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Caritas und Christopher Seiler bitten um Spenden für "Gruft"

15. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Wiener Caritas sammelt wieder für ihre alljährliche "Gruft-Winterpaket"-Aktion, um Obdachlose und Bedürftige in der kalten Jahreszeit zu unterstützen. Mit 70 Euro kann man einen winterfesten Schlafsack und sieben warme Mahlzeiten finanzieren. Gerade dieses Jahr bestehe ein großer Bedarf an den Hilfsangeboten der Caritas, weil immer mehr Menschen wegen Rekordinflation und stark gestiegener Energiekosten in die Armut abrutschten oder gar ihre Wohnungen verlassen müssten.

"Mit dem Einkommen gibt es immer häufiger kein Auskommen mehr. 148.000 Menschen sitzen in Wohnungen, die sie nicht mehr angemessen warmhalten können. Wir müssen jetzt handeln, um keinen Anstieg der Obdachlosigkeit zu riskieren", sagte Klaus Schwertner, geschäftsführender Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, am Donnerstag in der Wiener Notschlafstelle "Gruft". Dort machte er gemeinsam mit Sänger Christopher Seiler (Seiler und Speer) auf die prekäre Lage insbesondere des unteren Einkommensdrittels aufmerksam. Immer mehr Menschen, auch Familien, kämen in die Caritas-Wärmestuben, die Zahl der Delogierungen sei zuletzt wieder gestiegen, und gerade die Gruppe der jungen obdachlosen Menschen sei so stark gewachsen, dass inzwischen gut ein Drittel aller Obdachlosen zwischen 18 und 30 Jahren alt sei.

Derzeit gibt es rund 2.000 Notschlafbetten in Einrichtungen der Caritas, die rund um die Uhr betrieben werden und neben einem warmen Schlafplatz großteils auch Aufenthaltsräume, Suppenküchen und psychosoziale Betreuung anbieten. Das unangefochtene Hauptthema in allen Sozialberatungsstellen seien heuer die gestiegenen Heiz- und Energiekosten. Auch in Suppenküchen und bei den mobilen Suppenbussen würden nicht mehr hauptsächlich Obdachlose anstehen, sondern auch Menschen, die sich neben Erhaltungs- und Energiekosten kein Essen mehr leisten könnten.

Judith Hartweger leitet die "Gruft"-Notschlafstelle seit zwölf Jahren und hat in dieser Zeit schon viel gesehen, die Entwicklungen dieses Jahres beunruhigen aber auch sie. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter seien ihr zufolge mit rund 22.000 Kontakten von November 2021 bis November diesen Jahres im Dauereinsatz gewesen, in der "Gruft" seien in der gleichen Zeit 11.000 Betten belegt gewesen. Weil der Speisesaal rund 80 Sitzplätze bietet, pro Mahlzeit aber 150 oder mehr Hungrige kämen, appelliert auch sie an Solidarität. "Die Politik rettet Banken, Ihr rettet Leben!", lobte Seiler die Arbeit der Caritas und stellte fest, dass immer, wenn man der Gesellschaft Gutes tun wolle, man bei der Politik als Bittsteller auftreten müsse, trotz deren Verantwortung, sich um alle Bürgerinnen und Bürger zu kümmern.

Das Caritas-Kältetelefon begeht im Winter 2022/23 sein zehnjähriges Bestehen. Habe es anfänglich rund 500 Anrufe pro Saison gegeben, habe es alleine dieses Jahr schon 3.363 Mal geläutet, und insgesamt seien schon rund 47.000 Anrufe eingegangen. Die Streetworker würden dann ausrücken und die Betroffenen entweder in eine der Notschlafstellen holen oder sie zumindest mit winterfesten Schlafsäcken ausstatten. "Hinsehen und nicht wegsehen muss auch diesen Winter die Devise lauten. Wir hoffen auch heuer wieder auf die Hilfe der Bevölkerung", schloss Schwertner.

(S E R V I C E - Telefonnummer des Kältetelefon Wien: 01/4804553 - Caritas Spendenkonto: IBAN: AT163100000404050050 - BIC: RZBAATWW - BLZ 31000 - Kennwort: "Gruft Winterpaket" - Online-Spenden: www.gruft.at )

Quelle: Agenturen