APA - Austria Presse Agentur

AGES-Daten zu Intensivbetten stimmen nicht: Experten empört

18. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Walter Hasibeder, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), übt in einem Interview heftige Kritik an den Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Aktuell werden auf dem AGES-Dashboard beispielsweise für Oberösterreich 125 tagesaktuell freie Betten angezeigt, in Salzburg seien es noch neun freie Betten. Gleichzeitig melden immer mehr Spitäler in Oberösterreich und Salzburg, dass sie überlastet seien, in Salzburg wurde gar ein Triage-Team eingerichtet.

Die Erklärung: Die Zahlen der AGES scheinen nicht zu stimmen. "Diese Zahlen im AGES-Dashboard sind ein Schwachsinn und ein Mordsschmarrn. Eigentlich sind sie eine Sauerei. Dieser Unsinn muss aufhören", sagt ÖGARI-Präsident Walter Hasibeder im Interview mit dem "Standard". Er kritisiert, dass die falschen Zahlen von Maßnahmenkritikern und Impfskeptikern benützt werden würden, um gegen Corona-Maßnahmen zu argumentieren.

Hasibeder betont im "Standard" aber auch, dass die AGES gar nicht so viel dafür kann: Die Zahlen würden nur das wiedergeben, was von den neun Landesbehörden eingemeldet wird. In Oberösterreich gibt es aber schlicht keine 125 "tagesaktuellen freien Betten" – bei bereits belegten 106 im Covid- und 102 im Non-Covid-Bereich –, wie auch die Gesundheitsholding bestätigt.

Die von Oberösterreich gemeldete Gesamtsumme von 333 Intensivbetten würde nur dann existieren, wenn alle möglichen Notbetten so umfunktioniert werden, dass hier auch eine intensivmedizinische Betreuung möglich ist. Das betrifft etwa Betten in Aufwachräumen oder in anderen Bereichen, wenn OP-Säle gesperrt werden. Regulär hat Oberösterreich 250 Intensivbetten zur Verfügung. 

Die AGES zeigt sich über die Darstellung selbst "nicht glücklich", verweist aber auf das Gesundheitsministerium. Laut Hasibeder sei ihm bereits "versprochen" worden, dass die Zahlen vom Dashboard entfernt werden. 

Keine einheitliche Zählweise

Das Problem ist aber nicht neu: Wie PULS 24 berichtete, gab es das Problem auch schon im April 2021 bzw. noch länger. Schon damals forderte Wien vom Gesundheitsministerium, eine einheitliche Zählweise in allen Bundesländern einzuführen.

Gegenüber PULS 24 erklären im April mehrere Personen, die mit der Thematik vertraut sind, aber allesamt anonym bleiben wollten, dass es auf Länderebene teils starken Widerstand gegen eine einheitliche und haltbare Statistik gegeben habe: Würden die echten Zahlen verkündet, hätten weitere Bundesländer in den Lockdown gemusst, so das Conclusio. Im April verkündeten nur die östlichen Bundesländer einen Lockdown.

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Quelle: Redaktion / koa