APA - Austria Presse Agentur

Neue Corona-Studie aus Österreich zeigt, wie ansteckend Schulen wirklich sind

10. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Eine noch unveröffentlichte Studie aus Österreich zeigt, dass Volksschulkinder genauso häufig infiziert sind wie Teenager oder Erwachsene. Studienleiter Michael Wagner fordert eine "ehrliche Diskussion" über Schulöffnungen.

Bereits Anfang November kritisierten mehrere österreichische Wissenschaftler in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass Aussagen wie "Die Schulen sind besonders sichere Orte" nicht aufrecht zu erhalten seien. Immer mehr Studien weltweit deuten inzwischen darauf hin, dass auch Volksschulkinder das Coronavirus ebenso häufig in sich tragen wie Erwachsene und dieses durchaus auch oft an ihr Umfeld weitergeben.

Eine aktuell noch unveröffentlichte Studie von Michael Wagner, stellvertretender Leiter des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Universität Wien, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von den medizinischen Universitäten Graz, Linz und Innsbruck führt er seit Beginn des Schuljahres Gurgeltests an Schulen durch, um ein möglichst repräsentatives Bild des dortigen Infektionsgeschehens zu erlangen. 

Unter-10-Jährige ähnlich häufig infiziert wie Lehrer

Bei Kindern unter 10 Jahren ist das Virus demnach ähnlich häufig nachweisbar wie bei Kindern zwischen 11 und 14 Jahren oder Lehrkräften und aus anderen Studien sei auch klar, dass Kinder ansteckend seien. Schule seien deshalb nicht sicherer als viele andere Bereiche in unserer Gesellschaft, warnt der Mikrobiologe.

Die Dunkelziffer bei den Unter-10-Jährigen sei groß, "weil Kinder unter 10 Jahren weniger getestet werden", sagt Wagner im Gespräch mit PULS 24. Kinder im Volksschulalter zeigen häufig keine Symptome und würden nicht getestet, weil von dem Irrtum ausgegangen wird, dass sie nicht infektiös seien.

Forderung nach "ehrlicher Diskussion"

Das sei jetzt nicht unbedingt als Plädoyer für sofortige Schulschließungen aufzufassen, betont Wagner. "Schulschließungen sind ein hochkompliziertes Thema, bei dem tausende Aspekte hineinspielen, nicht zuletzt auch das Recht auf Bildung und wirtschaftliche Auswirkungen", sagt er. "Ich würde mir aber vor allem eine ehrliche Diskussion in der Politik und Öffentlichkeit wünschen."

Man könne ja auch offen etwa die wirtschaftlichen Aspekte von Schulöffnungen diskutieren und Maßnahmen abwägen, aber dies solle nicht aufgrund von nachweislich falschen Annahmen wie "Die Schulen sind sicher" oder "Kinder unter 10 Jahren spielen keine Rolle" geschehen, fordert der Mikrobiologe.

"Mund-Nasen-Schutz in allen Schulen"

Wenn Schulen offen bleiben sollen, dann müsste das Infektionsgeschehen in diesem Bereich dadurch ausgeglichen werden, dass in anderen Bereichen strengere Auflagen gelten. Als Beispiel nennt er: "Wenn Schulen geöffnet bleiben sollen, dann kann zum Beispiel im Gegenzug nicht die Gastronomie geöffnet werden."

Was Wagner als Maßnahme aber in jedem Fall befürworte, sei "Mund-Nasen-Schutz in allen Schulen, wie es auch die Leopoldina (die deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften, der er selbst angehört, Anm.) in ihrer jüngsten Stellungnahme empfohlen hat." Auch bei den Jüngsten.

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Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos