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PULS 24-Kommentator Eschlböck: Raimann "für österreichischen Football genial"

02. März 2022 · Lesedauer 4 min

Bernhard Raimann bereitet sich derzeit in den USA auf den Sprung in die beste Football-Liga der Welt vor. Der Burgenländer hat sehr gute Karten, Ende April in Las Vegas das große Glück zu finden und als erster Österreicher im NFL-Draft ausgewählt zu werden.

Laut Michael Eschlböck müsste schon viel schiefgehen, damit der Offensive Tackle im Herbst nicht als "Rookie" in der Profi-Liga einläuft, erklärte der Präsident des American Football Bund Österreich (AFBÖ) im APA-Gespräch.

Eschlböck gilt als ausgewiesener Football-Experte und kommentiert für PULS 24 und PULS 4 die NFL-Spiele seit Jahren live. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Walter Reiterer ist er heuer wieder für die "Romy" nominiert, die das Duo bereits 2015 gewinnen konnte. Unter romyvoting.kurier.at/wahl2022 können Sie bei der Wahl abstimmen. 

Frage: Wie bewerten sie die Aussichten von Bernhard Raimann im NFL-Draft?

Eschlböck: "Laut allen Bewertungen ist er fast schon eine Bank für die erste Runde oder früh in der zweiten Runde. Es hängt natürlich auch sehr stark von dem ab, was die Teams brauchen, aber gerade die Offensive Line ist in diesem Draft sehr gefragt. Es sind sehr viele Teams, die O-Liner brauchen. Ich bin sehr optimistisch, dass er in erster Runde genommen wird. Da müsste schon eine Verletzung passieren. Natürlich kann der Combine (Talentesichtung in dieser Woche; Anm.) noch etwas verschieben. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass er da gut abschneidet."

Frage: Und wie groß ist die Chance, dass er relativ bald in der Liga auch wirklich zum Einsatz kommt?

Eschlböck: "Alle Experten schreiben ihm hohes Potenzial zu, weil er leicht zu coachen ist, lernfähig und auch den Körper hat. Er ist ein Diamant, der zwar nicht mehr ganz roh ist, aber man muss noch die Kanten und Ecken feinschleifen. Aber er wird wirklich schon als Starter gesehen. Darum ist es sehr wahrscheinlich, dass er in der ersten Runde geht, weil die Teams, die O-Liner brauchen, brauchen sie jetzt."

Frage: Wie würden Sie seine Position beschreiben? Welche Aufgaben hat man als Offensive Tackle?

Eschlböck: "Es gibt sogar eigenen Film darüber, "The Blind Side", über den Left Tackle Michael Oher, der genau diese Position gespielt hat. Es ist eine ganz, ganz wichtige Position. Man wird nur darauf aufmerksam, wenn die Spieler Fehler machen. Wenn nicht, sieht und hört man sie nicht. Dementsprechend gut bezahlt sind diese Spieler auch."

NFL made in Austria

Frage: Was würde Raimanns Ankunft in der NFL für Football in Österreich bedeuten?

Eschlböck: "Das wäre für den österreichischen Football genial. Es ist einfach die größte Sportart in den Vereinigten Staaten, fast mit Abstand, und erzeugt die größte Aufmerksamkeit. Es ist ein Ansporn für alle, weil es zeigt, wenn du dein Ziel konsequent verfolgst, ist es möglich, als Bursche aus Österreich in die NFL zu kommen. Es zeigt auch, dass Österreich auf einem guten Weg ist und dass die Vereine, vor allem die Vikings und die Raiders, eine hervorragende Nachwuchsarbeit machen. Es gibt ja auch andere Kandidaten. Sandro Platzgummer von den New York Giants und Bernhard Seikovits von den Arizona Cardinals hätten auch das Potenzial, in der NFL zu spielen. Es sind übrigens alle 1997er-Jahrgang."

Frage: Dass Raimann früh den Schritt in die USA gewagt hat und dort Highschool-Football gespielt hat, ist aber ein großer Vorzug, oder?

Eschlböck: "Ja klar. Wenn er an der Highschool spielt, ist er im Beobachtungssystem der Colleges drinnen, und wenn er am College spielt, ist er im Beobachtungssystem der NFL. Da wird jeder Spielzug von jedem einzelnen Spieler bewertet. Da ist statistisch nichts, was nicht erfasst ist. Das ist schon ein Vorteil im Gegensatz zum International Player Pathway Programm, das noch ein bisschen in den Kinderschuhen steckt."

Frage: Ex-Fußball-Teamkapitän Christian Fuchs (35) träumt von einer Karriere als NFL-Kicker. Hat er als nicht mehr ganz so junger Quereinsteiger eine Chance?

Eschlböck: "Bei den Kickern ist es ein bisschen anders. Die Stammkicker in der NFL sind sehr selten gedraftet worden, der Kicker von den Cincinnati Bengals ist da eine Ausnahme. Da ergeben sich immer wieder Chancen, viel geht auch über Beziehungen. Vom Alter wäre es auch kein Problem, einige Kicker haben bis in die Vierziger gespielt. Dass sich zwei, drei Teams den Fuchs anschauen, halte ich für durchaus möglich. Ich würde das nicht als völligen Nonsens vom Tisch wischen."

Quelle: Agenturen / mpa