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Teuerung: Bauern bekommen 110 Millionen Euro

17. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

110.000 Landwirtschafts-Betriebe bekommen am Ende des Jahres durchschnittlich 1.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt über die AMA, ein zusätzlicher Antrag ist nicht notwendig.

Zur Abfederung der gestiegenen Kosten bei Energie, Futter- und Düngemitteln bekommen die österreichischen Bauern vom Landwirtschaftsministerium zusätzliche Förderungen in Höhe von 110 Millionen Euro. 80 Millionen aus diesem "Versorgungssicherungspaket" werden laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) für die Energiekosten-Entlastung verwendet, 30 für die Unterstützung der tierhaltenden Betriebe. Insgesamt sollen rund 110.000 Betriebe unterstützt werden.

Auszahlung über AMA

"Alle Bäuerinnen und Bauern, die einen Antrag gestellt haben auf EU-Ausgleichszahlungen, werden diese Entlastung automatisch bekommen", sagte Totschnig am Freitag. "Sie brauchen also keinen neuerlichen Antrag stellen, sie müssen nicht eine zusätzliche Arbeit investieren. Das Entlastungsgeld wird mit Ende des Jahres ausgezahlt." Abgewickelt wird die Auszahlung über die Agrarmarkt Austria (AMA) auf Basis der beantragten beihilfefähigen Flächen und Großvieheinheiten. Dabei entspricht eine GVE einem erwachsenen Rind oder Pferd, Schweine, Schafe, Ziegen oder jüngere Tiere werden nach einem Schlüssel in GVE umgerechnet.

Berechnet wird der Versorgungssicherungsbeitrag anhand der Fläche oder der Anzahl der Tiere eines Betriebes. Der tierbezogene Beitrag liegt bei 14 Euro je Großvieheinheit. Der flächenbezogene Beitrag variiert je nach Flächennutzung. Der durchschnittliche Versorgungssicherungsbeitrag je Betrieb beträgt laut Totschnig rund 1.000 Euro.

Totschnig: Bauern-Paket stellt Versorgung sicher

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig im PULS 24 Interview.

1,1 Milliarden Corona-Mehrkosten

Insgesamt wird den Bauern mit den 110 Millionen Euro - sie kommen aus den Rücklagen des Ministeriums - nur ein Bruchteil des Kostenanstiegs ersetzt. In den letzten zweieinhalb Jahren seien den Bauern auch coronabedingt Mehrkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro entstanden, sagte Totschnig. Demnächst soll auch eine zusätzliche Unterstützungsmaßnahme im Ausmaß von 9 Millionen für die von den Energiekostensteigerungen besonders betroffenen Betriebe im Geschützten Anbau (Glashäuser) präsentiert werden.

EU behält Förderungen ein, Österreich will vor den EuGH

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die österreichischen Steuerzahler zusätzlich auch für 68 Millionen Euro an Agrarförderungen geradestehen müssen, weil die EU-Kommission Agrardirektzahlungen in dieser Höhe einbehält. Sie hat das mit einer nicht korrekten Abgrenzung zwischen Almregionen und anderen landwirtschaftlichen Flächen im Zeitraum 2015 bis 2019 begründet. Das Landwirtschaftsministerium will diesen Entscheid vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekämpfen, das Finanzministerium werde die ausfallenden EU-Förderungen zwischenfinanzieren.

Grundsätzlich wolle man die Importabhängigkeit bei Futtermitteln in Österreich bis 2030 um 50 Prozent reduzieren, sagte Totschnig.

Rettung will ähnliche Förderung

Die Rettungsorganisationen fühlen sich wegen u.a. gestiegener Treibstoffkosten "im Stich gelassen" und forderten ebenfalls eine Sonderförderung nach Vorbild der Bauern. Mehr dazu: 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam