotheken nachgefragt, aber nicht in besonderem Maße.

Auch in fast allen anderen Bundesländern liegen keine Informationen zur Nachfrage nach Ivermectin vor. Von Engpässen weiß man ebenfalls nichts. Jürgen Rehak, Präsident der Apothekerkammer Vorarlberg, sagt gegenüber PULS 24: "Wir haben keine Informationen zur Nachfrage ausgehoben. In meinem Betrieb hatte ich aber noch keine einzige Nachfrage danach."

Doppelt so hohe Nachfrage, aber Kunden aus EU-Ausland

Gerhard Kobinger, Präsident der Apothekerkammer Steiermark, sagt gegenüber PULS 24, es habe zwar vor einiger Zeit einen Engpass gegeben, aktuell sei das Medikament laut seinen Erhebungen aber in ganz Westösterreich in ausreichendem Maß vorhanden. "Wir hatten heuer und letztes Jahr eine doppelt so hohe Nachfrage nach Ivermectin wie noch 2019", sagt er. Dabei ginge es um eine Größenordnung von "zehn Packungen pro Apotheke", führt er aus.

"Ich habe selbst einige Nachfragen in meinem Betrieb gehabt, aber ich habe noch kein österreichisches Rezept gesehen", sagt Kobinger. Besonders im Zeitraum Februar und März diesen Jahres sowie im Sommer und Spätsommer hätten vor allem Kunden aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei das Medikament nachgefragt. "Deren Rezepte sind EU-weit gültig, daher wird es meist auch ausgegeben", erklärt er.

Kunden werden über Falschinformation aufgeklärt

Grundsätzlich würden Kunden, bei denen der Verdacht einer missbräuchlichen Anwendung - eben als vermeintliches Corona-Heilmittel - bestehe, darüber aufgeklärt, "dass das in dem Fall mehr Schaden als Nutzen bringt", betont Kobinger.

Das deckt sich mit den Richtlinien, die die Apothekerkammer bundesweit ausgegeben hat: "Ivermectin darf nur mehr in Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt ausgegeben werden, vor allem, wenn der Verdacht einer missbräuchlichen Anwendung besteht", heißt es von der Pressestelle der Apothekerkammer zu PULS 24.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos