Anschober-Rücktritt: "Will mich nicht kaputt machen"

13. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat am Dienstag seinen Rücktritt erklärt. Das teilte er in einer persönlichen Erklärung mit. Er sei "überarbeitet und ausgepowert", begründete er die Entscheidung.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kehrt nach seiner Krankschreibung nicht an die Spitze seines Ressorts zurück. Der Grünen-Politiker hat am Dienstag den Tränen nahe seinen Rücktritt erklärt.

Anschober begründete den Schritt damit, dass ihm die letzten 14 Monate stark zugesetzt haben. Aufgrund der Corona-Pandemie habe er 14 Monate durchgearbeitet und sich dabei "offenbar überarbeitet". Seit mehreren Wochen sei er nicht mehr fit. Ihm sei auch zunehmend die Kraft ausgegangen. Er kämpfe mit Bluthochdruck, Kreislaufproblemen und einem angehenden Tinitus.

Er habe mit den Ärzten beraten, die ihm zu einer Pause geraten hätten. Deshalb sei er zum dem Schluss gekommen, dass er zurücktreten müsse, da das Land einen fitten Gesundheitsminister brauche.

Sein Nachfolger wird Wolfgang Mücksteinbisher Leiter des Primärversorgungszentrums Medizin Mariahilf. Das teilte Vizekanzler Werner Kogler am Dienstag mit.

Corona war große Herausforderung

Anschober sagte, dass er die Funktion als Gesundheitsminister mit "großer Freude" angetreten ist. Er lobte eingangs die Arbeit seines Ministeriums. Vieles sei geplant, in Angriff genommen und soweit vorbereitet worden, dass es umgesetzt werden könne. Dabei sprach er unter anderem die "größte Pflegereform die es seit Jahrzehnten in Österreich gegeben hat", an.

Kdolsky: Anschober wurde zu wenig unterstützt

Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky kommentiert im PULS 24 den Rücktritt ihres Amtsnachfolgers Rudolf Anschober.

Im Anschluss ging er auf die Corona-Pandemie ein. Alle - die EU, die Mitgliedsstaaten und auch das Gesundheitsministerium – seien durch die Pandemie überrascht worden. Die Pandemie habe viele Herausforderungen an sein Haus gestellt - für ihn und jeden Mitarbeiter. In dieser Zeit sei man zusammengewachsen und zu einem Team geworden, sagte Anschober emotional berührt. Das Gesundheitsministerium sei in der Zeit auch mittelfristig zukunftsfit gemacht worden.

Anschober hielt fest, dass er seine Arbeit dialogorientiert ausgelegt hat. Er habe sich zum Ziel gesetzt "einvernehmlich zu gestalten" – einvernehmlich mit Bund und Ländern. Denn fehlende Einbindung hätte die absolute Verunsicherung für die Bürger bedeutet. "Wir sind meiner Ansicht nach immer dann erfolgreich gewesen, wenn wir Einigkeit gehabt haben und zusammengehalten haben – in der Politik und in der Bevölkerung", hielt der Politiker fest.

"Quelle meiner Energie nicht mehr da"

Er kam dann auf für ihn schwierigen Umgang mit der zunehmenden Kritik und dem Druck. Er verwies dabei beispielsweise an, dass er seit November unter Polizeischutz steht. Anschober sprach von einem "Lernprozess".

Die gute Arbeit der Cobra-Beamten hätte aber nicht verhindern können, dass eine "Quelle einer Energie nicht mehr da war." Es handle sich dabei um das ungezwungenes Gespräch mit Bürgern im Alltag.

Reaktionen auf Anschobers Rücktritt

Die PULS 24 Anchor René Ach und Thomas Mohr kommentieren die ersten Reaktionen auf den Rücktritt von Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Auch der Druck habe in dieser Phase zugenommen. Er zeigte sich erleichtert darüber, die geplanten Öffnungen im Frühjahr stoppen zu können. Auch die "Osterruhe", die wie er seinen Kritikern Recht gab ein Lockdown sei, sei eine wichtige Maßnahme gewesen.

"Bin überarbeitet und ausgepowert"

Anschober betonte in seiner Rücktrittserklärung, dass sich niemand für eine Krankheit schämen müsse. Der Grünen-Politiker wies aber Gerüchte über einen erneuten Burn-out zurück. Wäre dies der Fall würde er nicht heute nicht hier stehen, sagte Anschober.

Die letzten 14 Monate hätten ihm alles abgefordert. Es sei "überarbeitet und ausgepowert". Aus diesem Grund habe er sich für einen Rücktritt entschieden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb