APA - Austria Presse Agentur

Wolfgang Mückstein: Wer ist der neue Gesundheitsminister?

13. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Wolfgang Mückstein, bisher Leiter des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf, wird Rudolf Anschober als neuer Gesundheitsminister nachfolgen.

Zwar stand Wolfgang Mückstein während der Corona-Pandemie schon mit seinem Vorgänger Rudolf Anschober auf der Pressekonferenz-Bühne, dennoch dürfte er für den Großteil der Österreicher ein Unbekannter sein. Anders in Wien: Dort war er 2015 Mitgründer des Primärversorgungszentrums in Mariahilf – und dessen Leiter. Damals ging es darum, die Spitalsambulanzen zu entlasten – darum geht es auch heute noch. Nun soll Mückstein nach dem Rücktritt von Rudolf Anschober die Pandemie managen. Das gab Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) am Dienstagmittag bekannt.

Nachdem Kogler sichtlich emotional Anschober für seinen Einsatz und seine Arbeit dankte, ging er auf seinen Nachfolger Mückstein ein. "Er packt an", beschrieb Kogler das Wesen von Mückstein. Außerdem kenne er als Allgemeinmediziner die Betroffenen, hebt Kogler hervor. 

Mückstein: "Unpopuläre Entscheidungen, wenn nötig"  

Mückstein nutzte die Pressekonferenz, um sich selbst vorzustellen. Er habe sich seine Entscheidung den Posten anzunehmen gut überlegt. Er wolle "mithelfen, dass wir Krise bestmöglich bewältigen." Es handle sich dabei um eine "historische Aufgabe".

Wolfgang Mückstein kurz vorgestellt

Der Allgemeinmediziner umriss auch gleich, wie er das Amt auslegen wird: Er sei bereit "unpopuläre Entscheidung zu treffen, wenn es nötig ist." Er sagte ebenfalls, dass er bei einer prekären Situation auf den Intensivstationen, wie es derzeit in Wien der Fall sei, immer für einen harten Lockdown eintreten werden.

Ex-Ärztekammer-Funktionär

Der 44-Jährige studierte Medizin an der Uni Wien und absolvierte auch ein Bachelor-Studium im Bereich der traditionellen chinesischen Medizin. Mückstein bekleidete auch eine Funktion in der Ärztekammer Wien und beschreibt seine Tätigkeitsschwerpunkte in der "Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit in der Allgemeinmedizin, um die Attraktivität und Wertschätzung der KassenärztInnen zu erhöhen".

Auch politische Ziele bis 2022 finden sich: Diese waren für ihn die "Integration des Wiener Modells in den Gesamtvertrag" eine "angemessene Honorierung und Wertschätzung für kassenärztliche Tätigkeit" und eine "Stärkung der Identifikation der KollegInnen mit der Standesvertretung". Dennoch sagte er erst vor drei Wochen bei der PULS 24 Sendung "Pro und Contra": "Ich möchte kein Politiker sein".

Pandemie

Während der Corona-Pandemie äußerte er sich unter anderem zu den Antigentests. Im Primärversorgungszentrum wurde im vergangenen Jahr auch in einem der ersten Probebetriebe 100 Patienten getestet. "Die Vorteile liegen auf der Hand, das Ergebnis ist in 15 Minuten da und der Abstrich einfach durchzuführen", berichtete er damals. Mittlerweile sind die Antigentests im Alltag der Österreicherinnen und Österreicher angekommen.

Auch die Kollateralschäden nannte Mückstein früh beim Namen. In einem Interview mit dem "Standard" merkte er an, dass viele Menschen nicht mehr zum Arzt gehen würden, obwohl sie sollten. "Auch dadurch entstehen Kollateralschäden. Hier hätte man vonseiten der Behörden besser kommunizieren müssen."

Auch die Kommunikation der Regierung kritisierte er: " Während des Lockdowns haben viele Menschen Gewicht zugenommen, weniger Sport getrieben und sind weniger raus gegangen. Das hätten sie zwar gedurft, es wurde aber leider unklar kommuniziert. Die Konsequenzen werden wir erst in einigen Monaten oder Jahren sehen – vor allem dort, wo Patienten in dieser Zeit nicht behandelt wurden, also wo eine chronische Wunde nicht zugeheilt ist oder Diabetiker ein paar Monate schlecht eingestellt waren."

Nun muss Wolfgang Mückstein selbst kommunizieren und den in einer Pandemie wichtigsten Job in der Regierung übernehmen. Er wird neuer Gesundheitsminister und als selbiger am Montag angelobt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe