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Katar-WM: Gelbe Karte für One-Love-Binde - Europäer knicken ein

21. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Ein mehrfarbiges Stückchen Stoff als Statement für Vielfalt und gegen Diskriminierung spaltet die Fußball-Welt: Die FIFA droht, jeden Spieler, der eine "One Love"-Kapitänsschleife trägt, mit Gelb abzustrafen. Sieben europäische Vereine knirschen zwar mit den Zähne, verzichten aber auf den Protest.

"Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet", hieß es vom niederländischen Fußballverband KNVB. "Wir stehen zur "One Love"-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt." Die KNVB bedauerte, dass es zu keiner gemeinsamen Lösung gekommen sei. Man werde in den kommenden Monaten einen "kritischen Blick auf unsere Beziehung zur FIFA" werfen.

Ganz mundtot ließen sich die Niederländer trotzdem nicht machen: Virgil van Dijk lief im Spiel gegen Senegal daraufhin mit einer gelbe Schleife mit dem Slogan "No Discrimination" ("keine Diskriminierung") ein.

Auch England, Deutschland, Wales, Dänemark, Belgien und die Schweiz verzichten auf die Schleife. Frankreichs Kapitän Hugo Lloris hatte zuletzt bereits angekündigt, sie nicht zu tragen. Inwieweit der streng muslimische WM-Gastgeber Katar in die Entscheidung involviert war, blieb am Montagmittag offen. 

Keine "One Love"-Kapitänsbinde für Neuer

Auch der Deutsche Fußball-Bund verzichtet auf die "One Love"-Kapitänsbinde für Manuel Neuer. "Die Fifa hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, wenn unsere Kapitäne die Binden auf dem Spielfeld tragen", hieß es vonseiten beteiligten Uefa-Nationen.

Die "One Love"-Kampagne war eine gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden. Die Fifa hatte zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel eigene neue Kapitänsbinden vorgestellt.

"Heute fühlen wir uns verraten"

Bei der erst am Sonntag begonnenen WM tun sich Gräben zwischen den Fußball-Mächtigen und den Fans auf. "Heute fühlen sich LGBT+-Fußballfans und ihre Verbündeten wütend. Heute fühlen wir uns verraten", paraphrasierte die Fan-Organisation Football Supporters' Association (FSA) die jüngste Rede von FIFA-Präsident Gianni Infantino. "Heute fühlen wir Verachtung für eine Organisation, die ihre wahren Werte unter Beweis gestellt hat, indem sie den Spielern die Gelbe Karte und der Toleranz die Rote Karte gezeigt hat."

Amnesty: "Grotesk"

Kritik übte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. "Die FIFA fährt schweres Geschütz gegen einzelne Spieler auf, um nationale Fußballverbände daran zu hindern, sich für Menschenrechte auszusprechen", erklärte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko. "Das ist grotesk und ein weiterer Beleg dafür, dass die FIFA ihre eigenen Werte und Verantwortlichkeiten mit Füßen tritt." Die FIFA habe sich "zu den Menschenrechten bekannt und dazu gehört auch das Recht, zu lieben, wen man möchte, ohne Angst vor Verfolgung und Diskriminierung".

Diesem Bekenntnis folgten aber keine Taten, kritisierte Beeko. "Stattdessen geht der Verband gegen Spieler vor, die auf dieses Versäumnis reagieren und ihre Solidarität bekunden wollen." Beeko nannte dies einen "Schlag ins Gesicht aller Menschen, die sich für die Rechte der LGBTI+ Community einsetzen".

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj/lam