APA - Austria Presse Agentur

Delta-Variante: Szekeres warnt vor neuem Lockdown

19. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Die Ärztekammer appelliert nach dem Auftauchen der ansteckenderen Delta-Variante, im Sommer nicht untätig zu bleiben, sondern schneller zu impfen. Ohne einheitliche Impfstrategie stünde uns sonst schneller ein Lockdown bevor, "als wir uns aktuell vorstellen können".

"Wir laufen Gefahr, die Fehler des vergangenen Sommers exakt zu wiederholen", hat Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, am Samstag gewarnt. Auch damals hätten die politisch Verantwortlichen gedacht, das Virus sei nun einfach verschwunden. Der einzige Unterschied sei, dass es nun Impfstoffe gibt. "Diese müssen wir nun dringend kaufen und schnell verimpfen."

50 Prozent noch nicht Erstgeimpft

Vor allem angesichts der Delta-Variante des Coronavirus sei das wichtiger denn je – denn bei dieser Variante brauche es für einen effektiven Schutz das vollständig erfüllte Impfschema, meint der Ärztekammerpräsident. Derzeit habe aber fast die Hälfte der impfbaren Bevölkerung noch nicht einmal einen Stich erhalten hat und sei völlig ungeimpft. "Das Impftempo muss dringend erhöht werden und die Organisation muss verbessert werden." Er könne auch nicht verstehen, warum der Bundeskanzler schon jetzt eine Million Impfdosen an das Ausland verschenke.

Neun Bundesländer - neun Strategien

Derzeit gebe es in den neun Bundesländern neun unterschiedliche Impfstrategien und unterschiedliche Tempi. "Daher hinken einzelne Bundesländer bei der Durchimpfungsrate nach - beispielsweise Wien, wo man offensichtlich großes Misstrauen gegen die eigenen Hausärztinnen und Hausärzte hegt. Anders ist die mangelnde Versorgung der niedergelassenen Ärzte, die ihre riesige Impfbereitschaft jederzeit unter Beweis gestellt haben, nicht zu erklären", meinte Szekeres.

Die aktuellen Öffnungen seien zu begrüßen – "sie sind ein Zeichen für die Erfolge, die wir gemeinsam im Kampf gegen die Pandemie erreicht haben und die Bevölkerung hat sich diese Erleichterungen verdient". "Aber wenn wir keine Strategie hinter den Öffnungen verfolgen, dann kehrt der Lockdown schneller zurück, als wir uns aktuell vorstellen können", warnte Szekeres.

Fehlende PCR-Tests machen Lage unübersichtlich

Die indische nun Delta genannte Corona-Variante wird Europa in Bälde auf Trab halten. Wie schnell diese ansteckendere und wohl gefährlichere Variante in Österreich am Vormarsch ist, kann die Ampel-Kommission allerdings nicht wirklich seriös einschätzen. Einer der Gründe dafür ist, dass die verlässlichen PCR-Tests großflächig nur in Wien eingesetzt werden. Nunmehr gibt es sogar Überlegungen, nur diese an Orten zu akzeptieren, an denen sich vor allem Jugendliche treffen.

In Wien wurden laut der APA vorliegenden Unterlagen zuletzt 20.000 PCR-Tests je 100.000 Einwohner durchgeführt, während es im nächstfolgenden Bundesland Niederösterreich gerade einmal 1.559 waren. Dies hat nicht nur deshalb Bedeutung, weil die PCR-Tests wesentlich verlässlicher sind als Antigen-Tests sondern weil sie auch Basis für die Sequenzierungen sind, mit denen man die Varianten feststellt.

Wien: Delta-Fälle verdoppelt

Derzeit geht man in der Kommission davon aus, dass mehr als sechs Prozent der Neuinfektionen auf die Delta-Variante entfallen. Dies Zahl könnte überschätzt, aber eben auch unterschätzt sein und zwar für die Bundesländer außer Wien, eben wegen der fehlenden PCR-Tests. In der Bundeshauptstadt wiederum erkennt man aktuell eine Verdoppelung der Delta-Fälle. In der AGES sieht man keinen Grund zu glauben, dass das in den übrigen Ländern anders sein sollte. Allerdings gibt es auch Stimmen in der Kommission, die meinen, die Antigen-Tests reichen, weil bei positiven Befunden ohnehin PCR nachgetestet wird.

Dass Test nicht Test ist, hat sich jüngst bei einem Cluster im Bezirk Oberwart gezeigt. Hier war ein Nasenvorhof-Schultest als Eintrittstest in ein Nachtlokal verwendet worden. Andiskutiert wurde daher in der Ampel-Kommission, in Settings wo sich primär junge, ungeimpfte Personen aufhalten, nur PCR-Gurgeltests als Eintrittstests zuzulassen. Chief Medical Officer Katharina Reich schlägt zumindest vor, mit Testbussen zu operieren, um zeitnahe Ergebnisse (von Antigen-Tests) zu generieren.

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Test-Müdigkeit

Wiewohl auch in der Kommission die Gefahr einer baldigen neuen, Delta-basierten Welle gesehen wird, erwägt man gar eine System-Umstellung in Richtung nur noch stichprobenartiger Tests. Vertreter des Gesundheitsministeriums verweisen darauf, dass das Testangebot in manchen Bundesländern mangels Interesse der Bevölkerung und hohen Personalaufwands schon jetzt reduziert wird und man daher überlegen muss, welches Angebot jedenfalls aufrecht erhalten werden müsse. Es solle verhindert werden, das Testangebot zu weit zu reduzieren. Die Vertretung Wiens in der Kommission warnt eindringlich davor zurückzuschrauben. Schließlich bereite man sich derzeit auf die Verdrängung durch eine neue Variante vor, deren Auswirkungen beträchtlich sein könnten.

Quelle: Agenturen / lam