APA - Austria Presse Agentur

Popper: Ansteckungsplateau entlastet Spitäler nicht

21. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Die zuletzt etwas stabilisiert erscheinenden Neuinfektionszahlen dürften ein erstes Zwischenplateau in der Covid-19-Infektionslage darstellen. Das bedeute aber nicht, dass die Pandemie nun quasi von selbst abebben würde, sagte der Simulationsforscher Niki Popper.

Auch beständig hohe Neuinfektionen ohne große Anstiege "können großen Schaden" auf stark belasteten Intensivstationen anrichten. Das sei bitter, weil zum echten Eindämmen nicht mehr viel fehle.

900.000 Geimpfte fehlen

Man sehe "dass wir nicht weit davon entfernt wären, sozusagen durch zu sein. Wir müssen da nicht mehr Unglaubliches leisten", sagte Popper auf Basis von Modellrechnungen. Würden sich in Österreich noch 800.000 bis 900.000 Menschen zusätzlich impfen lassen, könne es voraussichtlich kaum mehr zu größeren Ausbrüchen kommen, die die Kapazitäten der Intensivstationen ernstlich gefährden.

Impfung: Gefährliches Spiel mit Verunsicherung

Täglich 2.000 Neuinfektionen erwartet

Bleiben die Impfraten aber wie zuletzt niedrig, könnte es mit täglichen Neuinfektionszahlen um die 2.000 oder mehr noch länger weiter gehen. Die aktuelle Prognose geht von 300 bis 350 Covid-19-Intensivpatienten aus. Da nun auch vermehrt jüngere Menschen versorgt werden müssen, haben sich die Belegungszeiten verändert, teils müssen Patienten mit drei bis vier Wochen doppelt so lange intensivbehandelt werden. Jüngere Menschen haben zwar eine bessere Chance, eine schwere Infektion zu überstehen, benötigen dazu aber oft lange Intensivbetreuung.

Ein weiterer Anstieg der Neuinfektionen über längere Zeit sei nicht ausgeschlossen, die Gesamtlage würde sich dann verschärfen. Eine Frage sei, wie sich der Schulstart in den kommenden Wochen auswirken wird. Hier geht es vor allem darum, ob die Infektionen in den jüngeren Altersgruppen sich über die Haushalte zu den älteren Jahrgängen verbreiten. Um das zu verhindern, "sind die PCR-Schultestungen wichtig", betonte Popper. Der Forscher wünscht sich die Weiterführung der Tests, egal wie die Belegung an den Intensivstationen aussieht.

In einigen Bevölkerungsgruppen sehe man nun zum Glück bereits "Sättigungseffekte". Gibt es dort beispielsweise schon rund 90 Prozent durch Impfung oder Erkrankung Immunisierte, gehen dem SARS-CoV-2-Virus "die Menschen aus". Das helfe in der aktuellen vierten Welle nun schon zum Teil. Im Gegensatz dazu hätte sich vor einem Jahr das Virus noch ungehemmt weiterverbreitet.

Erst 55 Prozent vollständig geschützt

Allerdings schätzt der Forscher von der Technischen Universität (TU) Wien den Anteil jener Menschen, die in Österreich tatsächlich vollständig geschützt sind mit Ende August, erst auf knapp 55 Prozent. Zwar liegt die Quote der vollständig geimpften Personen bei knapp 60 Prozent, je nach Impfstoff ist aber ein kleinerer Prozentsatz davon trotzdem nicht ausreichend geschützt. Auch vereinzelt genesene und geimpfte Personen fallen aus dieser Gruppe, die ihren Schutz nach einer gewissen Zeit verlieren.

Dafür zeigt sich laut Berechnungen, dass bereits mehr als 70 Prozent zumindest einmal Kontakt zu Virus oder Impfung gehabt haben und eine Immunität aufbauen.

Gute Nachrichten für die 700.000 laborbestätigten Genesenen: Man geht davon aus, dass sie für rund 180 Tage vor Neuinfektionen geschützt sind. Stimmt das, müssten sich aber momentan mehr Genesene anstecken. Die Simulationen auf Basis neuer Daten von Poppers Team legen daher nahe, dass viele Menschen aus dieser Gruppe eher ein Jahr lang geschützt sind. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam