APA - Austria Presse Agentur

Briten müssen wegen Delta-Variante Öffnungen verschieben

15. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Während in Österreich am Dienstag in den Schulklassen die Maskenpflicht fällt, wird in Großbritannien gebremst: Die ansteckendere Delta-Variante des Corona-Virus verhindert weitere Öffnungen. Die Mutation verbreitet sich aber auch in Österreich.

Wegen der rapiden Ausbreitung der Delta-Variante müssen sich die Menschen in England für weitere Corona-Lockerungen noch länger gedulden. Der britische Premierminister Boris Johnson verlängerte am Montag die noch geltenden Corona-Maßnahmen bis zum 19. Juli, wie er bei einer Pressekonferenz in London erklärte. Das Impfprogramm soll nun nochmals beschleunigt werden. "Ich denke, es ist sinnvoll, noch ein wenig länger zu warten", sagte Johnson.

Vier Wochen "vorsichtig" sein

Er sei zuversichtlich, dass vier Wochen ausreichen dürften. "Wenn wir jetzt vorsichtig sind, haben wir in den kommenden vier Wochen die Chance, viele Tausende Leben durch die Impfung von Millionen weiteren Menschen zu retten."

Der bisher für den 21. Juni geplante "Tag der Freiheit" soll damit um bis zu vier Wochen aufgeschoben werden. Geplant war, dass am Montag nächster Woche alle noch geltenden Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden. Geschäfte und Gastronomie haben bereits seit Wochen wieder geöffnet.

Nun werden lediglich die Regeln für Hochzeiten zu diesem Datum gelockert - dort sind nun auch wieder mehr als 30 Gäste erlaubt. Die anderen Landesteile Schottland, Wales und Nordirland haben eigene Corona-Regeln, die sich jedoch nur geringfügig von denen in England unterscheiden. Sollte sich die Lage in England schnell verbessern, könnten Johnson zufolge nach zwei Wochen Änderungen erfolgen.

Österreich "zwei Monate hinter Großbritannien"

Im PULS 24 Interview analysierte Virologe Norbert Nowotny: "Wir sind zwei Monate hinter Großbritannien hinterher, was die Ausbreitung dieser Delta-Virusvariante betrifft." Die Mutation des Coronavirus ist auch in Teilen Österreichs festgestellt worden, einige Dutzend Verdachtsfälle sind noch nicht geklärt. Nowotny sagt, dass angesichts der bisher bestätigten Fälle wohl anzunehmen ist, dass die Delta-Variante auch in Österreich Fuß gefasst habe. Die momentanen Öffnungsschritte seien bei den momentanen Zahlen aber vertretbar. 

Norbert Nowotny zur Delta-Variante in Österreich

Mehr Neuinfektionen, mehr Intensivpatienten

Die zuerst in Indien nachgewiesene Delta-Variante ist Behörden zufolge um 60 Prozent ansteckender als die bisher in Großbritannien vor allem verbreitete Alpha-Variante. Johnson sprach von einer Zunahme der neuen Positiv-Tests um gegenwärtig 64 Prozent pro Woche und einem Anstieg der Intensivfälle. Der wissenschaftliche Berater der Regierung, Patrick Vallance, erklärte, die Verschiebung der Lockerung dürfte den zu erwarteten Höchststand um 30 bis 50 Prozent absenken. Johnson zufolge soll die Zeit genutzt werden, um das Impfprogramm des Landes zu beschleunigen.

Obwohl die britische Impfkampagne weit vorangeschritten ist und bereits fast 57 Prozent der Erwachsenen voll geimpft sind, hat die Delta-Variante die Infektionszahlen im Land wieder in die Höhe schnellen lassen. Nachdem wochenlang nur sehr wenig Neuinfektionen gezählt wurden, liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz nun wieder bei fast 68. Der Wert spiegelt die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche wider.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam