APA - Austria Presse Agentur

Musiker und Filmkomponist Yann Tiersen wird 50

Juni 23, 2020 · Lesedauer 3 min

Der mit viel Pariser Flair versetzte Soundtrack zu dem poetischen Meisterwerk "Die fabelhafte Welt der Amélie" machte Yann Tiersen berühmt. Zwanzig Jahre ist das jetzt schon her - seitdem hat der Franzose, der am 23. Juni 50 Jahre alt wird, immer wieder gezeigt, dass es jenseits von Amélie auch andere fabelhafte Welten gibt.

Zumal er die Musik nicht einmal extra für den Film geschrieben hat. Ein Großteil der Stücke war bereits fertig, bevor man sich an ihn gewandt hatte. Festlegen lässt sich der der Multiinstrumentalist (Piano, Gitarre, Akkordeon, Synthie) sowieso nicht. In all den Jahren hat Yann Tiersen zahlreiche Kostproben seines vielfältigen Könnens gezeigt. Neo-Klassik, Minimal Music, Chanson, Pop und Rock - der Bretone tanzt mit seiner häufig magisch-monotonen Musik über die Genregrenzen hinweg.

Und er saugt viele Einflüsse in sich auf. Eine seiner Lieblingsbands ist Neu!, deren Debütalbum zu seinen Top Five zählt. Und seiner Leidenschaft für Krautrock lebt er zusammen mit Lionel Laquerrière und Thomas Poli aus, die sich mit ihren analogen Synthesizern unter dem Namen ESB (Elektronische Staubband) direkt in die 70er Jahre beamen.

Yann Tiersen ist mit Musik aufgewachsen, auch wenn alles mit einem "Missverständnis" anfing: "Ich dachte, Bögen wären Laserschwerter, also wollte ich Geige spielen, aber ich war zu jung, also begann ich mit 3 Jahren Klavier zu spielen", erzählte er im Interview mit "Digital In Berlin".

Später kam dann doch noch die Geige dazu und am Konservatorium erhielt er eine klassische Ausbildung. Selbst das Dirigieren lernte er, doch dann hatte Yann Tiersen die Nase davon voll, und unter dem Einfluss von Joy Divison und den Stooges hatte er plötzlich Spaß am Post-Punk. Ein Widerhall aus dieser Zeit findet sich auch auf seinem starken Album "Dust Lane" (2011).

Seiner bretonischen Heimat fühlt sich Yann Tiersen ganz besonders eng verbunden. In Brest geboren, aufgewachsen in Rennes und Nantes, hat er seine Homebase auf der kleinen Insel Ouessant: "Ich lebe ein einfaches Leben, und daraus entsteht meine Musik. Sie ist eine Reflexion meines Alltags. Das heißt, diese Landschaft inspiriert mich nicht nur. Es ist eher eine tiefe Verbundenheit, die ich fühle", sagte er im Interview mit dem österreichischen "Kurier".

Da war es fast ein Selbstverständlichkeit, dass Tiersen auch den einfühlsamen Soundtrack zu der Dokumentation "Tabarly" (2008) geschaffen hat. Éric Tabarly, der in Nantes geboren wurde, war ein legendärer Hochsee-Regattasegler, der mit 67 Jahren den Tod auf hoher See fand.

Mit seinem spannend-entspanntem Album "Portrait" hat Yann Tiersen bereits Ende letzten Jahres eine Art Zwischenbilanz gezogen. Vom Debüt "The Waltz Of The Monsters" (1995) über den Film-Hit "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001) bis zu den aktuelleren Alben "EUSA" und "All" hat er prägende Stücke seiner Kariere nochmals eingespielt - zwischen Neoklassik und Softpop pendelnd.

Quelle: Agenturen