Verhaltensökonomin Gangl zur Energiekrise: "Da sind wir jetzt mittendrin"

27. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Verhaltensökonomin Katharina Gangl vom Institut für Höhere Studien (IHS) sagt: Der Energiekrise können wir nicht mehr entkommen, wir sind "jetzt mittendrin". Um aber eine Verhaltensänderung bei Menschen hervorzurufen, müssten Informationen "einfach" und "zum richtigen Moment" kommen.

Katharina Gangl hat sich damit auseinandergesetzt, wie man Menschen dazu animieren kann, bestimmte Verhaltensänderungen anzunehmen. Die wichtigste Erkenntnis ihrer Analyse war, herauszufinden, warum Menschen nicht sparen wollen. Nun sollen Menschen wieder Energiesparen. Die Expertin erklärt im PULS 24-Interview, wie das funktionieren könnte.

Zu früh für Kampagne

Wenn es darum geht, Menschen  zu erreichen, müsse man sich darauf besinnen, Informationen "einfach" und "zum richtigen Moment" an die Menschen zu bringen. Die Infos sollten aus einer "glaubwürdigen Quelle" stammen und mit "viele Symbolen" erklärt werden. 

Auf die Frage, warum man jetzt noch keine Informationskampagne zum Energiesparen startet, sagt die Verhaltensökonomin, dass es zu früh sei. Bis zum Herbst seien alle Informationen wieder vergessen und hätten keine Wirkung mehr. Um die Personen anzusprechen, sollte der richtige Zeitpunkt gewählt werden.

In der Woche, in der Personen das erste Mal die Heizung aufdrehen, wäre es wichtig, eine "massive Kampagne" zu starten, um sicherzustellen, dass Menschen bewusst die Heizung nicht "voll aufdrehen", sondern auf 19 oder 20 Grad, so Gangl. 

Kampagne sollte soziale Schichten berücksichtigen

Wie eine Kampagne richtig aussehen würde, käme darauf an, welche soziale Schicht man ansprechen wolle. Bei Menschen mit wenig Einkommen wäre es gut, Energieberatungen anzubieten, falls man sich keinen Installateur leisten könne, der einem die Heizung einstellt. Diese Bevölkerungsschicht spare nämlich ohnehin schon. Für "gutverdienende Menschen" müsse man sich etwas Neues einfallen lassen. Gangl vertraut hier auf die "kreativen Menschen, die wissen, wie man diese Population anspricht". 

Vertrauen ist das oberste Gebot 

Ob die Bevölkerung die Energiespar-Maßnahmen auch umsetze, komme stark darauf an, wer diese vermittelt. Aufgrund der niedrigen Vertrauens-Umfragewerte der Bundesregierung könnte es sein, dass es nur eine geringe Spar-Bereitschaft in der Bevölkerung gibt.

Um trotzdem Sparmaßnahmen durchzusetzen, sollte man auf Vereine, Schulen, Gemeinden, die Feuerwehr oder sogar Unternehmensleiter, die sich mit ihren Mitarbeitern austauschen, setzen. Diese Leute würden wissen, dass ihnen "viel Vertrauen zufliegt" und dass damit eine Verantwortung einhergehe. 

Energiesparen unvermeidbar

Die Energiekrise, sagt Gangl, "wäre früher oder später" "sowieso gekommen". Aufgrund der Klimakatastrophe hätte es irgendwann zum Energiesparen kommen müssen auch ein Umstieg auf erneuerbare Energien wäre gekommen: "Jetzt kommt er halt über diese Schiene". 

Wie man aus dieser Energiekrise rauskomme, wisse sich nicht, denn wir sind "jetzt mittendrin und die Leute, die diesen Krieg betreiben, werden ihn solange treiben, wie sie können". 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz