Konjunktur flacht ab, Inflation steigt weiter

30. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Die Wachstumsaussichten für 2023 sind daher deutlich schlechter als noch vor drei Monaten, schreiben die Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS in ihrer Juni-Prognose. Die Inflation wird hingegen heuer wesentlich höher ausfallen als noch im März erwartet.

Die Wirtschaft Österreichs wird heuer etwas stärker zulegen als im März erwartet. Das liegt aber vor allem an guten Zahlen für das erste Quartal, im zweiten Halbjahr wird die Konjunktur erlahmen. 

So erwarten Wifo und IHS nun für heuer 4,3 beziehungsweise 3,8 Prozent BIP-Wachstum, im März waren noch 3,9/3,6 Prozent vorhergesagt. Die Erhöhung der Prognose liegt aber vor allem an einer Revision der Daten für 2021, also des Vergleichswertes des Vorjahres, wie das Wifo vermerkt. Das zweite Quartal schätzen die Institute unterschiedlich ein - das Wifo geht noch von einem deutlichen Wachstum aus, das IHS von einer Stagnation. Für den weiteren Jahresverlauf ist aber jedenfalls - wie auch weltweit - nur noch mit einem geringen Wachstum zu rechnen. Für 2023 nahmen die Institute dafür ihre Vorhersagen auf 1,6/1,4 Prozent und damit doch sehr deutlich zurück. Im März hatten sie noch 2,0/2,3 Prozent Wachstum erwartet.

Hartnäckige Inflation

Ursachen sind die straffere Geldpolitik der Zentralbanken, die hartnäckigere Inflation, anhaltende Lieferkettenprobleme und andere Folgen des Kriegs in der Ukraine. Beide Institute weisen auf die ungewöhnlich hohe Unsicherheit bei der aktuellen Prognose hin - nicht zuletzt wegen eines möglichen Gaslieferstopps Russlands, der bei beiden nicht eingerechnet ist.

Schlechte Nachrichten gibt es bei der Teuerung: Die Verbraucherpreise (VPI) dürften nun heuer laut Wifo um 7,8 Prozent steigen statt 5,8 Prozent und laut IHS um 7,4 Prozent statt 5,5 Prozent. Auch 2023 bleibt die Inflationsrate mit 5,3 Prozent (Wifo) bzw. 4,7 Prozent (IHS) um gut zwei Prozentpunkte höher als im März erwartet. Das massive Unterstützungspaket der Regierung zur Abmilderung der Effekte der Teuerung wird "den Preisauftrieb befördern", wie es beim Wifo heißt.

Einig sind sich die beiden Institute bei der Arbeitslosigkeit: Diese dürfte heuer auf 6,3 Prozent sinken und 2023 auf diesem Niveau stagnieren. Allerdings werden die Realeinkommen angesichts der hohen Inflation heuer sinken, das Wifo geht von einem Minus der Bruttoreallöhne pro Kopf von 3,9 Prozent aus. Der private Konsum wird heuer trotzdem stark steigen und die Wirtschaft antreiben. Dazu tragen eine verringerte Sparquote und die expansive Fiskalpolitik, also Geldregen, des Staats bei. Die hohe Unsicherheit dürfte hingegen zu geringeren Investitionen beitragen.

Industrie spürt Konjunkturrückgang

Das Budgetdefizit wird weiter zurückgehen, aber nicht mehr so rasch wie vor drei Monaten erwartet. Die Neuverschuldung dürfte nun heuer laut Wifo/IHS 3,0/3,8 Prozent betragen, nicht 2,4/2,3 Prozent. 2023 erwarten die beiden Institute nun 1,2/1,9 Prozent Defizit.

Das Wifo verweist darauf, dass die Industrie den weltweiten Konjunkturrückgang heuer schon deutlich zu spüren bekommt, während der Tourismus nach dem schwierigen Coronajahr 2021 deutlich überdurchschnittlich zulegen wird. Die Treibhausgasemissionen (gemessen in CO2-Äquivalenten) dürften wegen der Abschwächung der Industriekonjunktur sinken, schreibt das Wifo - um 1,8 Prozent heuer und weitere 1,1 Prozent 2023.

Quelle: Redaktion / koa