11 Antworten auf die wichtigsten Fragen zum 3. Stich

11. Aug 2021 · Lesedauer 5 min

Im Newsroom LIVE bei Anchor Thomas Mohr beantwortet Virologe Lukas Weseslindtner von der MedUni Wien die wichtigsten Fragen zur dritten Dosis der Corona-Impfung.

Am 17. Oktober beginnen in Österreich die Corona-Auffrischungsimpfungen. Ist dieser Zeitpunkt gut gewählt? 

Es ergibt schon Sinn, die Impfung für Personen, die dann vielleicht nicht mehr ausreichend geschützt sind, verfügbar zu haben. Darunter fallen Immunsupprimierte, die auf die Impfung nicht so gut ansprechen und auch das Alter spielt eine große Rolle. Bei über 70- und 80-Jährigen ist die Schutzwirkung nicht so hoch. 

Wie kann man sagen, ob man eine weitere Impfdosis braucht? 

Es ist gar nicht leicht, Immunität sicher zu messen. Im besten Fall werden neutralisierende Antikörper gemessen. Herkömmliche Antikörpertests tun sich da schwer, weil sie eine Mischung aus neutralisierenden und nicht-neutralisierenden Antikörpern messen. Deshalb wird die Auffrischungsimpfung zuerst Immunsupprimierten und Älteren angeboten.

Es ist nicht nötig, dass sich jeder Mensch im Herbst auffrischen lässt. Man wartet auch noch auf Daten, wie verträglich die dritte Impfung ist. Diese liegen noch nicht vor.

Warum wird bei der Auffrischungsimpfung auf mRNA-Impfstoff (BioNTech, Moderna) gewechselt?

Wechselt man zum Beispiel von AstraZeneca zu einem mRNA-Impfstoff, führt das nicht zu höheren Impfreaktionen. Es kommt auch zu einer guten Impfwirkung und hoher Antikörperreaktion. Es spricht nichts gegen einen Wechsel. Ein junger Mensch könnte auf zwei AstraZeneca-Wirkungen aber zum Beispiel eine bessere Reaktion haben als andere auf zwei mRNA-Impfdosen. Man kann also nicht generalisierend sprechen. 

Gibt es eine Faustregel, ab wann eine Auffrischung nötig ist? 

Je mehr neutralisierende Antikörper Sie haben, desto größer ist der Schutz gegen die Delta-Variante. Es ist aber nicht möglich mit einem herkömmlichen Antikörpertest auf den Schutz vor der Delta-Variante zu schließen. Aus diesem Grund wird diese Antikörpertestungen nicht empfohlen, weil sie keine ausreichenden Informationen auf Ausmaß und Dauer der Immunität liefern. Am besten wäre ein Surrogat Neutralisationstest, mit dem bekommen Sie mehr Informationen.

Bundeskanzler Kurz sagte, für Geimpfte ist die Pandemie vorbei. Stimmt das? 

Die Impfungen, die wir bis jetzt verwendet haben, sind hocheffizient darin, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Wäre die ganze Bevölkerung geimpft, wäre die Pandemie vorbei. Das Virus würde zwar noch zirkulieren, die Spitäler wären aber nicht überlastet. Leider sind nicht alle geimpft und der Schutz der Impfung nimmt mit der Zeit ab. 

Warum werden Geimpfte krank, vereinzelt auch schwer? 

Es liegt nach einer vollständigen Impfung mit einem mRNA-Impfstoff kein 100-prozentiger Schutz vor jeglicher Ansteckung vor. Es ist möglich, eine kurze, asymptomatische, klinisch milde Infektion zu entwickeln. Vereinzelt ist es auch möglich, dass es zum Impfdurchbruch kommt, der bei einem Menschen, der eine andere Erkrankung hat oder hoch betagt ist auch zu einem Krankenhausaufenthalt führen kann. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Impfung nicht wirkt oder vor einem schweren Verlauf schützt. Das ist in unzähligen Studien gezeigt. 

FPÖ-Chef Herbert Kickl empfahl zur Vorbeugung gegen Corona Bitterstoffe zu sich zu nehmen, Bewegung im Freien zu machen und Medikamente zu nehmen. Hilft das? 

Ich kenne keine Studien, die diese Aussage rechtfertigen. 

Wieso halten sich Corona-Mythen und Lügen, wo doch Wissenschafter pausenlos Fakten liefern? 

Manchmal ist es interessant, eine andere Meinung zu haben und gegen den Strom zu schwimmen. Nur anderer Meinung zu sein, reicht aber nicht. Sie muss wissenschaftlich beweisbar sein. 

Neben mRNA und Vektorimpfstoffe gibt es noch Impfstoffe, die nicht zugelassen sind. Das sind Proteinimpfstoffe wie etwa von Novavax oder Totimpfstoffe von Valneva. Wie gut wirken sie und zahlt es ich aus auf die Zulassung zu warten? 

Ich bin felsenfest überzeugt, dass die Impfstoffe, die wir heute haben, nicht die letzten sein werden. Proteinimpfstoffe haben den Vorteil, dass sie ein bisschen besser verträglich sind, können zum Beispiel zum Auffrischen verwendet werden. Das wird sich aber bis Herbst nicht ausgehen. 

Die Fallzahlen steigen. Was heißt das für den Schulbeginn? 

Die Anzahl der Fallzahlen kommt für uns nicht überraschend. Das kommt durch die Öffnungen und weil das Virus nicht weg ist. Was man genau beobachten muss ist die Hospitalisierungsrate. Auch in den Spitälern kommt es zu einem leichten Anstieg. Wir müssen weiterhin wachsam sein. 

Sind die Inzidenzen als Gradmesser für die Pandemie noch angemessen?

Man überlegt, Krankenhauszahlen oder Aufnahmen in Intensivstationen wieder mehr einzubeziehen. Ein Anstieg an symptomatischen Fällen hat nicht das gleiche Verhältnis zu Fällen von schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten wie in der Vor-Impf-Ära. Wir hoffen, dass die Kurve der Krankenhausaufenthalte nicht so stark steigt oder ein Plateau erreicht. Das hat man in anderen Ländern wie Großbritannien durchaus so beobachtet. Also, die Impfung wirkt. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam