APA - Austria Presse Agentur

Wien stockt Intensivbetten für Corona-Patienten auf

06. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Die Belegung auf den Intensivstationen steigt wieder rasch an. In Wien muss bereits wieder das Kontingent der Intensivbetten aufgestockt werden. In Oberösterreich wurde der Schwellenwert von 10 Prozent zusätzlicher Intensivbettenbelegung durch Corona überschritten.

Wenn es um die Auslastung auf den Intensivstationen geht, gibt es weiterhin widersprüchliche Angaben zwischen den offiziellen Ministeriumszahlen der AGES und den Angaben der ÖGARI (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin). Dieser Umstand sorgt nicht nur bei Experten - wie jüngst etwa bei Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer - für Verärgerung sondern macht transparente und übersichtliche Prognosen schwer.

Die vierte Corona-Welle zeigt sich jedoch bereits deutlich in den Wiener Krankenhäusern. So wurde bereits Stufe drei des Wiener Covid-Plans ausgerufen, in dem einige normale Krankenstationen wieder zu Überwachungsstationen für Covid-19-Intensivpatienten werden.

Auf Intensivstationen 87 Prozent Ungeimpfte

Wie die Zahlen der vergangenen drei Wochen zeigen, sind im Schnitt 96,9 Prozent der Intensivpatienten nicht vollständig immunisiert. Bei den Patienten auf Normalstationen sind 87 Prozent nicht geimpft. Darunter sind aber auch teilimmunisierte und immunsupprimierte Menschen.

Werden die weggerechnet, sind derzeit laut Angaben der Stadt Wien 82 Prozent der Intensivpatienten ungeimpft, bei den Covid-19-Patienten auf Normalstationen sind 75,8 Prozent ohne Impfschutz. Das zeigt einmal mehr, dass die Corona-Schutzimpfung wirkt.

Die infektiösere Delta-Variante lässt die Fallzahlen und somit die Zahl der Schwerkranken weiter ansteigen. Am Montag mussten in Wien 66 Intensivpatienten versorgt werden. Innerhalb von zwei Wochen hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt - am 23. August waren es noch 20 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen gewesen.

Wien ruft Stufe 3 von 9 des Maßnahmenplans aus

Der Anstieg sorgt dafür, dass Stufe drei des neunstufigen Maßnahmenplan des Wiener Gesundheitsverbunds ausgerufen wurde. Im Worst-Case-Szenario sind in Wien 364 Intensivbetten für Covid-Patienten verfügbar. Das bedeutet aber eine deutliche Überschreitung der systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent.

Sind mehr als ein Drittel der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, treten diese in Konkurrenz mit anderen intensivpflichtigen Patienten. Diese Schwelle bedeutet ein sehr hohes Systemrisiko. Auf Normalstationen stehen in Wien maximal 777 Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung.

Wien: Ab 150 Intensivpatienten werden Operationen verschoben

Ab 150 Personen auf Intensivstationen in Wien müssen Eingriffe verschoben werden, hieß es am Montag aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Doch schon zuvor werden Operationen von Spitälern des Wiener Gesundheitsverbundes an Fondsspitäler ausgelagert. Die meisten Schwerkranken gab es bei der dritten Welle im Frühjahr. Am 12. April mussten 245 Covid-19-Erkrankte auf Intensivstationen in der Bundeshauptstadt versorgt werden.

Auch in Kärnten und Oberösterreich kritische Marke

In Kärnten werden bereits wieder nicht-notwendige Operationen verschoben, um genug Betten für Corona-Patienten zur Verfügung zu haben, wie vergangene Woche bekannt gegeben wurde.

In Oberösterreich wurde ebenfalls bereits die erste kritische Marke von 10 Prozent zusätzlicher Auslastung durch Corona-Patienten erreicht. Auch dort bestätigt sich das Bild, dass der überwiegende Anteil der Intensivpatienten ungeimpft ist.

Bernd Lamprecht, Klinikvorstand in Linz, sprach im PULS 24 Interview über den Frust des Spitalspersonals über die "vermeidbaren Erkrankungen". Spätestens im Oktober werde es bei den aktuellen Entwicklungen zudem wieder drastische Maßnahmen geben müssen, meinte Lamprecht.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos