APA - Austria Presse Agentur

Ansteckender und impfresistenter: Die Delta-Mutante im Faktencheck

20. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Die Delta-Variante des Corona-Virus breitet sich weltweit aus, die WHO ist besorgt. Auch in Österreich nehmen die Fälle zu. Was unterscheidet die Mutation von anderen und was hilft gegen sie? Die Delta-Variante im Faktencheck.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als "besorgniserregend" eingestuft, da sie Wissenschaftern zufolge ansteckender ist als die Ursprungsform des Coronavirus SARS-CoV-2. Auch in Österreich und Deutschland warnen Experten, dass sie sich ausbreiten und spätestens im Herbst Delta die dominierende Variante sein könnte.

Mitte Juni legte Großbritannien weitere Öffnungsschritte wegen der Mutation auf Eis, dort sollen 96 Prozent aller Neuninfektionen auf das Konto der Mutante gehen. Lissabon wurde nach einer Zunahme der Fälle zweieinhalb Tage lang regelrecht abgeriegelt. Auch Wien kündigte zuletzt an, strengere Corona-Regeln prüfen zu wollen. In der Bundeshauptstadt haben sich zuletzt die Fälle der Delta-Variante verdoppelt, mit Stand vom Dienstag wurden 71 Fälle in Österreich nachgewiesen. Angenommen wird, dass die österreichweite Dunkelziffer höher ist, weil nur in Wien vermehrt mit PCR-Tests getestet wird. Nur so kann man feststellen, ob eine Infektion mit der Mutante vorliegt. 

Impfresistenter

Laboruntersuchungen zeigen, dass Delta offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten. Eine Anfang Juni in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte britische Studie ergab, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen von Pfizer/Biontech bei der Delta-Variante sechs Mal niedriger ausfiel als beim Wildtyp des Virus.

Ansteckender

Die Delta-Variante scheint aber seinen Erregern nicht nur helfen, das Immunsystem des Menschen auszutricksen, das Virus ist auch leichter übertragbar. Die Mutation soll um rund 50 Prozent infektiöser sein als die britische Variante (Alpha-Variante). Diese ist ebenfalls bereits 40 Prozent ansteckender als das Original-Virus. 

Schwere Krankheitsverläufe

Basierend auf Zahlen aus Großbritannien führt die Mutation fast zweimal so oft zu schweren Krankheitsverläufen, wie die "Süddeutsche" berichtet. Betroffen sind vor allem jüngere Personen. Das könnte damit zusammenhängen, dass ältere Menschen öfter geimpft sind. 

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Voller Impfschutz hilft

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres warnt wegen der Delta-Variante, im Sommer nicht untätig zu bleiben, sondern schneller zu impfen. Ohne einheitliche Impfstrategie sieht er die Gefahr eines neuerlichen Lockdowns. Mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Pfizer/Biontech verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von AstraZeneca lag die Quote bei 92 Prozent. Aber Achtung: Wer erst eine Teilimpfung bekommen hat, ist nur begrenzt geschützt, darin sind sich die Experten einig. Erst die volle Durchimpfung zeigt gute Resulatate.  

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Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam