APA/HELMUT FOHRINGER

E-Control "vorsichtig optimistisch" bei Energiepreisen

0

Die Großhandelspreise für Strom und Gas sind seit Monaten wieder gesunken, bei den Verbrauchern kommt das meist noch nicht an. Die E-Control sieht aber Anlass, "vorsichtig optimistisch" zu sein.

Die Strombörsen, an denen die Preise im vergangenen Jahr noch völlig aus dem Ruder gelaufen sind, haben sich wieder beruhigt. Bei der heimischen Regulierungsbehörde E-Control ortet man eine "sehr günstige Situation", auch weil aus erneuerbaren Energiequellen zurzeit viel Strom kommt.

"Dies führt schon seit Jahresbeginn zu stetig sinkenden Preisniveaus. Die Wintermonate werden jedoch immer noch mit gewissen Risiken bewertet", sagte Energieexperte Leo Lehr von der E-Control auf PULS 24 Nachfrage. Zurzeit liegt der Preis am Spotmarkt bei rund 10 Cent pro Kilowattstunde.

Strom für Privatkunden noch deutlich teurer

Der Einkaufspreis auf den Spotmärkten ist natürlich nicht der Preis, den Stromversorger dann auch verrechnen könnten. Schließlich fallen auf dem Weg Kosten an, ebenso werden Steuern und Abgaben fällig. Die Preise bei gewissen Anbietern sind jedoch weit von der tagesaktuellen Marktlage entfernt. 

Bei der Wien Energie ist für Neukunden der Arbeitspreis für eine Kilowattstunde Strom vor Steuern und Netzkosten mehr als viermal so hoch wie der Preis an den Börsen (mehr als 44 Cent Netto pro kWh). Neukunden erhalten jedoch Aktionen mit Gratis-Stromtagen, um den Preis zu drücken. "Leider ist dies für Konsument:innen oft schwieriger zu durchblicken, weshalb beim Vergleich Vorsicht angesagt ist", sagte Lehr zu Gratis-Stromaktionen und Neukundenboni. 

Versorgungssicherheit erklärt hohe Stromkosten

Der E-Control Experte ordnet die aktuelle Lage ein: "Die Energieversorger kaufen ihre Mengen für Bestandskunden üblicherweise 1-2 Jahre im Voraus ein und geben den Preis zeitverzögert weiter". Zur Kalkulation würden einige Stromanbieter den österreichischen Strompreisindex (ÖSPI) heranziehen. Dieser zeigt die durchschnittlichen Kosten der vergangenen Monate für längerfristige Strombestellungen. 

Auch hier ist die Spitze bereits überschritten. Im Juni fällt der ÖSPI um über 12 Prozent. Deshalb rechnet auch Energieexperte Lehr damit, dass die Preise bald sinken: "Wir gehen demnach davon aus, dass im zweiten Halbjahr 2023 auch die Landesenergieversorger ihre Preise zumindest langsam (von hohen Niveaus) nach unten anpassen – die Energie Steiermark hat dies etwa bereits angekündigt".

Die Energie Steiermark wird den Strompreis für 330.000 Kund:innen ab Juli nicht nur um 20 Prozent, sondern mit einem "Treuerabatt" um 27 Prozent senken, kündigte der Landesenergieversorger am Mittwoch an.

Preisvergleiche lohnen sich

"Neukundenangebote sind bereits oft deutlich günstiger als Bestandskundentarife – hier zahlt sich der Vergleich und Wechsel nun schon oft aus", so Lehr. Preisvergleiche sind zum Beispiel mit der Tarifrechner-Plattform der E-Control möglich. 

Das Verhalten der Kund:innen könne auch Einfluss auf die Preise haben. Wenn mehr Leute zu günstigeren Anbietern wechseln, könne ein größerer Wettbewerb am Markt entstehen, der die Preise sinken lässt. 

ribbon Zusammenfassung
  • Die Großhandelspreise für Strom und Gas sind seit Monaten wieder gesunken, bei den Verbrauchern kommt das meist noch nicht an.
  • Die E-Control sieht aber Anlass, "vorsichtig optimistisch" zu sein.
  • "Wir gehen demnach davon aus, dass im 2. Halbjahr 2023 auch die Landesenergieversorger ihre Preise zumindest langsam (von hohen Niveaus) nach unten anpassen", sagte E-Control-Experte Leo Lehr.