Terrorismusforscher: Anschlagsgefahr durch Rechtsextremisten in Österreich

16. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Terrorismusforscher Nicolas Stockhammer sieht in Österreich steigende Gewaltbereitschaft und die Gefahr einer "kleiner dimensionierten Terror-Attacke" durch Rechtsextremisten. Die Behörden seien vorgewarnt, das würden auch die zunehmenden Razzien und Waffenfunde zeigen.

In ganz Europa, erklärt Terrorismusforscher Nicolas Stockhammer von der Donau-Uni Krems, zeige sich eine steigende Tendenz beim Rechtsextremismus. Der Antisemitismus-Bericht in Österreich weist Steigerungen von teils über 60 Prozent aus. "Im Sog der Pandemie" seien die Sympathien für das rechtsextremistische Lager angestiegen und auch die Handlungsbereitschaft sei größer.

Bei Corona-Demos rekrutiert

"Österreich ist aus meiner Sicht ein wenig über dem Durchschnitt", analysiert Stockhammer. Bei den Anti-Corona-Demos hätten sich "rechtsextremistische Gruppierungen untergemischt", andere angestachelt und rekrutiert, so Stockhammer.  "Auch im islamistischen Bereich gibt es eine starke antisemitische Prägung", der überwiegende Großteil der Übergriffe gehe aber von rechtem Gedankengut aus. 

"Steigende Gewaltbereitschaft" und Anschlags-Gefahr

"Es ist ganz klar so, dass es im letzten Jahr etliche Waffenfunde bei Rechtsextremisten in Österreich gegeben hat, die ein starker Indikator für die steigende Gewaltbereitschaft sind", analysiert der Forscher. Es bestehe "eine zumindest abstrakte Gefahr, dass es aus dem rechtsextremistischen Segment zu einem kleiner dimensionierten Terroranschlag, zu einer Terror-Attacke kommen könnte". Die Sicherheitsbehörden seien vorgewarnt. "Es gibt etliche Razzien in der Szene, es werden Personen wirklich regelmäßig überwacht, und es ist auch ein Bewusstsein dafür da, dass hier aus dieser Szene mittelfristig eine größere Gefahr entstehen wird."

Dass FPÖ-Chef Herbert Kickl die Identitäre Bewegung verharmlosend als "NGO von rechts" bezeichnet habe, sei aus Sicht der Forschung "nicht zuträglich, auch was die Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit betrifft". Die Extremismus-Bekämpfung beginne bei jedem Einzelnen. Das sei nicht nur Sache der Sicherheitsbehörden, auch einzelne Personen seien angehalten, Vorfälle zu melden oder auch auf Personen zuzugehen und sie anzusprechen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam