APA/ALEX HALADA

Getötete 20-Jährige: Wienerin vor Ableben möglicherweise missbraucht

23. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Nach dem Auffinden einer Frauenleiche in einer Wohnung im Bezirk Wien-Floridsdorf am Sonntagvormittag hat die Obduktion das vermutete Fremdverschulden bestätigt. Nun gibt es Hinweise auf Missbrauch.

Zwei festgenommene Tatverdächtige, der Wohnungsinhaber und ein mit ihm befreundeter Mitbewohner, machten bei ihren Einvernahmen zu den Geschehnissen in der Nacht zuvor widersprüchliche Aussagen, gaben jedoch an, dass zuvor Alkohol konsumiert worden war.

Hinweise auf Missbrauch

Mittlerweile gibt es Hinweise, dass die Frau vor ihrem Ableben missbraucht worden sein könnte. Informationen der APA zufolge wurden bei der Obduktion massive Verletzungen im Unterleib festgestellt. Die Frau dürfte verblutet sein, wobei endgültige Aussagen zur Todesursache dem schriftlichen Obduktionsgutachten vorbehalten bleiben. 

Die Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen, Christina Salzborn, bestätigte der APA, dass über die beiden Festgenommenen - den Wohnungsinhaber und einen 30 Jahre alten Freund des 25-Jährigen - am Mittwochabend wegen Mordverdachts und Vergewaltigung die U-Haft verhängt wurde. Darüber hinaus machte Salzborn keine weiteren Angaben. Auch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, hielt sich bedeckt. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne sie keine Aussagen treffen, meinte sie gegenüber der APA.

Wie die 20-Jährige konkret zu Tode kam, wurde aufgrund der laufenden Ermittlungen vorerst nicht bekannt gegeben, hatte Polizeisprecherin Irina Steirer am Montag gegenüber der APA gesagt. Das Opfer habe jedoch Hämatome am Körper aufgewiesen. Auf "orf.at" hieß es zudem, dass es sich um Verletzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung handeln würde.

Polizeisprecherin erklärt, wie nun ermittelt wird

Bereits vor der noch am Sonntag durchgeführten Obduktion gingen die Ermittler des Landeskriminalamtes Wien aufgrund der Spurenlage in der Wohnung und im Stiegenhaus davon aus, dass hier ein Tötungsdelikt vorliegen könnte.

"Es hat sich alles vor meiner Tür abgespielt"

Freund im Keller des Hauses gefunden

Der 25-jährige Wohnungsinhaber wählte am Sonntag gegen 10.00 Uhr den Notruf wegen einer "bewusstlosen" Person, die sich in seiner Wohnung befinde. Sanitäter der Berufsrettung führten vergeblich Reanimationsversuche durch, für die 20-Jährige kam jede Hilfe zu spät. "Im Zuge der Sachverhaltsklärung", wie es im Bericht hieß, fanden die Polizisten einen Freund (30) des Wohnungsinhabers, der sich bis dahin im Keller des Wohnhauses in Favoriten versteckt hatte.

Der 25-Jährige gab an, dass er die 20-Jährige vor einigen Monaten kennengelernt habe. Bei dem 30-Jährigen handle es sich um einen Freund und Mitbewohner. Beide Verdächtigen haben laut der Polizeisprecherin angegeben, dass Alkohol getrunken wurde. Weitere Angaben der Verdächtigen zu den Ereignissen vor dem Eintreffen der Polizei gab es bisher nicht, die Rede war von widersprüchlichen Aussagen der beiden Männer. Am Montagnachmittag sollten die Einvernahmen fortgesetzt werden.

19. mutmaßlicher Femizid

Bei der 20-Jährigen handelt es sich laut APA-Zählung in diesem Jahr um die 19. mutmaßliche Tötung einer Frau in Österreich. Zuvor kam es zu zehn vollendeten mutmaßlichen Femiziden, begangen durch (Ex-)Partner. Sieben weitere Frauen wurden heuer getötet, zwei von ihren Söhnen, zwei von anderen Frauen, drei durch Personen ohne Naheverhältnis. Außerdem starb ein sechsjähriges Mädchen durch seinen Vater, der anschließend Suizid beging.

Hinweis: In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722.

Quelle: Agenturen