APA - Austria Presse Agentur

Wie sinnvoll sind Corona-Massentests?

18. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Die Regierung hat flächendeckende Corona-Massentests nach dem Vorbild der Slowakei angekündigt. Wie diese ablaufen müssen, damit sie sinnvoll sind, erklärt die Epidemiologin Eva Schernhammer von der MedUni Wien.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich am Mittwoch mit Sozialpartnern und der Ärztekammer getroffen, um seinen Plan für die angekündigten Corona-Massentests zu besprechen. Sein Vorbild sind die Massentests in der Slowakei, anders als dort allerdings als Angebot auf freiwilliger Basis. Die Sinnhaftigkeit von Massentests ist auch in medizinischen Kreisen aktuell umstritten. Ein häufiger Einwand ist, dass es sich bei einer einmaligen Aktion immer nur um eine Momentaufnahme handelt.

Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie am Public Health Zentrum der MedUni Wien, sagt im Gespräch mit PULS 24, dass Massentests durchaus sinnvoll sein können. Es komme aber auf den Kontext und die Zielsetzung an: "Man muss sich überlegen, was man damit erreichen möchte", erklärt sie. Grundsätzlich sieht sie zwei Varianten.

Regelmäßige Durchtestung

Wolle man wirklich die Masse der Bevölkerung aktiv durchtesten, so müsste man hier wohl nach dem Konzept des Harvard-Epidemiologen Michael Mina verfahren. Dieser schlägt, unter anderem in einem Artikel in "Time", für die USA eine großangelegte Testoffensive zur Pandemie-Bekämpfung vor, um dort einen zweiten Lockdown zu verhindern.

In einem ersten Schritt soll die Bevölkerung mit ausreichend Antigen-Schnelltests versorgt werden, so dass sich jeder und jede alle vier Tage selbst testen kann. Bei einem positiven Test müsste dann in einem zweiten Schritt ein Bestätigungstest durchgeführt werden, am besten mit dem treffsicheren PCR-Test, der auch symptomfreie Fälle erkennt.

Schernhammer betont allerdings: "Wir sprechen da aber natürlich in einem Kontext von unendlichen Ressourcen." Hier gäbe es auch logistische Fragen zu bedenken.

Ärztekammer-Präsident Szekeres: "In Österreich ist niemand für Zwangsmaßnahmen"

Schwerpunkt-Screenings

Die Alternative wären prophylaktische Screenings in bestimmten Bereichen am Ende des aktuellen Lockdowns. "Ich denke da zum Beispiel an den Gesundheitsbereich, vor allem auch Altenheime, und an die Schulen", so Schernhammer. Gerade im Bereich der Altenheime sei aufgrund der vielen Risikopatienten eine gründliche Testung sehr wichtig.

Sehr sinnvoll wären Screenings an Schulen, testen müsse man dabei "aber nicht nur die Schulen selbst, also Lehrer und Schüler, sondern auch das Umfeld", betont sie. "Denn die Schüler infizieren sich ja nicht nur an der Schule, sondern tragen die Infektion auch von ihrem Umfeld in die Schule." Sie könne sich etwa vorstellen, dass bei stark betroffenen Schulen Massentests im Grätzel durchgeführt werden könnten. Infektions-Cluster würde man so rasch erkennen und isolieren können.

Mahrer: "Konzept scheint sinnvoll"

PULS 24 Reporterin Nadja Buchmüller hat erste Statements von Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer, AK-Präsidentin Renate Anderl, Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres und ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian nach dem Treffen mit der Regierung zu Massentests eingeholt.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos