Virologe Nowotny zu den Infektionszahlen: "Entspannung erst im Frühjahr"

09. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

In Österreich sind in den vergangenen 24 Stunden 450 Coronavirus-Neuinfektionen verzeichnet worden. Das ist zwar weniger, als im Schnitt in der vergangenen Woche täglich hinzukamen - aber für einen Montag ein hoher Wert. Virologe Norbert Nowotny rechnet mit einer Entspannung erst wieder im Frühjahr 2022.

450 Neuinfektionen wurden am Montag gemeldet. Ähnlich viele Neuinfektionen an einem Montag hat es zuletzt vor knapp drei Monaten gegeben. Am 17. Mai hatten die Behörden in Österreich 476 neue Fälle gemeldet. Am Montag gab es somit 6.297 aktive Fälle in Österreich, um 108 mehr als am Sonntag. Die Infektionszahlen nehmen weiter zu, vor einer Woche waren es noch 5.439 aktive Fälle gewesen. 

Virologe Norbert Nowotny erwartet, dass die Zahlen im Laufe der Woche noch weiter steigen werden - denn am Wochenende sind die Infektionszahlen meist niedriger. Die Zahlen seien "noch nicht dramatisch", sagt Nowotny, aber die Tendenz zeige "nach oben". Dennoch werde es durch die Impfung Unterschiede zur zweiten und dritten Welle geben. Auch wenn die Fallzahlen steigen, werden weniger Menschen ins Krankenhaus müssen.

Im Krankenhaus müssen derzeit 162 Covid-19-Patienten behandelt werden, das sind um 16 mehr als am Sonntag. 38 Menschen werden auf Intensivstationen betreut. Das waren zwei Schwerkranke weniger als am Sonntag, aber sieben mehr als vergangenen Montag. Denn trotz Impfung, werde es immer Menschen geben, die ins Spital müssen, sagt Nowotny. Zuletzt waren unter 31 Intensivpatienten in Österreich aber nur fünf voll geimpft. Nowotny wollte daher auch nicht ausschließen, dass es erneut zu einer Überlastung der Intensivstationen kommen kann.

Bei etwa fünf Prozent der Geimpften würde die Impfung nicht wirken - deswegen fordert der Virologe den Einsatz von Antikörpertests, um diese Menschen zu erkennen. Er rechnet damit, dass die Zahlen bis ins Frühjahr 2022 weitersteigen werden.

Schleppender Impffortschritt

23.463 Impfungen sind an Sonntag durchgeführt worden. Insgesamt haben laut den Daten des E-Impfpasses 5.353.267 Menschen bereits zumindest eine Teilimpfung erhalten: Das sind 59,9 Prozent der Bevölkerung. Exakt 4.842.208 Personen und somit 54,2 Prozent der Österreicher sind bereits voll immunisiert. In vielen Ländern würde man das sehen, dass sich nur rund 60 Prozent der Menschen impfen lassen, sagt Nowotny. Deshalb brauche es mehr Lockerungen für Geimpfte. 

Am höchsten ist die Erst-Durchimpfungsrate im Burgenland mit 67,4 Prozent. In Niederösterreich sind 62,8 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft, in der Steiermark 60,5 Prozent. Nach Tirol (59,3), Vorarlberg (58,1), Wien (58), Kärnten (56,4) und Salzburg (56,2) bildet Oberösterreich das Schlusslicht mit einer Durchimpfungsrate von 55,6 Prozent. 

Nowotny geht davon aus, dass es in den kommenden Wochen oder Monaten auch die Impfung für Kinder im Alter von unter 12 Jahren geben werde. Pfizer/Biontech und Moderna würden da schon Studien durchführen. Auch andere Impfungen würden ja vor allem Babys verabreicht werden, sagt Nowotny.

40 Prozent der Neuinfektionen durch Reiserückkehrer

Seit Pandemiebeginn hat es bereits 633.532 positive Testergebnisse gegeben. Als Genesen gelten 646.485 Personen. In den vergangenen 24 Stunden gab es keinen Todesfall, in der vergangenen Woche starben elf Menschen an den Folgen einer Infektion. Insgesamt hat die Covid-19-Pandemie seit Ausbruch 10.750 Tote in Österreich gefordert. Pro 100.000 Einwohner sind seither 120,3 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Insgesamt wurden in den vergangenen 24 Stunden 274.478 PCR- und Antigenschnell-Tests eingemeldet. Davon waren 34.510 aussagekräftige PCR-Tests, davon fielen 1,3 Prozent positiv aus.

Rund 40 Prozent der Neuinfektionen werden derzeit auf Reiserückkehrer zurückgeführt, sagt Nowotny. Der Virologe sprach sich erneut für eine PCR-Testpflicht für alle Reiserückkehrer aus. Derzeit gilt diese nur für Reisende aus Spanien, Zypern und den Niederlanden. 

Quelle: Agenturen