APA/HELMUT FOHRINGER

Tod durch Vergewaltigung: Mord-Anklage gegen zwei Wiener

04. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Die Staatsanwaltschaft Wien erhebt Mordanklage gegen zwei Männer im Alter von 25 und 30 Jahren, die eine 20-Jährige in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf so brutal vergewaltigt haben sollen, dass sie an den Verletzungen starb.

Die beiden Angeklagten - beide österreichische Staatsbürger und in Wien geboren - sollen die 20-jährige Frau im Juni in einer Wohnung in Floridsdorf brutalst vergewaltigt und die junge Frau anschließend liegengelassen haben. Sie verblutete an ihren schweren Verletzungen. Der 30-Jährige legte laut Anklage, die PULS 24 exklusiv vorliegt, inzwischen ein Geständnis ab. Beide Angeklagten sitzen derzeit in der Justizanstalt Josefstadt in Untersuchungshaft.

Die brutale Tat trug sich am 19. Juni vergangenen Jahres in der Floridsdorfer Wohnung des 25-Jährigen zu. Dieser war seit Februar mit dem späteren Opfer Samantha F. befreundet und hatte bereits mehrmals mit ihr einvernehmlich Sex gehabt. Am Tag der Tat hatte er die 21-Jährige zu einem spätabendlichen Treffen in seine Wohnung eingeladen, nachdem er zuvor auf einer Firmenfeier war.

Mutmaßliche Täter lebten zusammen

In der Wohnung des zuvor nicht amtsbekannten 25-Jährigen lebte auch der 30-jährige Mitangeklagte, der bereits wegen Körperverletzung und Diebstahl vorbestraft war. Dieser kannte den Erstangeklagten seit einiger Zeit und wohnte bei diesem, da er selbst weder Wohnung noch Arbeit hatte.

Das Opfer betrank sich in der Wohnung mit den beiden Männern - eine Untersuchung beim Opfer ergab später einen Blutalkohol von 3,1 Promille. Der 25-Jährige war ebenfalls alkoholisiert, der 30-Jährige hatte davor bereits Cannabis und Anabolika konsumiert.

Vergewaltigung erst durch 30-Jährigen, dann gemeinsam

Samantha F. ging dann mit dem 25-Jährigen in dessen Zimmer. Nachdem sie sich übergeben musste, verließ er die Wohnung. Vom 30-Jährigen auf Sex angesprochen, lehnte die junge Frau ab. Der Mann soll sie daraufhin aber aufs Bett gedrückt und sie vergewaltigt haben. Einige Zeit nach dieser ersten mutmaßlichen Vergewaltigung kam der 25-Jährige zurück. Es kam zunächst zu einem auch handgreiflichen Streit zwischen den beiden Männern wegen der mutmaßlichen Tat. Dann sollen sie jedoch, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, beschlossen haben, die 21-Jährige gemeinsam zu vergewaltigen.

Der 25-Jährige soll die junge Frau mit Gewalt aufs Bett gedrückt haben, während sie der 30-Jährige vergewaltigt haben soll. Sie sollen die Frau sogar mit mehreren Gegenständen schwer verletzt haben. Das Opfer war dabei bei vollem Bewusstsein und rief um Hilfe. Die Angeklagten sollen aber erst von ihr abgelassen haben, als die junge Frau durch schwere Verletzungen bereits stark blutete und das Bewusstsein verlor.

Angeklagter sagte Sanitätern nichts von sterbender Frau

Die beiden Angeklagten sollen die Frau noch in die Dusche geschleppt haben, wo sie sie unter das laufende Wasser legten. Mehrmals hätten die Männer die Gelegenheit gehabt, Hilfe für die 20-Jährige zu holen, betont die Anklagebehörde. So verletzte sich etwa der 30-Jährige beim Versuch, blutbeschmierte Gegenstände zu verstecken an einer Glastür. Er rief daraufhin die Rettung und ließ seine Wunde im Stiegenhaus versorgen, von der sterbenden 20-Jährigen sagte er den Sanitätern nichts.

Die Staatsanwaltschaft zieht daraus den Schluss, dass die beiden Männer den Tod der jungen Frau bewusst zuließen und erhebt Mordanklage. Beide Angeklagten seien trotz Persönlichkeitsstörung sowie Alkohl und Cannabis im Blut zur Tatzeit voll zurechnungsfähig gewesen, so das psychologische Gutachten.

Zweiter Angeklagter gestand

Nachdem Samantha F. längst nicht mehr atmete, rief der 25-Jährige schließlich die Rettung und spielte den Notruf-Mitarbeitern sogar einen Reanimierungsversuch vor. Bei der Einvernahme änderten beide Angeklagten ihre Aussagen mehrmals. Schließlich gestand der 30-jährige Zweitangeklagte die Tat vollumfänglich. "Mein Mandant hat ein umfassendes, reumütiges Geständnis abgelegt. Er wird dabei bleiben und sich schuldig bekennen", so dessen Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger.

Die Staatsanwaltschaft sieht in der Anklageschrift die Voraussetzung für die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher als gegeben an. Es sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Angeklagten auch in Zukunft" schwere Straftaten begehen würden - "der Erstangeklagte insbesondere schwere und absichtlich schwere Körperverletzungen, der Zweitangeklagte insbesondere schwere und absichtlich schwere Körperverletzungen und aggressive Sexualdelikte", heißt es.

Ein Prozesstermin steht derzeit noch nicht fest.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos