AKH Wien: "200-prozentige Zunahme an suizidgefährdeten Jugendlichen"

26. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Die Zahl der Jugendlichen, die nach einem Suizidversuch im AKH Wien behandelt werden, sei seit 2019 um 200 Prozent gestiegen, erklärt Paul Plener, Leiter der dortigen Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Am AKH Wien könne man seit Pandemiebeginn eine "deutliche Zunahme der Inanspruchnahmen" und "deutlich höhere Raten an Akutvorstellungen" wahrnehmen, so Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der AKH Wien. Vor allem die Zahl der Jugendlichen, die nach einem Suizidversuch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden, habe sich im Vergleich zu 2019 um 200 Prozent erhöht.

Mehr psychische Belastungen seit Pandemie-Beginn

In der Wissenschaft müsse man sich jedoch hüten, "Korrelation mit Kausalität zu verwechseln". "Zwei Dinge, die zeitgleich auftreten, müssen nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben", so Plener. Es sei schon so, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Einsetzen der Corona-Pandemie und einer Mehrzahl an psychischen Belastungen gebe – dies wurde in internationale Studien gezeigt.

Die Frage, welche der getroffenen Maßnahmen oder welche Corona-assoziierten Ängste hier eine Rolle spielen, könne jedoch nicht beantwortet werden, weil es dafür keine Studien gebe. "Wir wissen nur, es gibt mehr psychische Belastungen, es gibt deutlich mehr Suizidversuche. Das ist ein europaweites Phänomen."

AKH Wien: "Wir arbeiten weit über das Limit"

Man erkenne eine Zunahme an depressiven Zustandsbildern, Suizidversuchen, eine massive Zunahme an Patient:innen mit Anorexie und Angststörungen. "Das heißt auch, dass unsere stationären Kapazitäten eigentlich derzeit nicht ausreichen, dass jeder sofort einen stationären Behandlungsplatz bekommen kann. Wir arbeiten schon weit über das Limit", so der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Personen, die wegen einer "akuten Gefahr für Leib und Leben" aufgenommen werden müssen, würden auch ausnahmslos im AKH Wien aufgenommen. Das würde aber auch bedeuten, dass Personen, bei denen keine akute Behandlung notwendig ist, zum Teil mehrere Monate auf einen Behandlungsplatz warten müssen, sagt Plener.

Plener: "Präventivangebote in Schulen verstärken"

Es brauche eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten im therapeutischen Bereich, sowohl im Bereich der Psychotherapie aber auch im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich. Man brauche vor allem ein "früheres Bremsen dieser Welle durch niederschwellige Hilfen im schulischen Bereich unter Einbindung der Schulärzte und Schulpsychologen. Die Schulsozialarbeit sollte deutlich ausgebaut werden. "Vor allem aber müssen wir Präventivangebote in der Schule massiv verstärken", fordert Plener.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj