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WM 2022: Katar setzt bei der Eröffnung auf Willkommenskultur

20. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Viel war im Vorfeld über die Fußball-WM in Katar debattiert worden und das wird sich im Lauf dieses Sportereignisses auch nicht ändern. Sonntagabend (Ortszeit) wurde die WM offiziell eröffnet.

Die Fußball-WM im Wüstenstaat Katar ist offiziell eröffnet und der Gastgeber ließ sich bei der offiziellen Zeremonie mit Lichteffekten und einem Auftritt von Morgan Freeman nicht lumpen. Im Beduinen-Style und mit Lichtschwertern tanzte man zum Auftakt des Sportspektakels im Al Bayt Stadium.

Infantino wurde erhört

Scheichs paradierten mit ihren Säbeln auf dem Platz, passende Musik sorgte für lautliche Untermalung. Der südkoreanische Popstar Jung Kook und der katarische Sänger Fahad Al Kubaisi präsentierten den offiziellen WM-Song "Dreamers".

Einer der sich besonders freute, war FIFA-Präsident Gianni Infantino. Die Anflehungen in seiner Pressekonferenz vom Samstag, "bitte, diese WM zu feiern und zu hoffen, den Menschen auf der Welt zu einem Lächeln zu verhelfen", wurden offenbar erhört. Fans feierten in ausgelassener Stimmung - einige waren mit der traditionellen Kopfbedeckung der Scheichs zu sehen.

Inhaltlich stand die Eröffnung im Zeichen einer Willkommenskultur. So sprach man in Eröffnungsvideo davon, dass sich alle Menschen weltweit verbinden und nach Katar reisen sollten - die ganze Welt sei eingeladen. Der Reisende, der sich auf diesen Weg begab, war kein Geringer als Hollywood-Star Morgan Freeman, der dem katarischen Youtuber Ghanim al-Muftah die Hand reichte. Und dennoch: Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Gastfreundschaft pur

Denn mit der Betonung der Willkommenskultur und Gastfreundschaft greifen die Gastgeber auf die Historie zurück, mit der das heutige Katar wenig zu tun hat. So kommt einem bei der Strapazierung der Gastfreundschaft das berühmt-berüchtigte Kafala-System in den Sinn. Dieses stammt ursprünglich von den nomadischen Wüstenbewohner:innen der Beduin:innen. Es beschreibt die Verantwortung, die die Beduin:innen für einen Gast übernehmen.

Katar hat dieses System jedoch pervertiert, indem es unter anderem aber nicht nur im Zuge der WM, massenhaft Arbeitsmigrant:innen nach Katar karrte und für diese die "Verantwortung" überommen hatte und übernimmt. Unzählige dieser Arbeiter:innen sind diesem System zum Opfer gefallen und bezahlten oft mit dem Tod.

"Respekt und Inklusion"

"Endlich ist der Tag da, auf den wir so lange gewartet haben. Menschen unterschiedlicher Religionen und Ansichten werden sich hier versammeln. Ihre Diversität bringt sie zusammen", sagte Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani zum Abschluss Eröffnung.

"Das Thema der Eröffnungsfeier ist, alle Menschen zu versammeln, Differenzen zwischen der Menschheit zu überbrücken, Respekt und Inklusion", hatte die FIFA zuvor mitgeteilt.

Aussagen, die angesichts der zahlreichen Menschrechtsverletzungen weniger als nur Plattitüden sind - Aussagen von einem Land und Menschen, die das gar nicht leben.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp