APA - Austria Presse Agentur

Ballon d'Or: Ronaldo sauer - Bayern diplomatisch

29. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Die Enttäuschung bei Robert Lewandowski dürfte am Montag groß gewesen sein. Nicht Bayern Münchens Goalgetter, sondern Lionel Messi wurde in Paris mit dem prestigeträchtigen Ballon d'Or für das Jahr 2021 geehrt. Lewandowski und die Bayern-Führungsriege zeigten sich nach der Wahl diplomatisch. Der abwesende Cristiano Ronaldo übte herbe Kritik.

Während sich Lewandowski bei der von der französischen Fachzeitung "France Football" durchgeführten Wahl mit Platz zwei begnügen musste, stemmte der Argentinier in Diensten von Paris Saint-Germain die Trophäe zum siebenten Mal und ist damit Rekordtitelhalter.

"Unglaublich, hier zu sein. Vor zwei Jahren dachte ich, es sei das letzte Mal", meinte der 34-Jährige in seiner Ansprache. "Der Schlüssel war, die Copa America zu gewinnen", sagte Messi, der im Sommer Argentinien erstmals seit 28 Jahren zum Gewinn der Südamerikameisterschaft geführt hatte.

Matthäus: "Verstehe die Welt nicht mehr"

Kein Verständnis dafür, dass die Wahl auf Messi fiel, zeigt Ex-Bayern-Profi Lothar Matthäus: "Ehrlich gesagt, verstehe ich nach dieser Wahl die Welt nicht mehr. Bei allem Respekt für Messi und die anderen großartigen nominierten Spieler. Keiner hätte es so verdient gehabt wie Lewandowski."

Diplomatischer äußerten sich die Bayern-Bosse rund um Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Herbert Hainer, die jedoch allesamt betonten, dass sich Lewandowski die Auszeichnung verdient hätte.  Der Pole erwies sich in einem Tweet als fairer Verlierer. Er gratulierte den Gewinnern und allen nominierten Spielern und bedankte sich bei seinem Team und seinen Fans. 

Kritik von Ronaldo

Der bei der Zeremonie nicht anwesende Ronaldo attackierte indes kurz davor den Mitorganisator der Auszeichnung scharf. "Pascal Ferré hat gelogen, er hat meinen Namen benutzt, um für sich selbst zu werben und für die Zeitung, für die er arbeitet", schrieb Ronaldo auf Instagram. Damit ging er auf Äußerungen des Chefredakteurs von "France Football" ein, der behauptet hatte, dass Ronaldos größtes Ziel sei, seine Karriere mit mehr Goldenen Bällen als sein Dauerrivale Lionel Messi zu beenden. "Es ist inakzeptabel, dass die Person, die für die Verleihung eines so prestigeträchtigen Preises verantwortlich ist, auf diese Weise lügt, in absoluter Respektlosigkeit gegenüber jemandem, der France Football und den Ballon d'Or immer respektiert hat", ergänzte Ronaldo.

Seit 2008 nur Messi, Ronaldo und Modric Sieger

Seit 2008 haben entweder Messi oder Cristiano Ronaldo (5) die Auszeichnung erhalten, nur 2018 durchbrach der Kroate Luka Modric diese Phalanx. Diesmal hatte sich Lewandowski große Hoffnungen gemacht. Schließlich hatte der 33-Jährige nach der Triple-Saison 2020 auch in diesem Jahr wieder Bestmarken aufgestellt. So übertraf Lewandowski in der deutschen Bundesliga den als ewig geltenden Torrekord von Gerd Müller mit 41 Treffern. In der laufenden Saison steht der Pole schon wieder bei 25 Treffern in 20 Pflichtspielen für die Bayern.

Lewandowski Torschütze des Jahres

"Es ist eine Ehre, mit Dir hier zu sein. Du hast Rekorde gebrochen, und hättest es auch verdient gehabt, den Ballon d'Or zu gewinnen", hatte Messi zumindest aufmunternde Worte für Lewandowski parat. Dieser durfte zuvor trotzdem noch auf die Bühne und wurde in einer neu eingeführten Auszeichnung als bester Torschütze des Jahres geehrt, was aber eher eine Art Trostpreis war.

Als bester Tormann wurde Europameister Gianluigi Donnarumma gewählt, die "Trophee Kopa" für den besten Nachwuchsspieler gewann der Spanier Pedri vom FC Barcelona. Bei den Frauen ging der Goldene Ball an die Spanierin Alexia Putellas.

Der Ballon d'Or ist kein Ersatz für die Weltfußballer-Wahl. Diese Wahl wird weiterhin vom Weltverband FIFA veranstaltet, die Kür erfolgt am 17. Jänner 2022. Für das Jahr 2020 wurde Lewandowski erstmals als Weltfußballer gekürt. Der Ballon d'Or wurde dagegen im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht vergeben. Von 2010 bis 2015 wurde der Weltfußballer durch eine Kooperation der FIFA und "France Football" mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet.

Quelle: Agenturen / mpa