APA/ERWIN SCHERIAU

Sturm hält Team und visiert wieder "Best of the Rest" an

15. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Sturm Graz trägt den inoffiziellen Titel "Best of the Rest" mit Stolz - und will diesen auch im kommenden Jahr nicht abgeben. 15 Punkte hinter Serienmeister Salzburg, aber noch acht vor der drittplatzierten Austria beendete Österreichs Vizemeister die abgelaufene Saison. Als Belohnung dürfen die Grazer ihr Glück in der Champions-League-Qualifikation versuchen. Christian Ilzer darf dabei auf eine eingespielte Elf vertrauen. Das Erfolgsteam blieb Sturm treu.

"Es kann losgehen, wir sind bereit", sagte Sportchef Andreas Schicker nach den letzten Tests vor den ersten nationalen Aufgaben. Nach dem Cup-Auftritt in Röthis startet Sturm kommenden Samstag auswärts beim WAC in die Saison, eine Woche später gastiert Salzburg in Liebenau. Danach steht schon das Hinspiel in der dritten Quali-Runde der Champions League auf dem Programm. Es sind drei Gradmesser innerhalb von eineinhalb Wochen.

Der Kader für ein dichtes Herbstprogramm steht. Sturm hat nachjustiert und Qualität geholt. Bei Linksverteidiger David Schnegg (von Venezia, 23), den Mittelfeldspielern Tomi Horvat (NS Mura, 23) und Vesel Demaku (Austria Wien, 22) sowie Verteidiger Dominik Oroz (leihweise Vitesse Arnheim, 21) blieben die Grazer ihrem Beuteschema treu. Es sind allesamt Spieler mit Entwicklungspotenzial.

"Man braucht arrivierte Spieler, die wir auch haben. Aber wir wollen auch unseren Marktwert verbessern. Wir sind mit 13, 14 Millionen gestartet, nun stehen wir bei 33 Millionen. Alles selbst entwickelt und nicht zugekauft", rechnete Trainer Christian Ilzer vor. Schließlich will sich Sturm als Sprungbrett in große Ligen etablieren. Die Rechnung ging schon mit Kelvin Yeboah auf. Die Millionen, die der Verkauf in die Kassa spülte, wurden umgehend in Rasmus Højlund investiert.

Højlund heiß begehrt

Um den 19-jährigen Dänen gab es dieser Tage wieder Gerüchte. Der Club Brügge soll ein Auge auf Højlund geworfen haben. Laut Schicker traf bisher noch keine offizielle Anfrage ein. Einen Abgang würden sich die Steirer mit einigen Millionen versüßen lassen. Amadou Dante wurde schon vor Wochen mit einem Wechsel in die nordamerikanische MLS in Verbindung gebracht, ein Vollzug blieb aus. Selbst versuchte Sturm, Verteidiger Dominik Baumgartner vom WAC loszueisen. Die Wolfsberger blieben bei ihrer Millionen-Forderung eisern. Das letzte Wort soll noch nicht gesprochen sein.

Christian Ilzer ist auf alle Fälle geblieben. Dass er mit einem Wechsel in die Schweiz liebäugelte - die Young Boys aus Bern sollen Interesse gezeigt haben - verneinte der 44-Jährige. "Ich habe meinem Berater klar gesagt, was mein Weg ist. Mein Fokus war immer bei Sturm Graz", betonte der Coach. Ilzer vermutet noch einiges an brachliegendem Potenzial, sieht "Dynamik im Verein". Eines sei aber klar: "Es wird eine Entwicklung nötig sein, um Ähnliches erreichen zu können wie im letzten Jahr."

Ilzer: Salzburg "nicht erreichbar"

APA/ERWIN SCHERIAU

Den Fokus auf die Liga nicht verlieren und konstant punkten, lautet das Rezept. Den Titel des Salzburg-Jägers will man sich in Graz nicht umhängen lassen. Sicher sei die Erwartungshaltung im Umfeld nun groß, vermutete Ilzer. Kampfansagen Richtung Serienmeister seien jedoch fehl am Platz. "In einzelnen Spielen haben wir sie geschlagen, aber über die Saison sind sie nicht erreichbar."

"Wenn man am Ende wieder 'Best of the Rest' ist, wäre es eine fantastische Saison, vergleichbar mit dem Meistertitel", sagte Ilzer. Er erinnerte daran, dass der Schweizer Meister in der Champions League heuer bereits in der zweiten von vier Qualifikationsrunden antreten muss. "Da hat der Vize in Österreich den besseren Preis." Dies sei mit Blick auf die Fünfjahreswertung natürlich ein Verdienst von Salzburg.

Hammer-Aufgaben in CL-Quali

Um selbst den Einzug in die Champions League zu schaffen, muss Sturm über sich hinauswachsen. Benfica Lissabon, PSV Eindhoven und die Glasgow Rangers stehen als mögliche Kontrahenten fest. Dazu kommt der Sieger aus Dynamo Kiew gegen Fenerbahce. Ilzer sieht sein Team in jedem Fall als krasser Außenseiter: "Wir brauchen Wunderspiele. Aber wenn man nicht an Wunder glaubt, dann sind sie auch nicht möglich."

Quelle: Agenturen / mpa