MAN-Beschäftigte stimmen gegen Wolf-Übernahme

08. Apr 2021 · Lesedauer 5 min

Im MAN-Werk in Steyr haben sich die Beschäftigten deutlich gegen einen Verkauf an den früheren Magna-Chef Siegfried Wolf ausgesprochen.

63,9 Prozent der Beschäftigten des MAN-Werks im oberösterreichischen Steyr haben sich gegen das Übernahmeangebot von Siegfried Wolf ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag bei 94 Prozent. Investor Wolf hatte sich "ungeteilte Zustimmung" gewünscht, aber zumindest zwei Drittel angepeilt.

Mehr als 2.300 Beschäftigte waren stimmberechtigt, Leasingarbeiter ebenso wie das Stammpersonal. Wolf will das Werk übernehmen, aber nur einen Teil der Belegschaft behalten. Zudem müssen die Verbleibenden mit Gehaltseinbußen rechnen. Daher wurden die Mitarbeiter von ihrer Vertretung zur Urabstimmung gebeten. MAN teilte im Anschluss an die Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses mit, dass die Schließungspläne wieder aufgenommen werden sollen. 

Schließung bis 2023 nun fix?

Im Vorjahr war bekanntgeworden, dass MAN im Zuge eines riesigen Spar- und Umstrukturierungsprogramms Tausende Stellen einsparen will. Anfangs war von bis zu 9.500 der weltweit 36.000 Arbeitsplätze die Rede, mittlerweile sollen nur mehr 3.500 in Deutschland gestrichen werden. Das Werk in Steyr stand allerdings recht bald "zur Disposition". Hektische Verhandlungen der Belegschaftsvertretung folgten, allerdings ohne Erfolg. Die Konzernmutter beharrte weiter auf der Schließung bis 2023 oder einem Verkauf. Ende September kündigte MAN die bestehende Standortgarantie, die den Bestand des Unternehmens in Steyr bis zumindest 2030 sichern hätte sollen.

Zuletzt hatte der tschechische Automobilhersteller Tatra mit Sitz in Koprivnice Interesse an dem Standort gezeigt, davor hatte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) von Bemühungen berichtet, ein "Österreich-Konsortium" aufzustellen, das das Werk in Oberösterreich übernehmen könnte. Hier blieb allerdings offen, ob weiter Lkw produziert würden oder vielleicht etwas völlig anderes.

Die "Green Mobility Center"-Pläne des Konsortiums rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) dürften den Vorstand nicht überzeugt haben, Interesse des Beraters Christoph Strobl mit der Innovationsinitiative Grantiro und dem Sanierungsfonds Transformation Equity Partners scheint dort gar nicht wirklich wahrgenommen worden sein.

Der Betriebsrat kündigte an, dass Gespräch mit MAN suche zu wollen. Ziel sei eine Lösung wie in Deutschland, wo die ursprünglichen Sparpläne entschärft worden sind. Man sei auch anderen Investoren gegenüber offen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Helmut Emler zur "APA". Rechtliche Schritte nach der Kündigung des Standortsicherungsvertrags durch die MAN-Zentrale seien vorerst "nicht das Thema", denn "wir haben Vollauslastung, es gibt derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen". Eine Schließung "werden wir aber nicht akzeptieren".

Zu gravierende Einschnitte befürchtet 

Die Belegschaft habe das Konzept klar abgelehnt, sagte Emler. Das Konzept von Wolf sei zwar "schlüssig, die Einschnitte wären aber zu gravierend gewesen. Das sah offenbar auch die Belegschaft so. Der Betriebsrat meinte, dass zudem in den vergangenen Wochen viele Fragen offen geblieben seien, die auch Wolf nicht habe beantworten können.

Von 2.356 stimmberechtigten MAN-Mitarbeitern und Leasingkräften haben 2.215 an dem Votum teilgenommen. 27 Stimmen waren ungültig, 2.188 gültig. Von den gültigen entfielen 773 (34,9 Prozent) auf "Ja" und 1.415 (63,9 Prozent) auf "Nein". Bei den Leasingkräften soll die Ablehnung mit 71,4 Prozent höher gewesen sein als bei der Stammbelegschaft. Die Wahlbeteiligung lag bei insgesamt 94 Prozent. 

Wolf bedauert Ergebnis

"Ich kann dieses Votum heute nur mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen", sagte Wolf am Donnerstag. "Mein Team und ich haben unglaublich viel Herzblut in dieses Projekt investiert, weil ich überzeugt davon bin, dass mit diesem Potenzial an Know-how in der Fahrzeugproduktion an diesem Standort unter der Marke Steyr etwas Neues, Großes entstehen hätte können."

Leider sei es ihm nicht gelungen, genügend Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, um Missinterpretationen und Fehlinformationen entkräften zu können. "Dabei kann ich den Zorn vieler nur zu gut verstehen. Aber auch ich konnte das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, sondern nur ein solides, durchdachtes Konzept für die Zukunft entwickeln", heißt es in der Erklärung.

Wolf wollte 1.250 Beschäftigte übernehmen

Damals trat Ex-Magna-Chef Siegfried Wolf mit seiner WSA Beteiligungs GmbH als Interessent auf den Plan. Er will von der aktuell knapp 1.900 Personen zählenden Stammbelegschaft rund 1.250 Leute übernehmen, denen allerdings eine bis zu 15-prozentige Kürzung des Nettoeinkommens droht. Im Gegenzug sollen sie eine Bleibeprämie von 10.000 Euro erhalten, wer den Sozialplan wählt, weitere 1.500 Euro und Abfertigungen. Außerdem hat Wolf eine Gewinnausschüttung für die Belegschaft in Aussicht gestellt. Wenn es gut läuft und das Werk Personal braucht, stellt Wolf zudem in Aussicht, Leute aus dem Sozialplan zurückzuholen. Spätestens bis zum Closing - bis Juni will Wolf Alleineigentümer sein - soll jeder Mitarbeiter Gewissheit haben.

Der Ex-Magna-Chef plant die Marke Steyr wiederzubeleben. Produziert werden sollen u.a. leichte Kastenwagen mit Dieselmotoren und Elektroantrieb sowie Pritschenwagen, Kastenwagen und mittlere Lkw zwischen sechs und zwölf Tonnen, von denen 10.000 Fahrerkabinen pro Jahr für das Automotive-Unternehmen GAZ nach Russland gehen. Weiters sollen noch ein City-Bus mit Elektro-Antrieb und ein Bus für den Regionalverkehr gebaut werden.
 

Quelle: Agenturen / apb