Katzian über Teuerungen: Sozialpartner fühlen sich "veräppelt"

01. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian fordert im Zusammenhang mit der steigenden Teuerung im Alltag ein schnelles Handeln der Bundesregierung. Die Inflation würde sich auch negativ auf die Lohnverhandlungen der Gewerkschaft auswirken. Vom Vorgehen der Regierung fühle man sich "veräppelt".

Am 20.03. hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket vorgestellt, um Teuerungen im Energiesektor abzufedern. Dieses Paket beinhaltete unter anderem eine Erhöhung des Pendlerpauschale oder günstigere öffentliche Verkehrsmittel.

Von Bundesregierung "veräppelt"

Im PULS 24 Interview erklärt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, wieso er deswegen verärgert war und sich auch kritisch in den sozialen Netzwerken geäußert hat. "Der Ärger kam deshalb, weil einige Tage davor hat es ein Treffen gegeben", erklärt Katzian. Dort habe sich die "Spitze der Bundesregierung mit den Sozialpartnern" über die "wichtigsten Punkte" im Zusammenhang mit den aktuellen Teuerungen und der Energieversorgung gegeben. Eine Woche später wollte man weiter darüber reden und dazwischen haben die Sozialpartner ein "konkretes Paket" präsentieren wollen.

Meinungsforscher Christoph Haselmayer vom Institut für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) spricht über die TV-Umfrage "So denkt Österreich" zur Inflation.

"Mittendrinn ist die Bundesregierung gekommen" und habe ein eigenes Paket erstellt, so Katzian, welches am Sonntag ohne Rücksprache mit den Sozialpartnern präsentiert wurde. Man sei sich "veräppelt" vorgekommen.

Keine aktuellen Gespräche

Aktuell sei man mit der Bundesregierung in keinen weiteren Gesprächen. Man habe zwar "letzten Mittwoch" der Bundesregierung einen "gemeinsamen Neun-Punkte-Plan" der Sozialpartner vorgestellt. Diesen wollte die Bundesregierung allerdings zuerst "durchrechnen", so der ÖGB-Präsident. "Wir wissen, dass sie mit dem Rechnen inzwischen fertig sind, und ich erwarte mir, dass es sehr, sehr rasch jetzt einen Termin" geben wird, bei welchem man in eine konkrete Verhandlung treten kann.

Die Sozialpartner fordern unter anderem eine Reform des Pendlerpauschale sowie eine Aussetzung der automatischen Erhöhung der Richtwertmiete. Beide würden die Inflation nur steigern beziehungsweise zu einer ungerechten Verteilung beitragen. 

Lohn-Preis-Spirale: "Na super" 

"Die Leute haben keine Zeit", sagt Katzian und drängt auf schnelle Gespräche. Überall wird der Alltag teurer, dies wirke sich auf negativ auf die Inflation auf. Dies würde sich auch auf die Lohnverhandlungen auswirken. Man bekomme in solchen Situationen immer die Antwort "Um Gottes willen, ihr setzt die Lohn- und Preisspirale in Gang". "Na super", meint der ÖGB-Präsident.

Die Lohn-Preis-Spirale besagt, dass sobald die Löhne angehoben werden auch die allgemeinen Preise steigen würden – und umgekehrt. Genau das kritisiert der ÖGB-Präsident. In Lohnverhandlungen höre er dies ständig, allerdings nie, wenn die Preise von allein steigen. Schon für die Teuerungen brauche es "allgemein eine Kompensation", findet Katzian. Ansonsten können die Leute nichts mehr kaufen, was zu einem wirtschaftlichen Rückgang und Massenarbeitslosigkeit führen würde. "Wenn jemand so etwas will, soll er es sagen – ich will so etwas nicht", erklärt er.

Keine Infos über Worst-Case-Szenario 

Was bei ausstehenden Gaslieferungen aus Russland passieren würde, weiß auch der ÖGB-Präsident nicht. Im Gegensatz zu Gewerkschaften in anderen Staaten gibt es in Österreich keine Gespräche in diesem Bereich. "Wir wissen eigentlich noch gar nichts", so Katzian. Auch hier fordert der ÖGB-Präsident Informationen, was in einem etwaigen Krisenfall passieren würde – sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Industrie.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj