Corona-Demos in Wien: Demo-Zug durch die Innenstadt nach Auflösung

13. Feb 2021 · Lesedauer 4 min

Trotz eines Verbots der Polizei nahmen über 2.000 Personen an Anti-Corona-Demos am Samstag in Wien teil. Die Polizei hat die finale Demonstration am Wiener Karlsplatz aufgelöst. Danach zogen kleinere Gruppen durch die Wiener Innenstadt.

Erneut hat die Untersagung mehrerer Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung durch die Polizei nicht die erwünschte Wirkung gezeigt. Am Samstag nahmen über 2.000 Teilnehmer an Anti-Corona-Demos in Wien teil, wie PULS 24 Reporter Christoph Isaac Krammer am Samstagnachmittag berichtete.

Nachdem dem Ende der Demo zerstreuten sich mehrere Kleingruppen, die quer durch die Wiener Innenstadt zogen. Unter den Demonstranten waren auch Neonazis und Personen mit Tiroler Flaggen. Zwei Polizisten wurden verletzt, es kam zu mehreren Festnahmen und mehreren hundert Anzeigen. Personen, die mit den Demo-Gruppen mitgingen müssten mit einer Anzeige rechnen, teilte die Polizei mit. Auf Twitter berichteten mehrere User von Demo-Zügen quer durch die Wiener Innenstadt. Die Polizei errichtete mehrere temporäre Straßensperren, unter anderem auf dem Wiener Ring.

Demo am Wiener Karlsplatz

Mehrere Hundert Teilnehmer nahmen an einer angemeldeten Standkundgebung am Maria-Theresien-Platz teil. Der Demonstrationszug bewegte sich am Samstagnachmittag in Richtung Karlsplatz. Im dortigen Resslpark fand eine Schwesterveranstaltung statt, offiziell zum Schutz von Kinderrechten. Gemeinsam waren es dann bald mehr als 2.000 Teilnehmer. Die Polizei teilte am Nachmittag mit, dass die Demo am Karlsplatz durch den Veranstalter beendet worden ist.

PULS 24 Reporter Christoph Isaac Krammer berichtete von einer aufgeheizten Stimmung auf der Demonstration. Der Großteil der Demonstranten halte die Corona-Regelungen nicht ein. Am Samstagabend vermeldete die Polizei eine Festnahme.

Nach dem Ende der Kundgebung am Karlsplatz gab es gegen 15.00 Uhr einen Aufruf zum "Spaziergang" auf der Ringstraße. Ein größerer Pulk machte sich auf den Weg dorthin, wurde auf Höhe Babenberger Straße aber von der Exekutive blockiert. 

Demo quer durch die Innenstadt

Daraufhin teilte sich die Menge kurzzeitig in zwei Gruppen, die sich dann aber am Stephansplatz wieder vereinigte und über Rotenturmstraße und Schwedenplatz zur Urania zog. Dort versuchte die Polizei, die Spontandemo nochmals aufzuhalten, scheiterte aber. Die Menge bewegte sich daraufhin den Wienfluss entlang Richtung Stadtpark. Daraufhin ging die Demo quer durch die Innenstadt.

Tiroler Adler am Karlsplatz

Am Karlsplatz hatten zuvor über 2.000 Personen gegen die Testpflicht an Schulen und die Maskenpflicht protestiert. Die Stimmung war friedlich, aber die Corona-Abstandsregeln wurden kaum befolgt, wie PULS 24 Reporter Christoph Isaac Krammer berichtete. Die Exekutive war mit einem Großaufgebot vor Ort. 

Auffällig stark präsent war Tirol. "Der Tiroler Adler fliegt wohin er will", hieß es, gemünzt auf die Testpflicht bei Verlassen des Bundeslands. Bei den teils per Bus gekommenen Tirolern wurden Identitätsfeststellungen durchgeführt. Vor der Rückfahrt wurden sie von der Polizei kontrolliert - von 57 Insassen hatte einer keinen negativen Corona-Test.

Polizei begleitet Demo-Zug

Die Exekutive sprach gegenüber der "APA" von einer friedlichen Kundgebung - auch mit Älteren und Kindern. Deshalb agiere man im Sinne der Verhältnismäßigkeit und begleite den Demonstrationszug. Sehr wohl werde aber auf die Einhaltung von Abstands- und Maskenregel geachtet, es werde "massiv" kontrolliert. Man wolle eine Eskalation verhindern und einen geordneten Ablauf gewährleisten. Eine einzige Festnahme wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt wurde von der Polizei vermeldet.

Einschlägig bekannte Rechtsextremisten wie Gottfried Küssel nahmen an der Demo teil. Auf Twitter waren Bilder zu sehen, wie Küssel an der Seite der Polizei marschiert. 

Brodnig: "Corona-Demos sind Chance für Rechte"

Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig erklärt im PULS 24 Interview, wie sich das Publikum der Corona-Demos zusammensetzt und was die Motivationen der Teilnehmer sind.

Insgesamt sechs Demos verboten

Die Wiener Polizei hatte insgesamt sechs Kundgebungen verboten. Die Gründe für die Verbote sind die mittlerweile üblichen. Entweder die Veranstalter sind einschlägig bekannt dafür, dass bei ihren Kundgebungen die Vorgaben nicht eingehalten werden oder es ist zu erwarten, dass der Zwei-Meter-Abstand nicht eingehalten wird. 

Vergangenes Wochenende stießen die Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen auf geringes Interesse. Am Wochenende des 31. Jänner gingen trotz Verbots tausende Menschen auf die Straße

Experte zu Verschwörungstheorien rund um Corona

Der Experte für Verschwörungstheorien, Claus Oberhauser (Pädagogische Hochschule Tirol) im PULS 24 Interview über die Motivationen der Teilnehmer von Anti-Corona-Demos.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb