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Menschenrechtsverletzungen in Katar - eine Übersicht

17. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Entscheidung die diesjährige Fußball-Weltmeisterschaft in Katar abzuhalten, wird von Menschenrechtsorganisationen schärfstens kritisiert. Aber was wird Katar vorgeworfen?

Gefängnis aufgrund der sexuellen Orientierung, ungeklärte Todesfälle auf WM-Baustellen - der diesjährige Fußball-Weltmeisterschafts-Austragungsort Katar steht medial immer wieder schwer in der Kritik. Dem Emirat wird von der Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen bis zur staatlichen Diskriminierung von Frauen und Queers die volle Bandbreite an Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen

Zentraler Kritikpunkt an Katar war und ist die Behandlung von Arbeitsmigrant:innen, die einen erheblichen Teil der Gesamtbevölkerung ausmachen. 87 Prozent der Menschen in Katar sind Migrant:innen, bei den Arbeitskräften sind es sogar 95 Prozent. Die katastrophalen Bedingungen, unter denen sie arbeiten, spiegeln sich vor allem in der Behandlung von Hausangestellten und Arbeitenden auf den Baustellen des Landes wider. 

Die Situation der rund 173.000 Hausangestellten, mehrheitlich Frauen, ist katastrophal. Laut einem Bericht von "Amnesty International" aus dem Jahr 2020 werden sie "misshandelt, erniedrigt und gezwungen, bis zur völligen Erschöpfung zu arbeiten". Die Betroffenen laufen ein großes Risiko Opfer verbaler und körperlicher Gewalt sowie sexuellen Missbrauchs zu werden. Als Hausangestellte werden sie "nicht als Menschen, sondern als Besitz behandelt", erklärt Steve Cockburn, Leiter der Abteilung wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bei Amnesty International.

20.000 Personen, mehrheitlich Männer, arbeiten auf den WM-Baustellen, die Stadien und Straßen für die Weltmeisterschaft bauen. Oft unter ebenso katastrophalen Bedingungen wie Hausangestellte. Laut "Amnesty International" werden ihre Gehälter häufig nicht bezahlt, Jobwechsel unterbunden und ihre Organisation in Gewerkschaften verboten.

Mehr noch: Viele diese Arbeiter:innen sterben an ungeklärten Todesursachen. Es gibt zwar keine genauen Statistiken für sämtliche Todesfälle, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten der WM aufgetreten sind, aber allein zwischen 2010 und 2019 sind 15.000 Menschen nicht-katarischer Staatsangehörigkeit verstorben. 70 Prozent ihrer Todesfälle sind ungeklärt.

Der britische "Guardian" sprach 2021 von über 6.500 Arbeitskräften aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, die seit Vergabe der WM an Katar dort verstorben seien. Auch wenn nicht sicher nachgewiesen werden könne, dass sie bei WM-Projekten gearbeitet hätten, sei es naheliegend, da sehr viele migrantische Arbeitskräfte sich in diesem Zeitraum nur wegen der WM in Katar aufhielten.

Frauenrechte

Frauen sind Männern in Katar in vielen Punkten nicht gleichgestellt. Das zeigt sich insbesondere im System der männlichen Vormundschaft, das Frauen die Möglichkeit nimmt selbstbestimmt über ihr Leben zu entscheiden, schreibt die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch"Um beispielsweise im Ausland zu studieren, zu heiraten oder in vielen öffentlichen Jobs zu arbeiten, müssen sie die Erlaubnis eines männlichen Vormunds einholen. Wenn sie Kinder bekommen, gelten sie nicht als deren primärer Vormund.

Auch das Scheidungsrecht diskriminiert Frauen und hält sie in oft in Beziehungen mit gewalttätigen Partnern gefangen. Nach einer Scheidung können Frauen oftmals nicht mehr heiraten, weil sie Angst davor haben, das Sorgerecht für eine Kinder zu verlieren. So geraten sie in die Abhängigkeit gewalttätiger Ehemänner.

Rechte von queeren Personen

Ähnlich katastrophal ist die Lage für queere Personen. Sie sind willkürlicher Gewalt ausgesetzt - auch vonseiten des Staates. Zwischen 2019 und 2022 gibt es mindestens sechs Fälle von heften Schlägen und fünf von sexueller Belästigung in Polizeigewahrsam gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen oder trans Personen (LGBTQ). Trans-Frauen wurden an öffentlichen Orten willkürlich verhaftet, ihre Freilassung nur dann in Aussicht gestellt, wenn sie sich einer Konversionstherapie unterziehen würden. 

Diese Diskriminierung ist auch rechtlich verankert. Gleichgeschlechter Sex ist in Katar genauso verboten wie außereheliche heterosexuelle Handlungen. 

 

Quelle: Redaktion / mbe