APA - Austria Presse Agentur

Wirecard: Deutsche Behörden haben angeblich Spur zu Jan Marsalek

15. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

Nach fast genau einem Jahr auf der Flucht gibt es nun eine Spur zum Österreicher Jan Marsalek. Er wird in Moskau vermutet.

Der 41-jährige Österreicher war bis Juni 2020 Vorstandsmitglied beim mittlerweile insolventen Finanzdienstleister Wirecard. Er gilt als einer der meistgesuchten Wirtschaftskriminellen der Welt. Seine Flucht soll am 19. Juni 2020 in Bad Vöslau begonnen haben, von wo er nach Minsk in Belarus geflogen sein soll. Seitdem ist unklar, wo sich Marsalek aufhält.

Auf der Flucht aus Österreich soll Marsaelek übrigens prominente Hilfe bekommen haben, wie der "Standard" berichtete. Auch ein ehemaliger Beamter des Bundesamtes für Verfassungsschutz- und Terrorismusbekämpfung (BVT) und ein ehemaliger FPÖ-Politiker sollen die Reise orchestriert haben. 

1,9 Milliarden Euro Schaden

Geflohen war Marsalek als der Bilanzskandal bei dem börsennotierten deutschen Konzern ruchbar wurde. Er wird verdächtigt, Bilanzfälschung mit einer Schadenssumme von 1,9 Milliarden Euro betrieben zu haben. Seither ist sein Aufenthalt ungewiss, mehrere Länder ermitteln gegen ihn. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass auch die philippinischen Behörden mehrere Strafanzeigen gestellt haben.  Es gehe um mutmaßliche Verstöße gegen Banken- und E-Commerce-Gesetze, Cyberverbrechen und Dokumentenfälschung, so das Justizministerium. 

Die Philippinen stehen mit im Fokus der Affäre, weil das fehlende Geld angeblich auf Treuhandkonten zweier Banken in dem Land geparkt war. Doch entsprechende Dokumente erwiesen sich als Fälschung. In Deutschland wird unter anderem wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche ermittelt.

Kontakte Österreich-Russland vermutet

Laut Informationen des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) soll sich Marsalek in Moskau befinden. Das berichtet die Tageszeitung "Welt" unter Berufung auf Informationen aus dem Wirecard-Untersuchungsausschuss. BND-Chef Bruno Kahl soll im geheimen Teil einer Befragung am 7. Mai gesagt haben, dass "Jan Marsalek Hinweisen zufolge in der Nähe Moskaus vermutet wird".

Laut "Welt" gebe es zudem einen bisher unveröffentlichten Berichtsentwurf von CDU und SPD, in welchem ebenfalls vermutet wird, dass Marsalek in der russischen Hauptstadt sein könnte. Marsalek soll über die Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft Kontakte zu russischen Nachrichtendiensten erlangt haben, die ihm auch bei seiner Flucht und seinem Untertauchen zugutekamen.

Quelle: Redaktion / koa