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Corona-Impfung: Diese Länder haben Österreich abgehängt

17. Sept 2021 · Lesedauer 5 min

Mit Verweis auf eine erfolgreiche Impfkampagne werden in vielen Ländern Europas Restriktionen aufgehoben. Ein Überblick, welche Länder Österreich voraus sind.

Die Durchimpfungsrate in Österreich ist zu gering, sind sich Experten einig. Mit knapp 60 Prozent vollständig Geimpften (Stand 16. September 2021) ist hierzulande die Endemie, bei der das Virus dauerhaft zirkuliert, es jedoch nur zu lokalen Krankheitsausbrüchen kommt (ähnlich der Grippe), laut dem deutschen Virologen Christian Drosten noch ein gutes Stück entfernt. Wohin eine erfolgreiche Impfkampagne führen kann, machen hingegen andere europäische Länder gerade vor.

Dänemark ist dabei aktuell das prominenteste Beispiel. Seit dem 10. September wird Covid-19 vonseiten der dänischen Regierung nicht mehr als "kritische Gefahr für die Gesellschaft" gesehen. Begründet wird das vor allem mit der hohen Durchimpfungsrate. Drei Viertel der 5,8 Millionen Einwohner, also knapp 74 Prozent der Gesamtbevölkerung, sind geimpft.

Ein Leben wie vor der Pandemie, ohne Impfnachweis und Maskenpflicht, soll wieder möglich sein. Als Grund dafür wird immer wieder das hohe Vertrauen der Bürger in die Regierung und öffentliche Institutionen genannt. Michael Bang Petersen, Politikwissenschaftler an der Aarhus Universität, hat zu dem Vertrauen der Bevölkerung in der Pandemie geforscht. In einem Twitter-Thread schreibt er, der beste Indikator zur Akzeptanz des Corona-Vakzins in Dänemark, aber auch anderswo, sei das Vertrauen in das Pandemie-Management der Behörden. Laut dem Wissenschaftler sei dieses Vertrauen in Dänemark "unglaublich hoch und stabil".

In Schweden ist der Wille zur Impfung ähnlich hoch. Mit Stand 17. September sind 62 Prozent der Gesamtbevölkerung bereits vollständig geimpft, jedoch warten auch noch sieben Prozent auf ihren zweiten Stich (Österreich: drei Prozent). Man hat, anders als in Österreich, auch erst im August dieses Jahres mit der Impfung für 16- bis 18-Jährige begonnen. Die Impfung für 12-Jährige wurde erst ab 16. September empfohlen und wird ab Anfang November landesweit ausgerollt.

Insgesamt gilt die Impfbereitschaft in dem skandinavischen Land als sehr hoch. Im Juni hat eine Umfrage der staatlichen Gesundheitsbehörde Schwedens, Folkhälsomyndigheten, ergeben, dass 87 Prozent der Befragten ab 16 Jahren, die noch nicht geimpft sind, sich "sehr sicher" oder "wahrscheinlich" impfen lassen werden. Auch Jimmie Åkesson, Parteichef der rechten Schwedendemokraten und das schwedische Pendant zu Herbert Kickls FPÖ, steht klar hinter dem Impfziel. Auf Twitter schreibt er schon am 1. April 2021: "Es muss die oberste Priorität der Regierung sein, die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen." Von Politiker- und Expertenseite wird, gleich wie in Dänemark, diese hohe Impfbereitschaft als Grund angeführt, warum mit 29. September die letzten – verhältnismäßig wenigen – Einschränkungen aufgehoben werden. "Geimpfte können praktisch so normal wie zuvor leben", sagte Johan Carlson, Generaldirektor der Gesundheitsbehörde.

Die Inselgruppe Malta mit seiner halben Million Einwohner hat eine Impfrate von 81 Prozent bei der Gesamtbevölkerung (Stand 15. September 2021) erreicht. Aufgrund dessen wurde seitens des Gesundheitsministeriums entschieden, alle Impfzentren im Land bis auf eine zu schließen. Das Land, dessen Wirtschaft stark vom Tourismus abhängig ist, zeigt trotz Lockerungen Vorsicht und Strenge bei den Einreisebestimmungen. Nur vollständig geimpfte Personen dürfen ohne Quarantänepflicht einreisen. Auch das digitale Impfzertifikat spielt in dem Inselstaat noch eine Rolle und muss beispielsweise bei Veranstaltungen vorgezeigt werden.

In Malta spricht man aufgrund der hohen Impfquote von Herdenimmunität, dennoch ist der maltesische Gesundheitsminister Chris Fearne pessimistisch, was die weltweite Corona-Situation anbelangt. "Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Welt dieses Level an Herdenimmunität nie erreichen, was bedeutet, dass das Coronavirus von der Pandemie zur Endemie werden wird. Es wird bei uns bleiben. Wir haben Booster-Impfdosen verfügbar und sind am Laufenden, was die aktuellen Entwicklungen anbelangt, denn wir werden damit leben müssen", wird Fearne in der Tageszeitung "The Malta Independent" am 15. August 2021 zitiert.

Die Impfbereitschaft in Portugal zählt ebenfalls zu den höchsten in Europa. Auch wenn die Delta-Welle zwischenzeitlich über das Land geschwappt ist, hat die effektive Impfkampagne dazu beigetragen, dass man wieder Öffnungen gewagt hat. Mit Stand 14. September 2021 haben 82 Prozent der Gesamtbevölkerung bereits den vollen Impfschutz. Ganz ohne Impfpflicht und zusätzlichen Einschränkungen für Ungeimpfte. Die Gründe für die hohe Impfbereitschaft liegen laut einem SRF-Bericht in der schweren Coronakrise zu Beginn des Jahres und der geringen Präsenz von Impfverweigerern und Coronaleugner. Die Menschen seien sich der Risiken, sollten sie sich nicht impfen lassen, stets bewusst gewesen. Francisco George, Präsident des portugiesischen Roten Kreuzes, meint, dass sich die Bevölkerung auch an die große Armut und unzureichende medizinische Versorgung in den 1970er Jahren erinnern würde und daher das Impfen einen hohen Stellenwert habe.

Mit dem Verweis auf die hohe Impfrate werden auch viele der strengen Maßnahmen gelockert, so zum Beispiel die Maskenpflicht im Freien. Jedoch streben die Behörden eine noch höhere Impfquote an, um auch Clubs und Diskotheken zu öffnen und in Sport- und Kultureinrichtungen die volle Zuschauerkapazität zu erlauben.

Seit dem 19. Juli gibt es in Großbritannien fast keine Corona-Maßnahmen mehr. 65 Prozent der Gesamtbevölkerung sind mit Stand 16. September 2021 vollständig geimpft. Am 14. September hat Premierminister Boris Johnson seinen Fahrplan für den Herbst und Winter vorgestellt. Dieser Plan beinhaltet vor allem Impfungen – ohne Zwang. Über 50-Jährige sowie Risikopatienten sollen auch eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bekommen.

In der Downing Street ist man trotz steigender Zahlen in ganz Europa optimistisch, dass strengere Maßnahmen vermieden werden können und verweist dabei auf die hohe Wirksamkeit der Vakzine. Obwohl für Ende September angekündigt wurde, dass für den Besuch in Diskotheken und Großveranstaltungen ein Impfpass notwendig sein wird, strich Johnson diese Pflicht kurzerhand. Doch ähnlich wie andere Regierungen hält sich auch Johnson die Option offen, Restriktionen wieder einzuführen: "Die Regierung ist entschlossen, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, um den NHS (nationales Gesundheitssystem, Anm.) vor einer Überlastung zu schützen."

Lisa StepanekQuelle: Redaktion / lis