APA - Austria Presse Agentur

Corona in Italien: "Warum ist das Virus bei uns so bösartig?"

19. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Italien hat europaweit die höchste Tödlichkeitsrate im Verhältnis zu den dokumentierten Corona-Fällen, nämlich 3,8 Prozent. Weltweit haben nur Mexiko (rund 10 Prozent) und der Iran (5,4 Prozent) einen höheren Wert. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Tödlichkeitsrate oder Letalitätsrate, also das Verhältnis der Verstorbenen zur Anzahl der Infizierten, beträgt in Italien 3,8 Prozent. Von hundert Infizierten starben seit Beginn der Pandemie im Schnitt also fast vier am Coronavirus. Das ist weit über dem Wert vieler anderer europäischer Länder. Großbritannien liegt mit 3,7 Prozent nur knapp dahinter, sogar im schwer betroffenen Spanien liegt der Wert bei 2,8 Prozent. In Österreich liegt die Letalität des Coronavirus bei knapp 0,8 bis 0,9 Prozent.

Der Letalitätsrate gegenüber steht die Sterblichkeitsrate oder Mortalitätsrate, also das Verhältnis der an Corona Verstorbenen zur Gesamtbevölkerung. In dieser Statistik kommen in Italien 75,7 Tote auf 100.000 Einwohner. Im weltweiten Sterblichkeits-Vergleich liegt Italien auf Platz Sieben. Die höchste Sterblichkeitsrate gibt es in Belgien, wo 128 Corona-Tote auf 100.000 Einwohner kommen, gefolgt von Spanien mit 88,3 Corona-Toten pro 100.000 Einwohner.

"Warum ist das Virus in Italien so 'bösartig'?", fragt deshalb etwa der italienische "Corriere della Sera". Denn offenbar ist die Sterblichkeit bei Corona-Erkrankten sehr viel höher als in anderen Ländern.

Drei mögliche Faktoren

Die Johns Hopkins Universität in den USA, die die Tödlichkeit in vielen Ländern untersucht hat, hat dafür mehrere Erklärungen. Eine Erklärung dürfte in der nach wie vor vergleichsweise geringen Durchtestungsrate in Italien liegen. Je mehr Tests, desto mehr symptomfreie Fälle werden entdeckt und desto geringer fällt die Tödlichkeit des Virus im Vergleich zu der Gesamtzahl der Fälle aus. Das erklärt zum Teil die Diskrepanz zu anderen großen europäischen Ländern.

Ein weiterer Faktor könnte laut der Johns Hopkins Universität die hohe Überalterung der italienischen Gesellschaft sein. Der hohe Anteil von älteren Menschen an der Bevölkerung bedeute eine größere Risikogruppe. Insbesondere zu Beginn der Pandemie starb der überwiegende Teil der Todesopfer in Pflege- und Altersheimen im Norden, das Durchschnittsalter aller an Corona Verstorbenen in Italien liegt bei knapp 82 Jahren.

Als dritten möglichen Faktor nennen die US-Forscher das Gesundheitssystem, das gerade in Italien schnell durch die Pandemie überlastet wurde. Vor allem im Gesundheitsbereich wurde in den Jahren nach der Wirtschafts- und Eurokrise stark gespart. In der Folge stellten sich die sanitären Kapazitäten als unzureichend heraus, insbesondere im Frühjahr bei Ausbruch der Pandemie.

Allerdings geben auch die Forscher der Johns-Hopkins-Universität zu, dass diese drei Faktoren das Rätsel um die hohe Sterblichkeit nicht lösen. Ein vom "Corriere" befragter Epidemiologe und Statistiker aus Rom sagt letztlich auch etwas resigniert: "Unsere Daten sind zuverlässig, aber sie können nicht alles erklären."

Quelle: Redaktion / hos