APA/HERBERT NEUBAUER

Kurz zu Massentest: "Chance, Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten"

20. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Die ersten Massentests in Österreich sollen am 5. Dezember starten. Zuerst sollen Pädagogen getestet werden. Kurz vor Weihnachten soll es eine Testreihe für die gesamte Bevölkerung geben.

Am 5. und 6. Dezember werden alle Landes- und Bundeslehrer sowie Kindergartenpädagogen (rund 200.000 Personen) getestet. Am 7. und 8. Dezember folgt dann die Testung aller 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten ist eine breit angelegte Testreihe für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Teilnahme ist aber freiwillig.

Zur Vorbereitung der Massentests vor Weihnachten werden ebenfalls in der ersten Dezemberwoche in ausgewählten Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten Gratis-Testungen an der Bevölkerung durchgeführt. Zu Beginn des neuen Jahres ist eine zweite Massentest-Reihe im ganzen Land geplant, gab die Regierung am Freitag bekannt.

Erster Massentest nach dem Lockdown

Die Teilnahme an den Massentests erfolgt freiwillig, betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Er gab aber zu bedenken, dass "einige Minuten für einen Test einige Wochen Lockdown des ganzen Landes verhindern können". Kurz: "Deshalb bitten wir schon jetzt die gesamte Bevölkerung, dieses bundesweite Projekt zu unterstützen und sich daran zu beteiligen. Diese Massentests sind bis zur Impfung eine große Chance für Österreich, den Weg zur Normalität zurückzufinden."

Mahrer zu Massentests: "Konzept scheint sinnvoll"

Sieben Millionen Antigen-Schnelltests wurden bereits bestellt, weitere Bestellungen sind in Planung. Die Kosten für die ersten sieben Millionen Tests belaufen sich auf 50 Millionen Euro. Zur Anwendung kommen Tests der Firmen Roche (vier Millionen Tests) und Siemens (drei Millionen Tests).

Logistik und Organisation durch das Bundesheer

Die zentrale Abwicklung und Steuerung der Massentests liegt beim Bundesheer und dem Gesundheitsministerium. Das Bundesheer hat bereits die Abwicklung der Massentests in der Slowakei unterstützt und verfügt daher über Know-how im Umgang mit überregionalen Sondereinsätzen. Das Verteidigungsressort befinde sich bereits intensiv in den Vorarbeiten zur logistischen und organisatorischen Abwicklung der Tests, hieß es in einem Medienpapier der Regierung.

Neben Logistik und Organisation werden auch Sanitäter des Militärs zur Durchführung der Tests herangezogen. Insgesamt wird das Bundesheer mit mehreren tausend Soldaten die Abwicklung der Massentests unterstützen. Daneben werden auch noch die Gesundheitsbehörden, Blaulichtorganisationen, Feuerwehren sowie freiwillige Helfer im Einsatz sein.

Die Probenentnahmen werden ausschließlich von geschultem Gesundheitspersonal durchgeführt. Dazu werden die Gesundheitsbehörden gemeinsam mit dem Bundesheer und den Rettungsorganisationen entsprechende Mitarbeiter bereitstellen und zusätzliches Personal schulen. Das Ergebnis eines Antigen-Tests liegt nach rund 15 Minuten vor.

Mangelnde Freiwilligkeit in der Slowakei

In der Slowakei wurden bereits alle Einwohner zwischen 10 und 65 getestet. Durch die Massentests seien rund 50.000 Personen identifiziert worden, die nicht wussten, dass sie Corona-positiv seien. Diese Menschen hätten sich in Selbstisolation begeben. 

Der slowakische Außenministers Ivan Korcok bezeichnete die Tests als organisatorisch und politisch "extrem herausfordernd", aber die Maßnahme sei wirkungsvoll gewesen. In der Slowakei geht die Infektionskurve zurück und das Land beginnt den partiellen Lockdown etwas zu lockern und etwa Kirchen und Kinos wieder zu öffnen.

Freiwillig war die Teilnahme  allerdings nicht: wer kein negatives Testergebnis vorweisen konnte, war von einer strikten Ausgangssperre betroffen und durfte nicht in die Arbeit gehen.

Kanzler Kurz zu kommenden Massentests in Österreich

Bei einem Pressestatement zu den angekündigten Massentests Anfang Dezember gab Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitagnachmittag bekannt, dass derzeit Millionen Antigen-Test seitens der österreichischen Bundesregierung bestellt werden. Zur Lokalisierung einer hohen Zahl an Infizierten und zur Durchbrechung von Infektionsketten seien Massentests ideal geeignet, sagte Kurz.

Die Testung ausgewählter Zielgruppen, wie jener der Lehrer, soll eine möglichst sichere Schulöffnung erlauben. In einer nachfolgenden Welle sollen sich dann größere Bevölkerungsgruppen testen lassen können. Die nun möglichen Massentests bezeichnete Kurz als eine Chance, um das Infektionsgeschehen zu drücken und unter Kontrolle zu halten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe