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Wie ein taktischer Nuklearschlag aussehen würde

07. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Russland drohte im Krieg gegen die Ukraine schon mehrmals mit seinen Atomwaffen. Wenn überhaupt, dann gilt ein sogenannter taktischer Nuklearschlag als am wahrscheinlichsten. Doch was heißt das überhaupt und was wären die Folgen?

Er werde "auf alle Mittel" zurückgreifen, sollte die "territoriale Integrität" Russland in Gefahr sein, sagte Machthaber Wladimir Putin zuletzt. Es folgten die international nicht anerkannte Annexion ukrainischer Gebiete, wo immer noch gekämpft wird. Putin ließ damit weltweit die Angst vor einem Nuklearschlag wieder groß werden, obwohl Russland gleichzeitig versuchte, den Spieß umzudrehen: Man wolle sich an der "nuklearen Rhetorik des Westens" nicht beteiligen, hieß es auch Moskau.

Viele Experten halten einen tatsächlichen Nuklearschlag für unwahrscheinlich. Doch Putin gerät zunehmend unter Druck.

Sollte es zur nuklearen Eskalation kommen, gelten zunächst ein oder mehrere sogenannte taktische Nuklearschläge als am wahrscheinlichsten. Gemeint ist damit der Einsatz nuklearer Waffen auf ein bestimmtes Areal und mit begrenzter Wirkung im Kriegsgebiet. Strategische Atomwaffen werden im Gegensatz dazu nicht auf dem Schlachtfeld sondern gegen die Bevölkerungszentren des Gegners eingesetzt.

Auswirkung nicht zu unterschätzen

Die Auswirkung solcher taktischen Nuklearwaffen darf aber dennoch nicht unterschätzt werden, wie zuletzt auch der US-Journalist Alec Luhn, der ehemals für den "Guardian" und den "Telegraph" aus Moskau berichtete, auf Twitter feststellte. Er veröffentlichte ein US-Video aus dem Jahr 1953, das den seltenen Test einer taktischen Nuklearwaffe, die auch Russland besitzen soll, zeigt.

Generell können auch taktische Nuklearwaffen verheerende Schäden und Verstrahlungen anrichten - sie haben teils eine größere Sprengkraft als die Bombe, die über Hiroshima abgeworfen wurde. Eingesetzt wurden taktische Atomwaffen bisher noch nie. Russland soll rund 2.000 taktische Nuklearsprengköpfe besitzen.

"Risiko ist sehr hoch"

PULS 24 Militärexperte Gerald Karner spricht über das Risiko eines nuklearen Waffeneinsatzes durch Russland.

Sie können eine Sprengkraft von dutzenden bis hunderten Kilotonnen verfügen und militärische wie zivile Opfer fordern, erklärt auch PULS 24 Militärexperte Gerald Karner. Der betroffene Raum könnte dann für die Ukraine unbrauchbar werden.

Große Variation an Einsatzmöglichkeiten

In der Frage, wie die Sprengsätze in der Ukraine eingesetzt werden könnten, gibt es ein weites Spektrum an Möglichkeiten: Sie variieren an Sprengkraft, sie können an Raketen, Marschflugkörpern und Artilleriegeschossen angebracht werden oder von Schiffen und Flugzeugen aus abgefeuert werden.

Ebenfalls möglich wäre die Zündung eines sogenannten demonstrativen Schlags im Untergrund, über dem Schwarzen Meer oder im ukrainischen Luftraum. Auch das hätte allerdings schwere Auswirkungen - könnte Blackouts und radioaktive Verstrahlung zur Folge haben.

Ab welchem Zeitpunkt und wie weit die Auswirkungen reichen müssen, bis die NATO einschreiten müsste, ist umstritten. 

Experten wiesen zuletzt aber darauf hin, dass Bewegungen des russischen Atomwaffenarsenals wohl auffallen würden. Zudem müsste bei einem größeren Nuklearschlag auch Russland selbst Auswirkungen auf seine Truppen oder sogar sein eigenes Staatsgebiet fürchten. 

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Quelle: Redaktion / koa