Wiener Frauenmord: Verdächtiger verweigert Aussage

29. Apr 2021 · Lesedauer 6 min

In Wien-Brigittenau hat ein Mann am Donnerstagabend seiner Ex-Partnerin in den Kopf geschossen. Die Frau erlag noch in der Nacht im Spital ihren schweren Verletzungen. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um den "Bierwirt" handeln, der zuletzt im Prozess gegen Grünen-Klubobfrau Maurer seine Klage zurückzog. Im PULS 24 Interview beschreibt Fatih Karatas, dass er den Verdächtigen bemerkte und die Tatwaffe wegtrat, auch, um Kinder vor Ort zu schützen.

Im Zusammenhang mit der Tötung einer 35-Jährigen in Wien-Brigittenau Donnerstagabend soll der "Bierwirt", der es zu einiger unrühmlicher Berühmtheit brachte, indem er einen Rechtsstreit mit der Grünen Klubobfrau Sigrid Maurer anzettelte, festgenommen worden sein. Mehrere Medien berichteten darüber, eine Bestätigung vonseiten der Polizei gab es nicht. Der APA liegen allerdings Informationen vor, dass es sich bei ihm um den Tatverdächtigen handelt.

Verdächtiger verweigert Aussage

Der Mann wurde laut Polizei zunächst in ein Krankenhaus gebracht, weil er im Zuge der Festnahme zusammenbrach. Wie sein Rechtsvertreter Gregor Klammer erklärte, war der 42-Jährige am Freitagnachmittag wieder ansprechbar und wurde zur polizeilichen Einvernahme als Beschuldigter vorgeführt. Dabei machte der 42-Jährige von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und war zu keinen Angaben zum Tatgeschehen bereit, teilte die Landespolizeidirektion mit.

LPD Wien zu Ermittlungen im Frauenmord

Markus Dittrich, vom LPD Wien, spricht mit PULS 24  über die laufenden Ermittlungen zum Frauenmord in Wien.

"Bierwirt" zuletzt wegen Nötigung vor Gericht

Die Grüne Klubobfrau war damals von dem Bierlokalbetreiber geklagt worden, nachdem sie diesem beschuldigt hatte, ihr Ende Mai 2018 via Facebook obszöne Privatnachrichten geschickt zu haben, was Maurer selbst über ihren Twitter-Account publik machte. Zuletzt hatte der "Bierwirt" behauptet, die Nachrichten habe ein gewisser "Willi" vom PC in seinem Lokal verfasst, er sei dafür nicht verantwortlich. Nach mehreren Verhandlungen zog der Mann die Klage jedoch zurück.

Zuletzt hätte sich der 42-Jährige wegen Nötigung vor dem Straflandesgericht verantworten müssen. Allerdings wurde der Prozess Anfang April vertagt, da sich der Wahlverteidiger des Wirts nicht vorbereiten konnte. Dabei ging es um einen Streit zwischen dem 42-Jährigen und einem Passanten am 24. September 2020. Der 63-Jährige soll vom angeblich angetrunkenen Gastronomen zum Weggehen aufgefordert worden sein. Als er der Anweisung nicht nachkam, soll der Wirt ihn mit einem als Taschenlampe getarnten Elektroschocker - einer verbotenen Waffe - bedroht haben.

Der Ex-Anwalt des "Bierwirten", Adrian Hollaender, sagt gegenüber PULS 24, dass er nicht weiß, ob der Beschuldigte die Tat begannen hat. "Ich habe ihn keinesfalls kennengelernt, als jemand der solche Taten begehen könnte", erklärte er im PULS 24 Interview. Außer einem "großen Mundwerk", sei der "Bierwirt" "sehr sachorientiert und sehr rechtsstaatorientiert", sagt der Anwalt.

Ex-Anwalt glaubt nicht an Schuld des "Bierwirten"

Im Interview mit PULS 24 erklärte der Alt-Anwalt des "Bierwirten", Adrian Hollaender, dass er sich nicht vorstellen könne, dass der "Bierwirt" zu so einer Tat fähig sei.

Einsatzkräfte gegen 20 Uhr verständigt

Der 42-Jährige soll Donnerstagabend zu der Wohnung seiner Ex-Lebensgefährtin im Winarskyhof, einem Gemeindebau in der Winarskystraße im 20. Wiener Gemeindebezirk, gekommen sein und die Frau mit einer Waffe bedroht haben. Das bekam eine Zeugin mit und rief die Polizei. Der erste Notruf erreichte die Einsatzkräfte kurz vor 20.00 Uhr, die Zeugin berichtete von der Bedrohung und sagte, dass sie nun aus dem Haus geflüchtet sei. Ein, zwei Minuten später kam der nächste Notruf, dass geschossen wurde.

Alkohol- und Drogeneinfluss

Als die Einsatzkräfte eintrafen, lag die 35-Jährige regungslos am Boden. Die Frau erlitt Schussverletzungen an Kopf und Fuß. Sie wurde noch schwer verletzt ins Spital gebracht, wo sie verstarb. Beamte der Sondereinheit Wega nahmen den Tatverdächtigen im Innenhof fest. Der Mann hatte sich nach Informationen der APA zu diesem Zeitpunkt die Oberbekleidung ausgezogen und trank aus einer Wodkaflasche. Er soll demnach über drei Promille Alkohol im Blut gehabt und sich eine Alkoholvergiftung zugezogen haben. Laut ersten Untersuchungen soll der Verdächtige auch unter Einfluss anderer Substanzen gestanden haben. 

Der Mordverdächtige wird die Nacht auf Samstag in Polizeigewahrsam verbringen, danach wird er in die Justizanstalt Josefstadt überstellt. Die Staatsanwaltschaft wird dann die U-Haft beantragen, das Landesgericht dürfte darüber frühestens am Sonntag entscheiden.

Spaziergänger entdeckte Tatwaffe und Verdächtigen

Fatih Karatas beschreibt im PULS 24 Interview, dass er beim Spazierengehen mit seiner Freundin den mutmaßlichen Täter sah, der ihm sagte, dass er jemanden umgebracht habe. Neben dem Mann lag eine Waffe. Der junge Mann blieb bei dem Mann, weil er sich um Kinder vor Ort fürchtete. Er trat die Tatwaffe mit dem Fuß weg, damit der Täter sie nicht mehr erreichen konnte. Karatas wurde im Anschluss von der Polizei einvernommen.

Augenzeuge Fatih beschreibt, wie er die Tatwaffe mit dem Fuß wegtrat

Illegaler Waffenbesitz?

Wem die Schusswaffe gehört, ist Gegenstand von Ermittlungen, sagte Dittrich. Der genaue Tathergang wird noch untersucht. Psychotherapeutin Sigrun Roßmanith bezweifelte im PULS 24 Interview, dass der Mann die Waffe legal besessen habe. Das sei bei seinen Vorstrafen unwahrscheinlich. Es sei allerdings nicht schwer, illegal an eine Waffe zu kommen, so Roßmanith. 

"Man spürt plötzlich die Angst, dass da was gefährlich ist", sagt ein Nachbar, als er bemerkte, dass die Cobra am Tatort eingetroffen ist. Eine andere Nachbarin kann die Tat nicht glauben: "Das verstehen wir alle nicht. Er hat nie aggressiv oder böse gewirkt", sagte sie gegenüber PULS 24.

Nachbarn schildern Geschehnisse

 Gegenüber PULS 24 schildern einige Nachbarn, was sie an dem Abend gesehen haben.

Mord lässt Politik nicht kalt

Der Frauenmord lässt auch die Politik nicht kalt. Umweltministerin Leonore Gewessler unterbrach am Freitag eine Pressekonferenz, um auf die tragischen Vorkommnisse einzugehen. Sie sprach ihr "tief empfundenes Beileid aus" und endete ihre Stellungnahme mit den Worten: "wir müssen hier wirklich etwas tun".

Auch Frauenministerin Susanne Raab äußerte sich zum Femizid. Der "brutale Mord ist absolut schockierend und macht mich zutiefst betroffen", sagte Raab in einer Aussendung. "Grausame Taten wie diese sind die Spitze des Eisbergs, denn Gewalt gegen Frauen beginnt bereits bei abwertenden Äußerungen und Beschimpfungen und reicht bis hin zu gewalttätigen Übergriffen", führte sie ihre Anteilnahme weiter aus.

Bisher neunter Frauenmord 2021

Es handelt sich offenbar um die neunte Tötung einer Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner in diesem Jahr in Österreich. Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte ein 65-Jähriger in Neulengbach (Bezirk St. Pölten-Land) seine 64-jährige Lebensgefährtin getötet. Der Mann ist geständig und in Untersuchungshaft. Opposition und Frauenhilfsorganisationen hatten daraufhin mehr Prävention gegen Gewalt an Frauen gefordert.

Die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, zeigt sich im PULS 24 Interview "sehr betroffen" von dem Mord in Wien. Bei solchen Taten frage sie sich: "Warum haben wir die Frau nicht erreicht? Warum hat sie sich keine Hilfe gesucht?"

Sie appelliert an die Regierung langfristige Antigewalttrainings umzusetzen und fordert die Einführung eines Expertengremiums. Das Gremium soll laut Brem jeden Frauenmord untersuchen und aufzeigen: "Wo hat das Unterstützungssystem nicht geklappt".

Brem: Häusliche Gewalt "bahnt sich an und steigert sich"

Die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, spricht im Interview mit PULS 24 über den Frauenmord in Wien. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea