Klimagruppierung "Letzte Generation" überschüttet Klimt-GemäldeTwitter/"Letzte Generation"

Wien: Klimaaktivsten überschütten Klimt-Gemälde mit Farbe

15. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Klimaaktivisten der Gruppe "Letzte Generation" haben Dienstagvormittag im Wiener Leopold Museum das Gemälde "Tod und Leben" von Gustav Klimt mit schwarzer Farbe überschüttet.

Erneut gab es eine Protestaktion in Österreich. Dieses Mal hat es das Gemälde "Tod und Leben" von Gustav Klimt im "Leopold Museum" getroffen. Zwei Personen von der Protestbewegung "Letzte Generation" überschütteten das Gemälde mit Öl. Das Bild befindet sich hinter eine Sicherheitsscheibe, ob es beschädigt wurde, müsse man noch genauer untersuchen, hieß es vom Museum.

Sicherheitsmann fixierte einen Aktivisten

Beim Überschütten des Kunstwerks ruft ein Aktivist: "Wir kennen das Problem seit 50 Jahren. Wir müssen endlich handeln, der Planet geht kaputt", rufen sie während ihrer Aktion. Auch den Satz "Stoppt die fossile Zerstörung" wiederholen sie dabei ständig. Während einer der Aktivisten von einem Sicherheitsmann zurückgehalten wird, klebte sich sein Partner an der Sicherheitsscheibe des Kunstwerks fest.

Flüssigkeit in Wärmeflasche hineingeschmuggelt

Anlässlich des Leopolditags gab es im Leopold Museum freien Eintritt, als Sponsor trat in diesem Zusammenhang die OMV auf. Trotz genauer Kontrollen - so mussten etwa Taschen abgegeben werden -, hätten die Aktivisten die Flüssigkeit in einer Wärmflasche unter ihrer Kleidung ins Museum geschmuggelt, wie PULS 24 erfuhr.

Mittlerweile seien Polizei und Rettung anwesend, wie der Museumssprecher mitteilte. "Wir können nur hoffen, dass das Gemälde nicht beschädigt wurde." Mehrere Räume mussten für die Besucher gesperrt werden, aktuell werden noch die Daten der Aktivisten vor Ort aufgenommen. Die Flüssigkeit sei vom Glas bereits wieder weggewischt worden.

Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums, bezeichnete die Anliegen der Klimaaktivisten zwar als berechtigt, "aber der Angriff auf Kunstwerke ist definitiv der falsche Weg, um das angepeilte Ziel, die Verhinderung des prognostizierten Klimakollaps", umzusetzen. Museen seien bewahrende Institutionen und ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Er appellierte an die "Letzte Generation", andere Wege für das Kundtun ihrer Anliegen zu finden.

Bereits Klebe-Protest an Dino

Es ginge darum zu entscheiden ob wir "als Menschheit überleben wollen oder ob die Welt weiter mit fossilen Brennstoffen zerstört" werden soll, so die Aktivisten in ihrer Begründung. Auf Twitter schreibt die Gruppierung, dass die Öl- und Gasbohrungen ein Todesurteil für die Menschheit seien.

Erst kürzlich hat die Gruppe ihre Protestkationen in Österreich auf Ausstellungsstücke ausgeweitet. Am 10. November klebten sich Personen an einem Sockel im Dinosaurier-Saal im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien fest. Auch Straßenblocken werden weiterhin durchgeführt.

Museumsbund wendet sich an "Letzte Generation"

Das österreichische Museumsbund hat sich unterdessen mit einem offenen Brief an die Mitglieder der "Letzten Generation" gewandt: Die Museen in Österreich würden sich bemühen, "einen öffentlichkeitswirksamen Beitrag zum Diskurs um durch menschliche Eingriffe hervorgerufene Veränderung unseres Planeten und unserer Lebensgrundlagen sowie deren negative Auswirkungen auf das Klima, die Natur und deren Vielfalt zu leisten".

Man stehe demnach auch als Gesprächs- und Kooperationspartner für Anliegen des Klimaschutzes zur Verfügung. Gleichzeitig appellierte man an Klimaaktivisten, bei ihren Aktionen alles zu unterlassen, "was den Erhalt des Natur- und Kulturerbes und auch die Rolle der Museen als Bildungs- und Lernort gefährdet". Besucher sollen auch künftig Museen "ohne größere Zugangsbeschränkungen und ohne Generalverdacht besuchen können".

Was hat Klimt mit der Klimakrise zu tun?

Kulturstaatssekretärin Mayer: "Falscher Weg"

Auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) zeigte Verständnis für "die Anliegen und auch die Verzweiflung" der Aktivisten. "Ich glaube aber nicht, dass Aktionen wie diese zielführend sind, weil sich die Frage stellt, ob sie nicht eher zu mehr Unverständnis als zu mehr Bewusstsein für die Klimakatastrophe führen", hielt sie in einer Reaktion fest. "Aus meiner Sicht ist es der falsche Weg, das Risiko unwiderruflicher Schäden an Kunstwerken in Kauf zu nehmen. Kunst und Kultur sind Verbündete im Kampf gegen die Klimakatastrophe, keine Gegner."

Plakolm: Aktionen "respektlos"

Für ÖVP-Staatssekretärin Claudia Plakolm sind Aktionen wie im Leopold Museum oder das Ankleben auf der Straße "auf ganz vielen Ebenen respektlos". Man müsse zwar viele Menschen für Klimaschutz begeistern, mit ihrem Vorgehen erreiche die "Chaostruppe" aber das Gegenteil. "Man gewinnt aus meiner Sicht keinen Millimeter, wenn man die Leute terrorisiert. Was wir brauchen ist Klimaschutz mit Augenmaß und Weitblick."

Der Wiener FPÖ-Kultursprecher Stefan Berger sieht laut Aussendung wiederum Mayer und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) in der Pflicht, "für ein Sicherheitskonzept zu sorgen, das Bilder, Skulpturen, historische Artefakte - kurz: sämtliche museale Ausstellungsstücke - ausreichend schützt".

Astrid PozarekQuelle: Agenturen / Redaktion / poz