APA - Austria Presse Agentur

Schneechaos: 11.400 Haushalte In Kärnten, Steiermark und Tirol ohne Strom

09. Dez 2020 · Lesedauer 5 min

Der anhaltende Schneefall sorgt in Kärnten, der Steiermark und Tirol für Probleme. In Oberkärnten bleiben die Schulen geschlossen und Straßen in ganz Kärnten sind gesperrt. 11.400 Haushalte in den Ländern hatten Montagvormittag keinen Strom.

Hatte der Schnee bis Dienstag Oberkärnten fest im Griff, so hat es Mittwochfrüh auch in weiteren Teilen Kärntens, der Steiermark und Tirols Probleme gegeben. Laut Polizeiangaben waren zahlreiche Straßen in Kärnten gesperrt - entweder wegen Lawinengefahr oder wegen umgestürzter Bäume. Die Stadt Villach sperrte alle Parkanlagen und Friedhöfe, in Oberkärnten blieben Schulen geschlossen. In Osttirol kamen in der Nacht noch einmal 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee dazu.

9.100 Haushalte ohne Strom

Der schwere, patzige Neuschnee hat Mittwochfrüh für Probleme bei der Stromversorgung in der Steiermark geführt. Die Energie Steiermark meldete mehr als 70 Trafostationen im Süden und im Westen der Steiermark, die ausgefallen waren. Rund 2.600 Haushalte waren daher in den Morgenstunden ohne Strom. 

In Kärnten hatten rund 4.000 Haushalte keine Stromversorgung. Im Vergleich zu den vergangenen Tagen, als vor allem Oberkärnten von Stromausfällen betroffen war, zeigte sich am Mittwoch ein "vollkommen verändertes Bild", wie Kelag-Sprecher Josef Stocker auf "APA"-Anfrage sagte: "Wir verzeichnen Störungen in den Bezirken Villach-Land, Feldkirchen, St. Veit an der Glan und Klagenfurt-Land sowie noch einige in Oberkärnten." Die Lage sei "dynamisch", jüngst seien Störungen dazugekommen und es war auch nicht ausschließen, dass noch weitere folgen werden. An der Behebung der Schäden wurde mit Hochdruck gearbeitet, kärntenweit standen 160 Monteure im Einsatz.

In Osttirol waren Mittwochvormittag noch 2.500 Haushalte ohne Strom, in Nordtirol konnten alle Störungen behoben werden, sagte Christian Ammer von der "Tinetz". Dies sei allerdings nur eine "Momentaufnahme", betonte er. Die größten Herausforderungen würden in der Erreichbarkeit der Störstellen liegen. Immer wieder würden etwa Bäume auf Leitungen stürzen, die Einsatzkräfte "stehen bis zu den Schultern im Schnee", berichtete Ammer.

In Südtirol zeigte sich indes ein ähnliches Bild. Mittwochfrüh waren 2.300 Haushalte ohne Strom, die Feuerwehren absolvierten während der Nacht 150 Einsätze.

Umgestürzte Bäume sorgen für Schäden

Bereits in der Nacht auf Mittwoch mussten die Kärntner Feuerwehren zu einigen Einsätzen wegen starker Schneefälle ausrücken. Im Gemeindegebiet von Moosburg (Bezirk Klagenfurt-Land) stürzte eine 20 Meter hohe Tanne über eine Landesstraße und auf eine Stromleitung, die teilweise abriss. In der Früh noch gesperrt war die B83 in Krumpendorf (Bezirk Klagenfurt-Land): Hier war ein Baum umgestürzt, weitere drohten unter der Schneelast zusammenzubrechen.

In Ferndorf (Bezirk Villach-Land) fiel in der Nacht ein Baum mit dem Wipfel auf ein Wohnhaus, er sollte bei Tageslicht entfernt werden. Die Landesstraße am Vorfallsort wurde komplett gesperrt. Ein Einfamilienhaus wurde in Spittal an der Drau von einem umstürzenden Baum getroffen, durch den Stamm mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern entstand Sachschaden. Weil weitere Bäume umzustürzen drohten, mussten vier Bewohner vorübergehend ihre Häuser verlassen. Die Feuerwehr Spittal befreite die Bäume von der Schneelast.

Im Osttiroler Gaimberg wurde in der Nacht auf Mittwoch ein Einfamilienhaus beschädigt, berichtete die Polizei. Eine Terrassenüberdachung stürzte ein, während die Feuerwehr noch daran arbeitete, die Schneemassen zu beseitigen. Es wurde niemand verletzt, die betroffene Familie musste die Nacht bei Bekannten verbringen und konnte nicht in ihr Haus zurückkehren.

Mehrere Verkehrsunfälle

Wegen des Schneefalls kam es auch zu Verkehrsunfällen: In Köttmannsdorf (Bezirk Klagenfurt-Land) stürzte ein Baum auf eine Landesstraße. Ein 19-jähriger Klagenfurter schaffte es wegen der Schneefahrbahn nicht rechtzeitig anzuhalten und stieß gegen den Stamm. Er blieb unverletzt, das Fahrzeug wurde aber schwer beschädigt.

In St. Urban (Bezirk Feldkirchen) kam eine 59-jährige Frau mit ihrem Auto von der glatten Fahrbahn ab und stürzte in ein Bachbett. Sie und ihre 74-jährige Beifahrerin wurden verletzt ins Klinikum Klagenfurt gebracht. Verletzt wurde auch ein 66-jähriger Autolenker bei Ferlach (Bezirk Klagenfurt-Land): Weil ein 18-jähriger Pkw-Fahrer einem anderen Auto ausgewichen war, geriet er ins Schleudern und prallte gegen das entgegenkommenden Auto des 66-Jährigen.

Gesperrt waren in der Früh die Loiblpassstraße, die Wurzenpassstraße, die Straße über den Gailbergsattel und die Gurktalstraße wegen umgestürzter Bäume. Wegen Lawinengefahr gesperrt war der Plöckenpass, die B90 auf das Nassfeld sowie weiterhin die Straße ins Lesachtal.

Auch auf den Straßen in Osttirol waren die Auswirkungen ebenso weiter deutlich zu spüren. Zahlreiche Bundes- und Landesstraßen waren noch gesperrt. Die Felbertauernstraße (B108) zwischen Huben und Matrei in Osttirol konnte nicht befahren werden sowie die Brennerstraße (B182) zwischen Mühlbachl und Schönberg im Stubaital. Zudem herrschte zwischen Gries am Brenner und Brenner Schneekettenpflicht.

Massentests in eingeschneiten Kärntner Gemeinden verschoben

In den in Oberkärnten vom Schneechaos betroffenen Gemeinden werden die für das kommende Wochenende geplanten Corona-Massentests verschoben. Wie der Landespressedienst am Mittwoch mitteilte, werden die Massentests in insgesamt acht Gemeinden nicht wie geplant von 11. bis 13. Dezember stattfinden, ein neuer Termin stand vorerst nicht fest. Betroffen sind Stall im Mölltal, Kötschach-Mauthen, Winklern, Großkirchheim, Mörtschach, Rangersdorf, Heiligenblut und Lesachtal.

 

Der Artikel wurde am 09.12.2020 um 09:38 Uhr um die Stromausfälle in der Steiermark, um 09:51 Uhr um die Verschiebung der Massentests ergänzt und um 10:52 Uhr um die Informationen zu Tirol ergänzt.

Quelle: Agenturen / apb