Baldwin übte schnelles Ziehen als sich der tödliche Schuss löste

25. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Immer mehr Details werden zum Schusswaffen-Unfall am Filmset von Alec Baldwins Film "Rush" bekannt. Der Regisseur sagte dem Sheriff gegenüber aus, der tödliche Schuss habe sich gelöst, als der Star in einer Kirche einen sogenannten "Cross Draw" übte und daraufhin auf die Kamera zielte.

Regisseur Joel Souza war das zweite Opfer des mutmaßlichen Schussunfalls auf der Filmranch Bonanza Creek bei Santa Fe (New Mexico) bei den Dreharbeiten zum Western "Rush". Kamerafrau Halyna Hutchins verstarb nach einem Brustschuss auf dem Hubschrauberflug ins Spital. Souza wurde an der Schulter getroffen, konnte das Spital aber nach wenigen Stunden wieder verlassen. Er sagte dem Sheriff gegenüber aus, dass Hauptdarsteller und Co-Produzent Alec Baldwin einen sogenannten "Cross Draw" in der Kirche übte. 

Dabei wird die Waffe quer über den Körper aus dem Holster gezogen. Baldwin soll an einer Bank gelehnt haben, die Bewegung endete mit dem Anvisieren der Kamera. Souza schildert, dass er Hutchins über die Schulter schaute als er plötzlich ein Plopp-Geräusch, wie von einer Peitsche hörte. Er erinnere sich vage daran, dass sie über Schmerzen im Bauch klagte, sich an den Leib gefasst, dann rückwärts getaumelt und zu Boden gegangen sei. Er selbst habe an der Schulter geblutet und konnte Blut auf Hutchins sehen. 

Regieassistent Dave Halls habe dem Star die Waffe zum Üben gegeben und darauf hingewiesen, dass es sich um eine "Cold Gun", also eine Pistole ohne scharfe Munition handelte.

"Zahlreiche Menschen haben ihr Beileid bekundet"

Miriam Pössnicker über den tödlichen Unfall am Filmset von "Rust"

Schon früher Sicherheitsprobleme mit Assistenten?

Der Regieassistent und die erst 24-jährige Waffenmeisterin am Set wurden heftig kritisiert. Der Assistent soll laut einer Technikerin bereits bei einer früheren Produktion Sicherheitsstandards verletzt haben, laut US-Medien war "Rush" für die Waffenmeisterin erst die zweite Filmproduktion, an der sie mitgearbeitet hat. Die Produktionsfirma wies die Vorwürfe zurück. 

Kameracrew ging wegen Sicherheitsbedenken

Regisseur Souza bestätigt zudem, dass am Donnerstagmorgen eine neue Kameracrew engagiert werden musste, weil ein davor eingesetztes Team die Produktion im Bundesstaat New Mexico verlassen hatte. Die "Los Angeles Times" hatte am Freitag berichtet, dass sich Mitarbeiter am Set über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen beschwert und aus Protest die Produktion verlassen haben sollen. Am Mittwoch will die Polizei bei einer Pressekonferenz über die Ermittlungen informieren, nannte aber noch keine Uhrzeit.
 

 

Die Ermittlungen dauern an, die Dreharbeiten zum Western wurden von der Produktionsfirma Rust Movie Productions LLC auf unbestimmte Dauer unterbrochen. Baldwin, selbst Koproduzent, will nach dem tödlichen Zwischenfall eine Pause einlegen und hat weitere Film und Fernsehprojekte gestoppt. "Er war stundenlang hysterisch und absolut untröstlich", schildert eine Quelle "People" vom Filmset. 

Branche reagiert: ABC verbietet scharfe Munition

Als Konsequenz aus dem tödlichen Zwischenfall bei "Rust" verbot der US-Sender ABC am Freitag mit sofortiger Wirkung scharfe Munition am Set für seine Serie "The Rookie", wie das Filmmagazin "The Hollywood Reporter" berichtet. Bei früheren Dreharbeiten sei gelegentlich bei Szenen im Freien scharfe Munition verwendet worden, hieß es.

Am Sonntagabend versammelten sich in Burbank hunderte Menschen, um von Kamerafrau Halyna Hutchins Abschied zu nehmen. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam