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USA greifen Venezuela an

Heute, 06:59 · Lesedauer 4 min

Die USA haben Venezuela ⁠angegriffen und nach eigenen Angaben Präsident Nicolas Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Neben Maduro sei auch dessen Ehefrau ausgeflogen worden, teilte US-Präsident Donald Trump am Samstag mit. Der Angriff sei groß angelegt gewesen und erfolgreich verlaufen. Die Hauptstadt Caracas wurde in der Nacht von mehreren Explosionen erschüttert. Maduros Regierung warf den USA militärische Aggression vor und mobilisierte Verteidigungskräfte.

Maduro rief vor Trumps Bekanntgabe seiner Gefangennahme den nationalen Notstand aus und erklärte, auch andere Landesteile seien angegriffen worden. Nach Angaben der venezolanischen Regierung wurden Zivilisten und Militärangehörige getötet. Zahlen nannte sie nicht.

Ab etwa 02.00 Uhr Ortszeit stiegen über Caracas schwarze Rauchwolken auf, wie Augenzeugen berichteten. Für etwa 90 Minuten waren Flugzeuge zu hören. Im Süden der Stadt, unweit einer großen Militärbasis, fiel der Strom aus. In sozialen Medien kursierten Videos und Fotos, die mehrere Explosionen in Caracas zeigen sollen.

Verteidigungsminister Vladimir Padrino erklärte in einer Videobotschaft, sein Land werde sich der Präsenz ausländischer Truppen widersetzen. "Heute ballen wir die Faust zur Verteidigung dessen, was uns gehört. Schließen wir uns zusammen, denn in der Einheit des Volkes werden wir die Kraft finden, zu widerstehen und zu triumphieren." Innenminister Diosdado Cabello war im Staatsfernsehen mit Helm und schusssicherer Weste auf der Straße zu sehen. Er rief die Venezolaner dazu auf, nicht mit dem "terroristischen Feind" zusammenzuarbeiten.

Trump kündigte für 17.00 Uhr MEZ eine Pressekonferenz an. Er hatte wiederholt mit einem Einsatz in Venezuela gedroht. Der US-Präsident erkennt Maduro nicht als legitimen Staatschef an. Er wirft ihm vor, einen Drogenstaat zu führen, die USA mit Drogen zu überschwemmen und die Wahl im vergangenen Jahr manipuliert zu haben. Die von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado angeführte Opposition hatte erklärt, sie habe diese mit überwältigender ⁠Mehrheit gewonnen. Maduro, der 2013 die Nachfolge von Hugo Chavez angetreten hatte, hat sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Der Regierung in Washington geht es nach seinen Angaben darum, die Kontrolle über Venezuelas Ölreserven zu bekommen, die größten der Welt.

US-Militärpräsenz zuletzt verstärkt

Hinter den Kulissen soll Trump seit langem Druck auf Maduro ausgeübt haben, das Land zu verlassen. Noch vor wenigen Tagen warnte er, Maduro wäre "klug", wenn er die Macht abgeben würde. Die USA haben in den vergangenen Monaten nach und nach ihre Militärpräsenz in der Region erheblich verstärkt und unter anderem einen Flugzeugträger, Kriegsschiffe sowie moderne Kampfjets in der Karibik stationiert.

Trump hat zudem eine "Blockade" für venezolanisches Öl angekündigt und die Sanktionen gegen das Land ausgeweitet. Seine Regierung bombardiert seit Monaten Boote, die aus Südamerika stammen und Drogen an Bord haben sollen. Es gab bisher mehr als zwei Dutzend solcher Angriffe im Pazifik und in der Karibik und auch Tote. Viele Staaten haben die Angriffe als außergerichtliche Tötungen verurteilt.

Erinnerungen an Panama-Invasion

Die Aktion war die direkteste US-Intervention in Lateinamerika seit der Panama-Invasion Ende 1989. Dabei ging es um die Absetzung Manuel Noriegas, dem die USA ähnliche Vorwürfe machten wie Maduro. Noriega ergab sich auf den Tag genau vor 36 Jahren, am 3. Jänner 1990, US-amerikanischen Truppen. Wie damals stieß auch das Vorgehen am Samstag auf zum Teil scharfe Kritik, insbesondere bei Russland, Kuba und dem Iran.

Die Regierung in Caracas beantragte am Samstag eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats. "Im Angesicht der kriminellen Aggression durch die US-Regierung auf unser Heimatland haben wir eine dringliche Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen beantragt", erklärte Außenminister Yvan Gil im Onlinedienst Telegram. Aufgabe des Gremiums sei es, "das Völkerrecht aufrecht zu erhalten".

Zusammenfassung
  • Die USA haben in der Nacht einen groß angelegten Angriff auf Venezuela durchgeführt, Präsident Nicolas Maduro und seine Ehefrau festgenommen und außer Landes gebracht, wie US-Präsident Donald Trump bestätigte.
  • Während der Operation kam es in Caracas ab etwa 02.00 Uhr Ortszeit zu mehreren Explosionen, Stromausfällen und für rund 90 Minuten zu Fluglärm; die venezolanische Regierung meldete Tote unter Zivilisten und Militärs, nannte aber keine Zahlen.
  • Die Aktion gilt als die direkteste US-Intervention in Lateinamerika seit der Panama-Invasion 1989, stößt international auf Kritik und führte zur Beantragung einer Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats durch Venezuela.