Wifo-Chef: Ins "Badezimmer zu investieren" besser als Sparen

07. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Wer spart, verliert Geld und wird das auch in den kommenden Jahren noch tun. WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr rät deshalb im Newsroom LIVE dazu, sich etwas zu kaufen, was nachhaltig Nutzen bringt und sich wenn möglich die Anschaffung einer Wärmepumpe zu überlegen, um vom Gaspreis unabhängig zu sein.

Die Inflation in Österreich ist so hoch wie seit 37 Jahren nicht, die Europäische Zentralbank (EZB) und deren Präsidentin Christine Lagarde haben jedoch vergangenen Donnerstag beschlossen, den Leitzins weiter bei Null zu lassen. "Ich bin etwas besorgt, ehrlich gesagt, dass die EZB so zögerlich ist", kritisiert der Direktor des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) Gabriel Felbermayr im Newsroom LIVE. Es gebe zwar Signale für eine Zinswende, er würde sich jedoch wünschen, "dass Frau Lagarde Klartext spricht." Sie solle sagen, dass sie alles unternimmt, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Das wären laut Felbermayr ein schnelleres Aussteigen aus den Aufkaufprogrammen und eine tatsächliche Zinswende.

Die Inflationsrate sei für die WIFO nicht überraschend gekommen und auch für Februar rechne man weiter mit hohen Raten.

Nach Februar oder März "existiert erhebliche Unsicherheit". Ob die stark angestiegenen Erzeugerpreise auch zu hohen Preisen für Konsumenten führen, müsse man erst abwarten.

Dass Sparer durch die Zinspolitik Geld verlieren, "wird sich nicht so schnell ändern, da müssten die Zinsen gehörig ansteigen". Bei einer Inflation von fünf Prozent müsste der Zinssatz drüber liegen "und das ist in den nächsten Jahren nicht in Sicht".

"Ins Badezimmer investieren"

Vernünftig wäre, sein Erspartes diversifiziert anzulegen und "nicht alles auf eine Karte setzen". Das mache aber nur Sinn, wenn man mehr als 10.000 Euro hat. Immobilien und Aktien wären ein Thema, auch wenn letzte schwanken. "Vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, das Geld ins Badezimmer zu investieren, sich etwas nachhaltig zu leisten, was auch morgen und übermorgen noch Nutzen bringt, statt zu hoffen, dass man auf den Finanzmärkten damit Gewinne macht."

Zurückhaltung bei Gewerkschaften und Unternehmern

Wenn die Löhne durch die Inflation steigen und die Unternehmen das wissen, "werden sie die Lohnkosten weitergeben auf der Preisseite und dadurch erst recht die Inflation anheizen". Deshalb sei auf Seiten der Gewerkschaften und der Unternehmen "Zurückhaltung angesagt". Man müsse abwarten, ob die Inflation weiter so hoch bleibt, um nicht eine "Lohn-Preis-Spirale in Gang zu setzen. Davon hätte keiner was."

Das könne im Extremfall zu sozialen Unruhen führen. Felbermayr glaubt aber, dass die Regierung gerade bei den Energiekosten die soziale Dimension mitdenkt, "drum haben wir eine ökosoziale Steuerreform und die Bürger kriegen das, was der Staat bei der CO2-Bepreisung einnimmt als Klimageld zurück". Gerade beim Strompreis wäre es wichtig darauf zu achten, dass die Preise nicht weiter steigen.

Der Staat verdient mit der Inflation Geld, Felbermayr befürwortet deshalb die Abschaffung der kalten Progression bei allen Steuern, die aufs Einkommen behoben werden.

Energiepreise bleiben länger hoch

Der Klimabonus wird aber nicht abfedern, wenn der Preis von Gas oder Erdöl durch geopolitische Risiken steigt. "Gegen die Ukraine-Krise und das Risiko einer Eskalation kann der österreichische Staat wenig machen." Das führt auf jeden Fall zu höheren Preisen und man müsse davon ausgehen, dass das auch noch länger so bleibt. "Da muss man über Heizkostenzuschüsse oder Anpassung der Mindersicherung sprechen."

Gasexportierende Länder hätten keine großen Anreize, die Produktion auszudehnen. Denn wenn alle Länder versuchen, ihren Gasverbrauch aus Umweltgründen zu senken, "wer braucht dann noch russisches Gas?". "Wir sollten uns darauf einrichten, dass die Gaspreise hoch bleiben."

"Wärmepumpe schneller kaufen"

Als Konsument sollte man einen Umstieg auf andere Heizsysteme überlegen, um nicht weiter Gasrechnungen bezahlen zu müssen. Eine Möglichkeit wäre, "die Wärmepumpe schneller zu kaufen, als man es geplant hat".

"Wir müssten jetzt viel schneller als geplant weiterkommen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie" und Wind- und Sonnenenergie voranbringen, fordert der Experte. "Gleichzeitig sollten wir auch versuchen mit Ländern im europäischen Umfeld ins Geschäft zu kommen, wo die Sonne scheint und auch Wasserstoff günstig hergestellt werden kann", um importieren zu können.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam