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IEA schlägt Alarm: EU wird Unabhängigkeit von russischem Öl und Gas verfehlen

06. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Seitdem Russland in der Ukraine einfiel ist Europa erst bewusst geworden, wie abhängig es Öl und Gas ist. Die Folge: Ein Boom beim Ausbau erneuerbarer Energie. Bis 2027 will die EU unabhängig sein - die Internationale Energieagentur IEA rechnet nun vor, dass die gesetzten Ziele deutlich verfehlt werden.

Bis 2027 hält es die IEA für realistisch, dass der Anteil der Erneuerbaren in der Stromproduktion Europas auf fast 55 Prozent steigt - das reicht aber nicht am Weg zum EU-Ziel von 69 Prozent. Der Transportsektor könnte zu 16 Prozent auf erneuerbare Energie umgestellt sein - die EU bräuchte aber laut Programm REPowerEU mehr als das doppelte. Und auch beim Heizen und Kühlen schafft die EU laut IEA-Prognose nur ein wesentlich geringes Wachstum als es nötig wäre.

Erneuerbare Energieträger im Aufwind

Hoffnung auf Einhaltung der Klimaziele

Der Krieg, dadurch steigende Preise und das Bewusstsein der drohenden Klimakrise treiben weltweit den Ausbau erneuerbarer Energieträger auf ungeahnte Höhen, so die am Dienstag veröffentlichte IEA-Prognose. Die IEA hat ihre Prognose für den Zuwachs bei Erneuerbaren im Vergleich zum Vorjahresbericht um 30 Prozent erhöht. Das deutlich beschleunigte Wachstum bei alternativen Energieträgern halte die Hoffnung am Leben, doch noch die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, schreibt die IEA.

Der weltweite Mehrbedarf an Strom kann zu über 90 Prozent mit Erneuerbaren gedeckt werden, im Wesentlichen mit Wind und Photovoltaik. Das bringt aber noch keinen Rückgang beim Einsatz fossilere Energieträger mit sich, sondern eine Stagnation bei der Kohleverstromung und einen leichten Anstieg für Gaskraftwerke.

2027: Mehr Wind- als Wasserkraft

Die installierte Leistung für PV wird sich im wahrscheinlichsten Szenario bis 2027 global auf 2.350 Gigawatt (GW) verdreifachen und dann höher sein als die Leistung bei Kohlekraftwerken. 2027 dürften auch erstmals mehr Windkraftwerke in Betrieb sein als Wasserkraftwerke. 40 Prozent des weltweiten Stroms werden dann aus erneubaren Quellen stammen. Große Photovoltaik-Anlagen sind in dieser Periode in einer Mehrheit aller Staaten die kostengünstigsten neuen Kraftwerke.

Die weltweite Kapazität Strom aus Wind zu erzeugen wird sich in den fünf Jahren bis 2027 verdoppeln. Europa wird aber Weltmarktanteile verlieren, weil das Wachstum in China und den USA deutlich höher ausfällt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam